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Die E-Mountainbikes erobern die Wanderwege. Vortritt haben aber immer die Wandernden.
Die E-Mountainbikes erobern die Wanderwege. Vortritt haben aber immer die Wandernden.Bild: keystone

Die Nachfrage nach E-Bikes ist gross – darunter leidet auch das Wandererlebnis

In der Schweiz ist jedes dritte verkaufte Velo ein E-Bike. Auch E-Mountainbikes sind beliebt – und sorgen bei Wanderern für Kontroversen.
09.05.2022, 19:01
pascal däscher / schweiz am wochenende

Die Leute machen mit ihnen einen Ausflug, sie fahren mit ihnen zur Arbeit oder liefern damit Essen aus – E-Bikes sieht man auf Schweizer Strassen immer häufiger. Im vergangenen Jahr verfügte bereits jedes dritte in der Schweiz verkaufte Velo über einen Elektromotor. In einer Studie des Beratungsunternehmens Deloitte ist von einem «starken Wachstum des E-Bike-Marktes» die Rede. Als Gründe werden ein gestiegenes Gesundheits- und Nachhaltigkeitsbewusstsein genannt. Die Corona-Pandemie und das damit verbundene Bedürfnis nach individueller Mobilität hat diese Entwicklung weiter verstärkt.

Auch bei Velosuisse, dem Verband der Schweizer Fahrradlieferanten, beobachtet man den Trend. «In den Städten stiegen viele Nutzer des öffentlichen Verkehrs aufs Velo oder E-Bike um, weil sie keine Ansteckung riskieren wollten», schreibt der Verband. Zahlen von Velosuisse zufolge hat sich der Verkauf von E-Bikes zwischen 2017 und 2021 mehr als verdoppelt. Im vergangenen Jahr wurden insgesamt 187'302 Exemplare verkauft, was einen neuen Rekordwert darstellt.

quelle: verband velosuisse / grafik: jn

Corona lässt Verkaufszahlen explodieren

Im ersten Coronajahr (2020) stieg die Zahl der verkauften E-Bikes im Vergleich zum Vorjahr um satte 30 Prozent. Der Anstieg hätte gemäss Velosuisse sogar noch höher ausfallen können, weil die Nachfrage nicht vollständig gedeckt werden konnte. Im letzten Jahr bremste das Wachstum zwar leicht, dennoch stieg der Verkauf von E-Bikes immer noch einmal um weitere zehn Prozent an.

Es sind erfolgreiche Zeiten für die Velohändler, doch sie kämpfen mit Lieferengpässen. Viele Hersteller stammen aus Asien, wo es wegen der Pandemie noch immer Lockdowns gibt. Teilweise müssen Kunden daher mehrere Monate auf ihre E-Bikes warten.

Auch E-Mountainbikes sind gefragt. Im vergangenen Jahr waren knapp 40 Prozent der in der Schweiz verkauften Mountainbikes mit einem Elektromotor ausgerüstet, 2017 waren es etwa halb so viele. Diese E-Mountainbikes sind insbesondere auf Schweizer Wanderwegen zu finden – und sorgen dort für einen Konflikt zwischen Wanderern und Radfahrern.

Wandern und Velofahren sind die beliebtesten Freizeitaktivitäten in der Schweiz. Beide Nutzergruppen wollen die Natur geniessen und sich gleichzeitig sportlich betätigen – Radfahrer und Wanderer begegnen sich daher immer öfter auf den schmalen Schweizer Wegen. Das hat zur Folge, dass es dort zuweilen eng wird.

«E-Bikes sind der Untergang der Zivilisation»

Video: watson/Nico Franzoni

Beeinflussen E-Bikes die Wanderqualität?

Viele Wanderer stehen Velos und insbesondere E-Mountainbikes skeptisch gegenüber. Sie fühlen sich durch sie gestört. Grundsätzlich gilt: Auf Wanderwegen haben Wandernde Vortritt gegenüber Velos. «Allerdings», ergänzt Christian Hadorn vom Verband der Schweizer Wanderwege, «ist auf einem grossen Teil der Wanderwege das Fahren mit E-Mountainbikes möglich.» Der Verband der Schweizer Wanderwege schlägt dennoch vor, dass besonders auf stark frequentierten Wegen eine stärkere Differenzierung zwischen Wander- und Veloweg gemacht werden soll. So sollen sich die Wanderer und Radfahrer seltener begegnen und gleichzeitig soll das Ausflugserlebnis für beide Parteien verbessert werden. In der Biker-Hochburg Lenzerheide und anderen Tourismus-Hotspots wurden bereits Massnahmen zur Entflechtung ergriffen.

Doch wie gefährlich ist es, wenn sich Wanderer und E-Mountainbiker zunehmend begegnen? Gemäss der Suva, dem grössten Unfallversicherer, sind Daten zu Unfällen in Verbindung mit E-Mountainbikes in der Schweiz kaum vorhanden. Die Unfälle werden nicht gesondert erfasst. Eine Studie aus Deutschland und Österreich aus dem Jahr 2016 kommt zum Schluss, dass durch das E-Mountainbike kein Anstieg von Unfällen zu verzeichnen ist. Dem Netzwerk Schweizmobil zufolge können diese Beobachtungen auch auf die Schweiz angewandt werden: «Die Zahlen aus dem Ausland decken sich mit unseren Beobachtungen, es kommt nicht zu mehr Unfällen und schon gar nicht mit Wanderern. Diese sind sehr selten.»

Doch der E-Bike-Boom hinterlässt durchaus seine Spuren in den Unfallstatistiken. Allgemeine Zahlen existieren nämlich. Die Beratungsstelle für Unfallverhütung (BfU) hat im vergangenen Jahr 531 Schwerverletzte sowie 17 Tote unter den E-Bike-Fahrerinnen und -Fahrern registriert. «Die Zahl der schweren E-Bike-Unfälle hat damit einen neuen Höchststand erreicht», stellt die BfU fest.

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quelle: floatingmotors.com / floatingmotors.com
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Die Unfälle mit E-Bikes haben sich verdreifacht

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130 Kommentare
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Die beliebtesten Kommentare
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Das Internet
09.05.2022 20:59registriert August 2020
Als konventioneller Biker seit mehr als 20 Jahren geht mir der E-MTB-Trend gewaltig auf den Senkel. Es war ein jahrelanger Kampf um Akzeptanz und ein gepflegtes Miteinander mit Wanderern. Beide Seiten mussten sich annähern und es hat immer besser funktioniert. Was ich heute sehe sind haufenweise E-Biker, die sich ohne Training und Erfahrung auf anspruchsvolle Routen begeben, sich einen Dreck um Trailregeln scheren und nicht mal grüssen können. So geht die ganze Arbeit von Jahren flöten. Und by the Way: In die Natur geht man unter anderem, um der motorisierten Welt zu entfliehen!
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Ziasper
09.05.2022 21:27registriert September 2017
E-bikes sind super zum Pendeln. Aber wer meint damit Sport zu treiben, hat den Sinn nicht wirklich verstanden.
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dä dingsbums
09.05.2022 21:01registriert April 2015
Mehr E-Bikes, mehr Unfälle mit E-Bikes.

Wer hätte das gedacht.
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