Schwere Sexismus-Vorwürfe bei Westschweizer Zeitung – die Sonntagsnews
Vorwürfe gegen beurlaubte Kadermänner von «24 Heures», der NDB warnt vor wirtschaftlichen Kontakten mit China und drei Kantonsräte fordern eine Untersuchung bezüglich einer AKW-Studie: Das und mehr findet sich in den Sonntagszeitungen.
Sexismus-Vorwürfe bei Westschweizer Zeitung «24 Heures»
Der Verlag Tamedia hat nach Angaben von «SonntagsBlick» zwei Führungskräfte der Westschweizer Zeitung «24 Heures» freigestellt. Vorwürfe von Sexismus und sexualisierter Gewalt stünden im Raum, schrieb die Zeitung. Bei einer Weihnachtsfeier von «24 Heures» soll ein Kadermann eine junge Journalistin geküsst und ihr an die Brüste gegriffen haben, wie die Frau zu «SonntagsBlick» sagte. «Hätte ich davon gewusst, hätte ich etwas dagegen unternommen», sagte der damalige Chefredaktor Claude Ansermoz zur Zeitung. Ansermoz sei eingeschritten, als er erfahren habe, dass ein anderer Kadermann eine angebliche Affäre mit einer Mitarbeiterin gehabt habe. Dieser Kadermann sollte nach Informationen von «SonntagsBlick» rund drei Jahre später Chefredaktor von «24 Heures» werden. Tamedia-CEO Jessica Peppel-Schulz habe die geplante Ernennung nach internen Protesten gestoppt. Tamedia hat laut «SonntagsBlick» beide Kadermänner «unter Wahrung der Unschuldsvermutung» beurlaubt. Externe Untersuchungen seien im Gange, schrieb «SonntagsBlick».
«NZZ am Sonntag»:
NDB hält wirtschaftliche Beziehungen zu China für ein Risiko
Der Nachrichtendienst des Bundes (NDB) stuft laut der «NZZ am Sonntag» jeden wirtschaftlichen Kontakt mit China als potenzielles Risiko ein. Diese Warnung sprach NDB-Direktor Serge Bavaud vor der Sicherheitspolitischen Kommission des Nationalrats aus, wie die Zeitung schrieb. Die Sitzung fand demnach eine gute Woche vor dem Abschluss der Verhandlungen über ein Freihandelsabkommen mit China statt. Die Verhandlungen zum Abkommen seien in enger Absprachen mit allen relevanten Bundesstellen, inklusive dem NDB, geführt worden, hiess es vom Wirtschaftsdepartement. Das Abkommen werde kaum Einfluss auf die Handels- und Investitionsflüsse aus China in die Schweiz haben und keine neuen Abhängigkeiten schaffen.
War die ZHAW-Studie zu neuen Atomkraftwerken politisch gefärbt?
Drei bürgerliche Zürcher Kantonsräte haben nach Informationen von «SonntagsBlick» eine unabhängige Untersuchung der kürzlich veröffentlichten AKW-Studie der Zürcher Hochschule für Angewandte Wissenschaften (ZHAW) gefordert. Sie sehen einen möglichen Interessenkonflikt, wie die Zeitung schrieb. Zudem stellen sie demnach die Eigenständigkeit der Studie infrage. Die Schweizerische Energie-Stiftung (SES) habe die Studie in Auftrag gegeben. Ein Mitautor der ZHAW-Studie stehe der SES nahe, schrieb «SonntagsBlick». Für die Berechnungen seien zudem Szenarien benutzt worden, die ursprünglich für die SES entwickelt worden seien. Die ZHAW wies die Vorwürfe laut der Zeitung zurück. Die wissenschaftliche Beurteilung, Methodik und Auswertung seien unabhängig erfolgt.
Die Schweiz ist zu wenig auf aggressiven Kunstraub vorbereitet
Die EU-Polizeibehörde Europol hat nach Angaben der «NZZ am Sonntag» vor immer aggressiveren Kunstrauben gewarnt. Der zunehmende Einsatz von Gewalt deutet auf neue kriminelle Netzwerke hin, wie die Zeitung schrieb. Die Informationen entnahm sie einem Bericht von Europol, der nächste Woche publiziert werde. Bei den Raubzügen stehe zunehmend das Material – Gold, Silber, Edelsteine – und nicht das Kunstwerk im Fokus der Kriminellen. Wie bei Menschen- oder Drogenhandel bereits bekannt, würden sich die Kriminellen teils nur für einen Raub zusammenschliessen. «Wer heute zur Tat schreitet, agiert wie ein gewalterprobter Söldner», sagte der Schweizer Kunstrechtsexperte Andrea Raschèr zur Zeitung. Hierzulande sei es zuletzt zu einem brachialen Raub im Uhrenmuseum von Le Locle NE gekommen. Der Fall reihe sich in eine Serie ein, schrieb die Zeitung.
Ex-Raiffeisen-Präsident hat von Vincenz-Geschäft gewusst
Der frühere Präsident von Raiffeisen Schweiz, Franz Marty, hat gemäss «SonntagsBlick» bereits 2008 von einem umstrittenen Geschäft des damaligen CEO Pierin Vincenz gewusst. Er unternahm jedoch nichts dagegen, wie die Zeitung schrieb. Konkret gehe es um die Übernahme der Bezahlterminalfirma Commtrain Card Solutions (CCS) durch die Aduno-Gruppe im Jahr 2007. Marty habe Anfang 2008 bankinterne Informationen erhalten, wonach sich Vincenz und sein Geschäftspartner Beat Stocker laut «SonntagsBlick» verdeckt an CCS beteiligt haben sollen, um die Firma später mit Gewinn an Aduno zu verkaufen. Wegen des laufenden Gerichtsverfahren wollte sich Marty nicht öffentlich äussern, wie die Zeitung schrieb.
Ehemaliger Ustemer Polizist soll Schmähbriefe geschrieben haben
Eine Administrativuntersuchung wirft laut «SonntagsBlick» dem ehemaligen Polizeikommandanten der Stadt Uster ZH das Verfassen von anonymen Schmähbriefen vor. Er sei «mit grosser Wahrscheinlichkeit» der Verfasser der anonymen Briefe, zitierte die Zeitung aus dem Bericht. Der ehemalige Polizeikommandant bestritt demnach die Vorwürfe. «Weder gibt es konkrete Beweise, noch hält die im Untersuchungsbericht aufgeführte Indizienkette», teilte seine anwaltliche Vertretung der Zeitung mit. Gemäss «SonntagsBlick» sind wieder anonyme Briefe im Umlauf. Über ihren Urheber sei nichts bekannt. Darin werde der ehemalige Polizeikommandant gelobt, politische Amtsträger würden kritisiert.
Romands sind keine Fans der Lehre
Die Berufslehre ist nach Angaben der «SonntagsZeitung» in der Westschweiz deutlich weniger verbreitet wie in der Deutschschweiz. Im Kanton Genf steckten im Schuljahr 2024/25 nur knapp 15 Prozent der Schülerinnen und Schüler unter 20-Jährigen im ersten Lehrjahr, wie die Zeitung anhand von Zahlen des Bundesamts für Statistik schrieb. Im Kanton Waadt seien es 34,5 Prozent gewesen. Eine Berufslehre würde oft gar nicht in Betracht gezogen würde. Zu diesem Schluss sei eine Umfrage des Forschungsinstituts GFS im Auftrag des Kantons Waadt. Der Anteil unter 20-Jährigen im ersten Lehrjahr ist auch im Kanton Tessin kleiner als in allen Deutschschweizer Kantonen, wie eine von der «SonntagsZeitung» veröffentlichten Grafik zeigte.
Weiterer Food-Lieferdienst streicht die Segel
Mit Aldi Now zieht laut der «SonntagsZeitung» ein weiterer Lieferdienst den Stecker. Zuvor stellten bereits Notime, Farmy und Smood die Lieferung von Lebensmitteln an die Haustür von Kundinnen und Kunden ein, wie die Zeitung schrieb. Aldi habe den Schritt mit seiner neuen Strategie unter dem Motto «Rückbesinnung zum wahren Discounter» begründet. Entlassungen gibt es gemäss der Zeitung weder bei der Lieferfirma noch bei Aldi. Branchenkenner seien nicht überrascht. Der Schweizer Online-Lebensmittelhandel sei ein teures Pflaster, schrieb die «SonntagsZeitung». Es sei ein offenes Branchengeheimnis, dass die Angebote von Coop und Migros allein weniger profitabel seien und vor allem das stationäre Geschäft ergänzten. Beide Detailhändler machten laut der Zeitung keine Angaben zur Profitabilität ihrer einzelnen Onlinesparten.
Fifa bricht Versprechen in Gaza
Von den Versprechen des Weltfussballverbands Fifa für Gaza ist nach Worten der «NZZ am Sonntag» vor Ort nichts zu sehen. Der Palästinensische Fussballverband, der gemäss der Zeitung erster Ansprechpartner der Fifa sein sollte, habe keine offiziellen Informationen erhalten. «Wir wurden in keiner Weise konsultiert», sagte eine Sprecherin des Verbands, der Fifa-Mitglied ist, zur Zeitung. Im Februar hatte der Weltverband die Schaffung eines «kompletten Fussballökosystems» angekündigt, wie die «NZZ am Sonntag» schrieb. Als Zeithorizont für eine erste Phase seien drei bis sechs Monate festgelegt worden. Ein Fifa-Sprecher habe auf einen Zusatz der Ankündigung von Februar verwiesen, wonach die erste Phase beginne, sobald es die Umstände vor Ort erlaubten. Friedlich sei die Lage in Gaza keineswegs, fügte die «NZZ am Sonntag» an.
Oswald Grübel für mehr Eigenkapital bei Banken
Der Ex-UBS-Chef Oswald Grübel hat sich in einem Interview mit der «SonntagsZeitung» hinter die Forderung des Bundes nach mehr Eigenkapital gestellt. Der Staat als grösster Stakeholder und «Lender of last resort» müsse entscheiden, welche Bedingungen für eine Bank gelten, sagte Grübel zur Zeitung. Schliesslich müsse der Staat im Fall einer Krise die Liquidität bereitstellen, um seine Wirtschaft zu schützen. «Man kann den Staat nicht gleichzeitig für mangelnde Aufsicht kritisieren und dafür, dass er strengere Regeln und höhere Reserven verlangt», sagte der ehemalige Chef der Credit Suisse und später der UBS. (sda/her)
