«Sie haben der Nachbarin auf den Vorplatz geschissen» – das Pinkel-Gässli von St.Gallen
Am 2. Mai 1215 loderte St.Gallen lichterloh. Die Stadt brannte fast gänzlich nieder. Zum ersten, aber definitiv nicht letzten Mal in ihrer Geschichte.
Ab dem 16. Jahrhundert führte man deshalb Dutzende sogenannte Feuergassen in der St.Galler Innenstadt ein. Die engen Passagen, welche Häuserzeilen unterbrachen und Hauptgassen miteinander verbanden, sollten verhindern, dass ein einzelner Brand in einem Dachstock auf alle Häuser übergreift. Ausserdem sollten Löschmannschaften so jederzeit schnellen Zugang zu allen Hausseiten haben.
Heute, 811 Jahre später, hat die Stadt ein neues Problem mit exakt diesen Feuergassen: das feiernde Volk. Dieses nutzt die Feuergassen gerne, um sich die Blase zu entleeren. Oder um zu randalieren. Und das zum Leidwesen der Anwohnerinnen und Anwohner.
Besonders akut ist das Problem im Heidengässlein. Es bietet eine Abkürzung von den Restaurants und Bars in der Katharinengasse zu den Restaurants und Bars in der Schwertgasse.
St.Gallen hat deshalb beschlossen: Das Heidengässlein soll künftig über Nacht geschlossen sein. Von 21.00 bis 5.00 Uhr kommt ein Gittertor zum Einsatz, das durch eine Zeitschaltuhr gesteuert wird. Diese Lösung hat sich schon beim Hexengässchen bewährt, das sich nur ein Haus weiter befindet.
watson war im Quartier ums Heidengässchen unterwegs und hat Ladenbesitzer, Passanten und Anwohner gefragt, was sie von der Lösung der Stadt halten und was sie hier alles erleben. Das sind ihre Antworten:
Mit den Massnahmen der Stadt verschwindet aber auch ein Stück Lokalwissen. Die Namensschilder des Hexengässchens und des Heidengässchens hat die Stadt bereits abmontiert, damit Ortsunkundige von Weitem nicht erkennen können, dass sich hier ein Durchgang befindet. Auf Google Maps ist das Hexengässchen ebenfalls entfernt worden. Dasselbe Schicksal könnte auch dem Heidengässchen drohen.
