Schweiz
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Members of the initiative committee for Monetary Reform (Vollgeld-Initiative) hand over boxes with more than 120.000 signatures at the Federal Chancellery in Bern, Switzerland December 1, 2015.  REUTERS/Ruben Sprich

Einreichung der Vollgeld-Initiative am Dienstag in Bern. Bild: RUBEN SPRICH/REUTERS

Gegen Finanzblasen: Vollgeld-Initiative mit über 110'000 Unterschriften eingereicht



Der Verein Monetäre Modernisierung (MoMo) hat am Dienstag bei der Bundeskanzlei die Vollgeld-Initiative mit über 110'000 Unterschriften eingereicht. Die Initiative verlangt, dass nur die Nationalbank neben Münzen und Banknoten auch elektronisches Geld erzeugen darf.

Im heutigen System schaffen Banken dauernd neues, eigenes fiktives Geld, sogenanntes Buchgeld, indem sie Kredite vergeben. Dieses existiert nur elektronisch, erweitert aber die umlaufende Geldmenge. Sobald ein Kredit zurückgezahlt ist, ist das Geld wieder verschwunden.

Weil Banken für eine Kreditvergabe nur eine kleine Fraktion von Zentralbankgeld vorhalten müssten, könnten sie praktisch beliebig Buchgeld schöpfen – und dieses neben Krediten auch zur Spekulation einsetzen. Rund vier Fünftel des von Banken geschaffenen Geldes fliesse in die Finanzmärkte und nur ein Fünftel in die Realwirtschaft, teilte das Initiativkomitee am Dienstag mit.

Finanzblasen verhindern

Der Anteil von Bargeld betrage heute noch zehn Prozent des gesamten umlaufenden Geldes, 90 Prozent sei von privaten Banken hergestelltes elektronisches Geld. Dabei handle es sich jedoch nicht um ein gesetzliches Zahlungsmittel, sondern nur um ein Versprechen einer Bank, dem Kontoinhaber bei Bedarf Bargeld auszuzahlen.

Dieses System wollen die Initianten ändern. Sie erhoffen sich von der Vollgeldreform mehrere Vorteile: Weil Banken nicht mehr «übermässig Geld herstellen könnten», würden Finanzblasen verhindert.

Bankenrettungen durch Steuergelder würden überflüssig, weil das Geld auf Privatkonten «nun dem Geldbesitzer gehören wie das Bargeld im Portemonnaie oder Tresor». Zudem würde der Franken sicherer, da das Geld- und Bankensystem bei Bankenpleiten und Finanzkrisen nicht ins Wanken käme.

Keine Nachteile für Bankkunden

Die Initianten betonten, man wolle die Banken keineswegs verstaatlichen. Es gehe einzig darum, dass diese kein Geld mehr schöpfen könnten. Die Nationalbank könnte durch die Herstellung des elektronischen Geldes pro Jahr zusätzlich fünf bis zehn Milliarden Schweizer Franken an Bund und Kantone auszahlen.

Für die normalen Bankkunden würde sich gemäss Initianten nicht viel ändern. Ihr Geld würde von der Bank nur noch treuhänderisch und ausserhalb der Bankbilanz verwaltet und die Bank könnte das Geld auf diesen Konten nicht mehr für Kredite ausleihen.

Wolle der Bankkunde einen Zins, könne er sein Geld auf einem Spar- oder Anlagekonto anlegen. Diese Mittel könnte die Bank dann für die Kreditvergabe verwenden.

Umfrage unterstützt Argumente

Die Einführung von Vollgeld wäre auch international ein Novum. Ein Alleingang der Schweiz wäre jedoch möglich, finden die Initianten. Das überparteiliche Initiativkomitee wird unterstützt von einem wissenschaftlichen Beirat, dem mehrere Professoren angehören.

Gegner einer Vollgeld-Reform kritisieren, dass die Nationalbank zu viel Macht erhalte und nicht über die notwendigen Marktkenntnisse verfüge, um die «richtige» Geldmenge zu bestimmen. Ausserdem würde das Vorhaben die Geldversorgung der Wirtschaft einschränken und die Sparer durch noch tiefere Zinsen bestrafen. (whr/sda)

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Bubble Weil wir die Kommentar-Debatten weiterhin persönlich moderieren möchten, sehen wir uns gezwungen, die Kommentarfunktion 48 Stunden nach Publikation einer Story zu schliessen. Vielen Dank für dein Verständnis!
5Alle Kommentare anzeigen
    Alle Leser-Kommentare
  • Schneider Alex 04.12.2015 05:55
    Highlight Highlight Vollgeldinitiative: SNB soll Geldschöpfung auf reales Wachstum beschränken

    An der Vollgeldinitiative wird kritisiert, dass nicht klar sei, wie die Zentralbank sinnvoll entscheiden könne, um wie viel die Geldmenge in einer bestimmten Periode zunehmen soll. In der Geldmengentheorie war lange klar, dass inflationsfreies Wachstum langfristig nur mit einer Geldmengenerweiterung gemäss dem realen Wachstum einer Volkswirtschaft möglich ist.
  • conszul 01.12.2015 14:03
    Highlight Highlight Für den normalen Bankkunden ändert sich nichts? Das glaube ich kaum. Wenn die Bank das von den "normalen" Kunden deponierte Geld nicht mehr für Kredite verwenden darf und kostenpflichtig bei der SNB einlagern muss, werden die Kontogebühren schlagartig erhöht und Negativzinsen eingeführt.
  • legis 01.12.2015 13:33
    Highlight Highlight Schöner Nebeneffekt für mich:Durch die tieferen (bzw. je nach Konto nicht mehr vorhandenen) Zinsen wird das ganze System fairer. Der normale Bankkunde hat doch sowieso kaum einmal richtig vom Zins profitiert. Das wird von den Gebühren fast im Gegenzug weggefressen. Leute die so viel Geld auf dem Konto haben, dass sie vom Zins leben können, müssen künftig das Risiko eingehen, dass sich die Bank mit ihrem Geld verspekuliert. Somit gehen die, die es sich leiste können ein Risiko ein von dem sie profitieren, die welche es sich nicht leisten können, das Risiko zu gehen, werden nicht mehr gezwungen.
  • poga 01.12.2015 12:28
    Highlight Highlight Wie die Goldinitiative. Gut gemeint aber nicht im Moment. Wir müssen den Schweizer Franken nicht unbedingt noch stärker machen.
  • Wilhelm Dingo 01.12.2015 11:39
    Highlight Highlight Das gibt eine spannende Grundsatzdebatte! Die Welt wird einmal mehr darüber berichten, über was wir hier abstimmen können.

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