Wirtschaft
Schweiz

Wiesner Gastronomie setzt wieder auf gedruckte Menükarten statt QR-Codes

Restaurant QR code for smart phone to safely view menu during coronavirus pandemic. QR code is a fake and mocked up in post production
Hat sich in den vergangenen Jahren in vielen Restaurants etabliert: die digitale Menükarte via QR-Code auf dem Smartphone. (Symbolbild)Bild: ©Kathy Krinke

Diese bekannte Restaurantkette bringt gedruckte Menükarten zurück

Eine grosse Schweizer Gastronomiefirma denkt um. Anstatt via QR-Codes und Smartphones sollen die Gäste wieder eine gedruckte Menükarte in den Händen halten – aus mehreren Gründen.
08.08.2026, 20:4308.08.2026, 21:27
Benjamin Weinmann
Benjamin Weinmann

Die Coronapandemie sorgte bei vielen Gastrobetrieben zwangsläufig für ein Umdenken. Schliesslich galt es, die Übertragungsrisiken zu minimieren. Eine naheliegende Massnahme war es deshalb, die Menükarte zu digitalisieren. Dies hatten bereits vor Covid einige Restaurants getan. Doch der Durchbruch des QR-Codes auf dem Tisch geschah erst durch die Pandemie.

Auch die Wiesner Gastronomie sprang auf den Digitalisierungszug auf. Das Familienunternehmen, das rund 30 Restaurants wie Nooch, Negishi oder Miss Miu in der Deutschschweiz betreibt, schaffte die physische Speisekarte komplett ab. 100 Prozent digital lautete die Devise. «Gezwungen durch Covid schien der Schritt damals logisch», schreibt Geschäftsführer Daniel Wiesner auf der Online-Plattform Linkedin. Doch heute möge er die digitale Speisekarte nicht mehr, obwohl er ein absolut digitalaffiner Mensch sei.

Im Nachhinein würde er diese Entscheidung keinem klassischen, bedienten Restaurant mehr empfehlen. Der Titel seines Online-Beitrags lautet deshalb: «Warum wir die digitale Speisekarte abgeschafft haben.»

Daniel Wiesner ist Chef der Familie Wiesner Gastronomie und hat eine klare Meinung zum Thema Wasserpreise im Restaurant.
Daniel Wiesner räumt Fehler bei der Digitalstrategie ein – und krebst zurück.Bild: Andrea Zahler/CH Media

Dabei hätten die operativen Vorteile damals auf der Hand gelegen, sagt Wiesner. Die digitalen Karten hätten es erlaubt, Preise in Echtzeit anzupassen, Gerichte innert Minuten auszutauschen, Allergene zu deklarieren und Druckkosten zu sparen. «Wir waren überzeugt: Das ist die Zukunft der Gastronomie», sagt Wiesner. Doch nun sei man komplett zur gedruckten Karte zurückgekehrt. Man habe «ein paar harte und teure» Erkenntnisse einstecken müssen.

Der Digital-Mythos

Die digitale Lösung sei für die Prozesse ein Segen gewesen, «für den Gast aber nicht», sagt Wiesner, in dessen Restaurants überdurchschnittlich viele junge Leute einkehren. Menschen kämen nicht ins Restaurant, um auf ein Smartphone zu starren, so der Gastronom. «Sie kommen für ein soziales, analoges Erlebnis.» Sprich: Das Auswählen des Burgers oder des Pastagerichts auf einem Bildschirm schadet der gemütlichen Atmosphäre.

Zudem sei es ein Mythos, dass digitale Karten durch smarte Algorithmen automatisch den Durchschnittserlös erhöhen würden. Mit den physischen Karten könne man Hauptgerichte optisch besser inszenieren. «Der Effekt auf den Umsatz ist spürbar positiv», sagt Wiesner.

«Die Karte ist Teil des Produkts»

Zudem sei durch den Wechsel zur Digitalkarte einiges an Wissen verloren gegangen. Plötzlich hätten sich dem Team Fragen gestellt: «Welche Papierqualität fühlt sich hochwertig an? Stimmt die Leseführung? Passt die Schriftgrösse im schummrigen Abendlicht?» Man habe fast zwei Jahre und etliche Menüwechsel benötigt, bis das Handwerk wieder sass. Eine weitere Erkenntnis für Wiesner: «Physische Fehler kosten, im Gegensatz zu digitalen, richtig viel Geld.»

Für ihn ist inzwischen klar, dass die Speisekarte nicht nur informiere. «Sie ist Teil des Produkts.» Haptik, Design und Struktur würden mitentscheiden, wie wertig der Gast das Essen wahrnehme. Heute setze man in der Gastrogruppe nur noch dort auf Digitalisierung, wo sie einen echten Mehrwert bringe, zum Beispiel für tagesaktuelle Allergenfilter und das schnelle Bezahlen am Mittag. Aber: «Die emotionale Menüführung am Abend überlassen wir dem Papier.» (schweizheute.ch)

Bevorzugst du digitale oder gedruckte Menükarten?
An dieser Umfrage haben insgesamt 1250 Personen teilgenommen

Das könnte dich auch interessieren:

DANKE FÜR DIE ♥
Würdest du gerne watson und unseren Journalismus unterstützen? Mehr erfahren
(Du wirst umgeleitet, um die Zahlung abzuschliessen.)
5 CHF
15 CHF
25 CHF
Anderer
Oder unterstütze uns per Banküberweisung.
Liebe Hipster-Restaurants: WIR WOLLEN TELLER, VERDAMMT!
1 / 30
Liebe Hipster-Restaurants: WIR WOLLEN TELLER, VERDAMMT!
Fish & Chips in einer Gartenkiste, Tartare in einer Giesskanne, Erbsenmus in einem Blumentopf. Idioten in der Küche.
quelle: twitter/wewantplates / twitter/wewantplates
Auf Facebook teilenAuf X teilen
Wie verändert sich das Bezahlen gerade, Santosh Ritter?
Video: watson
Das könnte dich auch noch interessieren:
Du hast uns was zu sagen?
Hast du einen relevanten Input oder hast du einen Fehler entdeckt? Du kannst uns dein Anliegen gerne via Formular übermitteln.
32 Kommentare
Dein Kommentar
YouTube Link
0 / 600
Hier gehts zu den Kommentarregeln.
Die beliebtesten Kommentare
avatar
Roman 1
08.08.2026 21:51registriert Oktober 2020
Digitale Speisekarten sind scheisse.
376
Melden
Zum Kommentar
avatar
Jesus Christ
08.08.2026 21:04registriert März 2021
Ich will Papierkarte
387
Melden
Zum Kommentar
avatar
Schlüsselblüemli
08.08.2026 21:09registriert April 2020
Wenn es im Restaurant keine normalen Menükarten hat bin ich sofort wieder raus.
378
Melden
Zum Kommentar
32
Der Mann hinter Bally – und was Nicole Kidman mit ihm zu tun hat
Michael Reinstein kauft verschuldete Firmen auf und zerschlägt sie. Bei Bally könnte ihm das aber vielleicht misslingen.
Der Konkurs ist nicht mehr weit: Seit Juni befindet sich das Schweizer Unternehmen Bally in der Nachlassstundung. Geprüft wird, ob noch etwas gemacht werden könnte, um die Firma vor dem Ruin zu retten. Momentan ist sie Teil des Portfolios des kalifornischen Private-Equity-Unternehmens Regent.
Zur Story