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watson am Afrika-Cup

Diese amerikanische «Exklave» sorgt für Äquatorialguineas unglaublichen Reichtum

Vor der Küste Malabos schlummern Öl und Gas in gewaltigen Mengen unter dem Meeresboden. Die USA holen sich das schwarze Gold massenweise ab – und haben dafür praktisch eine Exklave auf der Insel Bioko erbaut. 

reto fehr, äquatorialguinea

Gleich hinter dem Flughafen von Malabo liegt sie, die «Punta Europa». 50 Hektaren gross. Hermetisch abgeriegelt. Rein kommt nur, wer eine Bewilligung oder Einladung hat. Die Anlage gehört der amerikanischen Firma Marathon, welche hier das wertvolle Öl und Gas fördert, eine firmeneigene Stadt gebaut und dafür das Land direkt vom Präsidenten abgekauft hat.

CAN 2015

Hier befindet sich die amerikanische «Exklave». Bild: watson

Journalisten unerwünscht

Ich möchte gerne einen Augenschein vor Ort nehmen. Doch keiner meiner Kontakte kann mir weiterhelfen. Auch eine Anfrage beim Marathon-Hauptsitz in Houston endet erfolglos. Als ich schon fast aufgebe, hilft mir der deutsche Botschafter in Malabo aus der Patsche. Ich treffe ihn zufällig kurz in seinem Büro und er gibt mir den Kontakt eines hohen Mitarbeiters, den er vor wenigen Wochen kennenlernte. Ich solle ihn grüssen.  

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Gleich hinter dem Flughafen befindet sich die Punta Europa. Bild: watson

Tatsächlich kann ich für den nächsten Tag einen Termin abmachen. Einzige Bedingungen: Um 13.45 Uhr beim Eingang zum Compound erscheinen und alle gemachten Fotos müssen danach autorisiert werden. Super! 

Die Ernüchterung folgt jedoch am Morgen vor dem Besuch. Der Hauptsitz habe kurzfristig Besuche von Journalisten abgelehnt. Einlass erhalte ich also keinen, aber verlässliche Informationen. 

CAN 2015 marathon

Blick auf Punta Europa. Im Hintergrund Malabo.

Punta Europa verfügt über eigene Wasserleitungen und ein eigenes Stromnetz. Als die Firma hier 2002 eine Lizenz erhielt und einstieg, habe es keine solche Installationen gegeben – darum habe man dies selbst gebaut. Zudem kann jeder Mitarbeiter mit Wohnsitz auf dem Gebiet zum Lokaltarif in die USA telefonieren. Es gibt Supermärkte und alles, was man sonst so braucht. Einige Mitarbeiter – welche den Ort auch «Pleasantville» nennen – waren noch nie am anderen Ende der kleinen Bucht in Malabo. 1900 Personen werden beschäftigt. Sie kommen aus der ganzen Welt, aber der Anteil der Amerikaner ist besonders hoch, da die Bürger der USA als einzige Visum-frei nach Äquatorialguinea einreisen dürfen.  

Harte Jobs, fantastische Qualität

Die Angestellten kann man grob in drei Gruppen aufteilen. «Residents», also diejenigen, welche fix hier sind, arbeiten wie in Europa üblich wöchentlich 40 Stunden über 5 Tage verteilt, haben einen Monat Ferien jährlich, sind versichert, erhalten Kinderzulagen und so weiter. Die zweite Gruppe arbeitet hier drei Monate durch (6 Tage a 8,5 Stunden), reist dann einen Monat aus und kehrt wieder für die nächsten drei Monate zurück. Die letzte Gruppe sind die «Rotators». Diese arbeiten während einem Monat täglich rund zwölf Stunden, haben dann einen Monat frei und arbeiten wieder einen Monat durch. Der Job ist natürlich hart, darum machen dies die meisten nicht länger als zwei bis drei Jahre. Immerhin ist die Bezahlung gut. Durchschnittlich könnte man mit dem Einkommen sogar in der Schweiz sehr gut leben. 

CAN 2015 marathon

Könnte auch in den USA stehen, nicht? So wohnen die Mitarbeiter in Punta Europa.

Seit Mitte der 1990er Jahre auf äquatorialguineischem Gebiet Öl entdeckt wurde, geht es mit der lokalen Wirtschaft steil aufwärts. Das Land weist nach Nigeria und Angola die drittgrössten Öl-Vorkommen Afrikas aus und wurde von den USA 2002 nicht umsonst als «Kuwait Afrikas» betitelt. Der grosse Vorteil: Hier ist kein Krisengebiet wie im Nahen Osten und der Rohstoff muss nicht durch lange Pipelines durch schwieriges Gebiet transportiert werden. Hier wird das Öl noch auf dem Meer verarbeitet und direkt in die USA verfrachtet. Das Gas wird in Punta Europa verflüssigt. Der Golf von Guinea wurde seit den Anschlägen auf das World Trade Center in New York 2001 immer wichtiger, um unabhängiger vom Persischen Golf zu werden. Die Qualität des Öls ist zudem so hoch, dass es kaum raffiniert werden muss. Übrigens: Spanien entdeckte die Ölfelder zuerst, schätzte allerdings die Qualität nicht «förderwürdig» ein. Ein fataler Fehler. 

CAN 2015 marathon

Die Öl- und Gasfelder auf äquatorialguineischem Gebiet.

Vom Schurkenstaat zum «guten Freund»

Wie lange die Rohstoffe noch sprudeln, kann nicht genau abgeschätzt werden. 20 Jahre sicher noch. Marathon hilft dem malariaverseuchten Land bis dahin im Kampf gegen die Krankheit und liefert Gas an die Hauptstadt-Insel. Wie es danach weitergeht, ist offen.  

Zum Schluss noch eine kleine Randbemerkung, wie ein Land am einfachsten seinen schlechten Ruf los wird: Findet Öl. 1995 liess die US-Regierung von Bill Clinton die Botschaft in Malabo schliessen, weil das Leben des Botschafters dort nicht mehr sicher gewesen sei. Wenig später fand man Öl. 2003 – kurz nach dem Start von Marathon in Äquatorialguinea – wurde die Botschaft wiedereröffnet und wird heute nicht einmal von US-Marines bewacht. Die damalige Aussenministerin Condoleezza Rice bezeichnetet Äquatorialguineas Präsident Teodoro Obiang 2006 zudem als «guten Freund» und 2009 war der Staatschef zu Besuch bei Barack Obama. 

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Äquatorialguineas Präsident Teodoro Obiang mit seiner Frau (l.) zu Besuch bei den Obamas im Jahr 2009.

watson in Äquatorialguinea

watson-Sportchef Reto Fehr reist an den Afrika-Cup in Äquatorialguinea und berichtet ab dem 16. Januar regelmässig von seinen Erfahrungen – vorausgesetzt die Internetverbindung funktioniert und er erhält das versprochene Visum tatsächlich. Das kleine Land im Nacken Afrikas gilt als eines der touristisch wenigsten entwickelten und am schwierigsten zu bereisenden der Welt.

Durch Ölreichtum sind die Preise im Land unvorstellbar horrend. 2004 wies die Nation zwar die höchste Wirtschafts-Wachstumsrate (30%) aus und auf dem Papier wäre Äquatorialguinea gemessen am Pro-Kopf-Einkommen eines der reichsten Länder. In der Realität hat die Hälfte der Bevölkerung keinen Zugang zu sauberem, fliessenden Wasser und 20 Prozent der Kinder sterben vor dem 5. Lebensjahr. In der Korruptionsliste belegt die ehemalige, spanische Kolonie regelmässig hinterste Plätze und Präsident Teodoro Obiang – das am längsten im Amt stehende, nicht royale Amtsoberhaupt der Welt – kontrolliert seine «demokratische Nation» mit viel Militärpräsenz praktisch als Diktatur.



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    Alle Leser-Kommentare
  • Raidoo 27.01.2015 19:42
    Highlight Highlight Danke für den interessanten Bericht, der bei mir Erinnerungen an Erlebnisse in den 90ern wachrief: Denn die vielen Öl-Mitarbeiter fliegen im regelmässigen Turnus nach Malabo und wieder zurück in ihre Heimatländer (meist in Übersee). Die Swissair hatte damals mit dem Ölkonzern einen (exklusiven?) Beförderungsvertrag. Sie bediente mehrmals pro Woche die Verbindung Zürich - Malabo per Direktflug mit MD-11 (z.T. mit Zwischenlandungen in Douala oder Yaounde). Der Flughafen Malabo bestand im Wesentlichen aus einer Hütte, neben welcher das geparkte Grossraumflugzeug sehr kurios aussah.
  • Middleway 26.01.2015 21:47
    Highlight Highlight Danke für die spannenden Berichte aus Äquatioralguinea! Eine schöne Abwechslung in der schweizer Medienlandschaft!

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