«Vertrauen tief erschüttert»: Tamedia-Belegschaft wehrt sich gegen geplante Entlassungen
Letzte Woche vermeldete Tamedia, dass im Verlagshaus 34 Vollzeitstellen gestrichen werden sollen. Insgesamt sind 41 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter aus den News-Redaktionen in Zürich, Bern, Basel, Lausanne und Genf betroffen.
Dagegen wehrt sich aber nun die Belegschaft. Diese hat sich in dieser Woche mittels Briefs an die Geschäftsleitung gewandt, um im Rahmen eines Konsultationsverfahrens gemeinsam Lösungen zu finden, um diese Kündigungen abwenden zu können. Unterschrieben war der Brief von rund 270 Mitarbeitenden, wie es in einem Communiqué der Tamedia-Redaktionen heisst.
Doch am Donnerstag kam die abschlägige Antwort der Geschäftsleitung. Man wisse, wie belastend die Situation für jeden Einzelnen sei, aber man wolle den Betroffenen rasch Klarheit geben. Der Medienwandel verlaufe eben schnell, so die Antwort der Geschäftsleitung gemäss dem Communiqué.
Die Belegschaft will das nicht akzeptieren. In einer gemeinsamen Personalversammlung der Standorte Bern, Basel und Zürich wurden deshalb folgende Forderungen beschlossen:
- Konsequenzen statt Abwälzung
«Bislang musste stets die Belegschaft den Kopf hinhalten für falsche Strategieentscheide. Wir fordern, dass nun auch die Geschäftsleitung Verantwortung übernimmt und personelle Konsequenzen zieht. Die Fehlentscheide dürfen nicht immer auf die Redaktion abgewälzt werden. Unser Vertrauen in diese Führung ist tief erschüttert. Wir haben alle Strategiewechsel und Veränderungen stets mitgetragen. Dafür wurde die Belegschaft immer wieder gelobt – und am Ende gab es doch Entlassungen. Wir möchten, dass Tamedia für qualitativ hochstehenden und innovativen Journalismus steht und nicht für ein Unternehmen, das hauptsächlich Kosten spart und Gewinne maximiert.» - Kündigungsstopp, Konsultationsverfahren und Freiwilligenprogramm
«Wir fordern einen sofortigen Kündigungsstopp und ein Konsultationsverfahren auch in der Deutschschweiz. Freiwillige Abgänge müssen berücksichtigt werden.» - Investition in menschengemachten Journalismus
«Wir alle wollen technologisch am Ball bleiben. Aber die Leserinnen und Leser sind nicht bereit, für KI-generierten Journalismus zu bezahlen. Im Gegenteil: Sie misstrauen ihm mehrheitlich. Wir fordern, dass die Geschäftsleitung in Journalismus investiert, der von Menschen gemacht wird. Wir sind überzeugt: Nur so hat Qualitätsjournalismus eine Zukunft.»
Um den Forderungen Nachdruck zu verleihen, kündigt die Belegschaft an, am Dienstag, 20. Oktober, vor dem Haupteingang des Tamedia-Gebäudes an der Werdstrasse in Zürich gegen den Abbau zu protestieren:
(ome)
