Schweiz
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Dielsdorf: 22-Jähriger wegen Attacke auf Grosstante verurteilt



Ein 22-jähriger Schweizer, der im vergangenen Jahr in Boppelsen ZH seine Grosstante beinahe totgeprügelt hat, muss ins Gefängnis. Das Bezirksgericht Dielsdorf hat ihn am Freitag zu einer Freiheitsstrafe von 6.5 Jahren verurteilt.

Das Gericht sprach den jungen Mann wegen schwerer Körperverletzung schuldig. Von den 6.5 Jahren hat er bereits ein Jahr im vorzeitigen Strafvollzug abgesessen. Er hat also noch 5.5 Jahre vor sich. Zudem muss er seiner Grosstante 20'000 Franken Genugtuung zahlen.

Sein Verschulden wiege sehr schwer, sagte der Richter. «Wir glauben dem Beschuldigten aber, dass er seine Grosstante nicht töten wollte.» Dafür sei er nicht mit letzter Konsequenz auf die Seniorin losgegangen. «Aber er wollte sie bestrafen und verletzen.»

Die Staatsanwältin hatte vergeblich einen Schuldspruch wegen versuchter vorsätzlicher Tötung gefordert. Das Gericht folgte bei der Einstufung der Tat aber der Anwältin, die nur eine Verurteilung wegen schwerer Körperverletzung beantragt hatte.

Beschimpft und beleidigt

Der damals 21-jährige Schweizer hatte im März 2016 seine Grosstante, eine 76-jährige Schweizerin, brutal attackiert und fast totgeschlagen. Der Beschuldigte wuchs im Ausland auf und zog erst kurz vor der Tat in die Schweiz. Weil er sich nichts Eigenes leisten konnte, lebte er bis auf Weiteres in ihrem Haus in Boppelsen.

Die Stimmung war jedoch mehr als angespannt. Die Seniorin, die in der Nachbarschaft als schwierig gilt, soll ihren Grossneffen oft angeschrien und als Schmarotzer beleidigt haben.

Die Situation spitzte sich endgültig zu, als der junge Mann eine alte Pistole aus dem Besitz der Seniorin verkaufte. Sie wollte ihn deswegen auf die Strasse stellen und rief die Polizei. Daraufhin traute er sich nicht mehr aus dem Haus, verpasste ein Vorstellungsgespräch – und wurde erneut von ihr beschimpft.

Unter Lattenrost und Stofftieren begraben

In seiner Wut schlug er der Grosstante schliesslich einen zwei Kilogramm schweren Gewichtsstein auf den Hinterkopf. Dann prügelte er mit Händen und Füssen auf sie ein, holte eine volle Flasche Wein aus der Küche und schlug sie ihr auf den Kopf.

Danach begrub er die Frau unter einem Berg aus Matratzen, Decken, Kissen, Stofftieren und einem Lattenrost, bis sie sich nicht mehr bewegen konnte. Sie überlebte schwer verletzt.

«Irgendwie ausgerastet»

Der Beschuldigte war von Anfang an geständig, zeigte sich reuig und kooperierte mit den Behörden. Beim Prozess vom Donnerstag sagte er, dass er sie keinesfalls habe töten wollen. Irgendwie sei er ausgerastet. «Mir ist bewusst, dass ich eine Straftat begangen habe. Das kann man nicht entschuldigen. Aber es tut mir leid.»

Das Gericht glaubte ihm. Man merke ihm an, dass ihn seine Tat belaste, sagte der Richter am Freitag bei der Urteilseröffnung. Er empfahl dem jungen Mann, im Gefängnis eine Therapie zu machen und seine schwierige Kindheit aufzuarbeiten. «Sie hatten es nicht einfach», sagte der Richter zum Schluss.

Besuch erhielt der junge Mann während des bisherigen Gefängnisaufenthaltes keinen. Auch zum Prozess erschien niemand. «Ihre Familie lässt Sie offensichtlich hängen.» (sda)

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