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95:0 und 91:1 – Klub-Bosse in Sierra Leone geraten in Erklärungsnot

95:0 und 91:1 im Playoff-Kampf – Klub-Bosse in Sierra Leone geraten in Erklärungsnot

Im Kampf um die Aufstiegs-Playoffs kommt es in Sierra Leone zu zwei verrückten Ergebnissen – mit noch verrückteren zweiten Halbzeiten. Die Manager der Klubs sind um Ausreden nicht verlegen. Der Verband ermittelt.
06.07.2022, 10:3206.07.2022, 15:46

Saisonschlussspurt in der zweiten Liga von Sierra Leone: Im Kampf um den letzten Platz in den Playoffs zur Premier League des Landes liefern sich die Kahunla Rangers und der Gulf FC of Kono ein spannendes Kopf-an-Kopf-Rennen. Beide Mannschaften haben 32 Punkte auf dem Konto – gewinnen beide am letzten Spieltag, qualifiziert sich das Team mit dem besseren Torverhältnis für die Playoffs.

Zunächst verlaufen die beiden Partien gemäss der BBC mehrheitlich normal. Zur Pause führen die Kahunla Rangers gegen Lumbebu United mit 2:0, der Gulf FC liegt gegen Koquima Lebano allerdings mit 7:0 in Front und würde damit in den Playoffs stehen. Dann beginnt die grosse Torflut.

Die Kahunla Rangers erzielen in den zweiten 45 Minuten noch 93 Tore und gewinnen mit 95:0 – das sind in der zweiten Halbzeit 29 Sekunden pro Treffer. Einen ähnlichen Lauf hat der Gulf FC: Am Ende reicht es dank 84 weiteren Toren aber «nur» zu einem 91:1 und so bleibt das Team aus Kono trotz des unfassbar hohen Kantersiegs hinter den Rangers.

Wenig überraschend angesichts dieser Resultate besteht der Verdacht auf Spielmanipulation. Der Fussballverband kündigte sofort an, dass Ermittlungen aufgenommen werden. «Wir können nicht tatenlos zusehen, wie eine peinliche Situation wie diese ungestraft bleibt», kündigte Verbandspräsident Thomas Daddy Brima gegenüber der BBC an. Es gebe «null Toleranz» gegenüber Manipulationen; alle Verantwortlichen würden zur Rechenschaft gezogen. Auch die Antikorruptionskommission des Landes solle sich mit dem Fall beschäftigen.

Die Verantwortlichen der vier beteiligten Klubs sind sich allerdings keiner Schuld bewusst. Ihm sei «keine Spielmanipulation bekannt», aber er könne nicht für andere bürgen, erklärte Lumbebu-Manager Mohamed Jan Saeid Jalloh, der interimsmässig auch als Trainer fungierte. «Ich war frustriert und habe irgendwann sogar wütend die Seitenlinie verlassen. Ich war danach unkonzentriert, daher kann ich nicht einmal sagen, wie viele Gegentore wir insgesamt kassiert haben. Aber ich werde niemals Teil von Spielmanipulationen sein.»

Der Vorsitzende von Koquima Lebanon, Mohamed Lanfia Tunkara, erklärte unterdessen, das entscheidende Spiel um die Playoffs-Teilnahme sei eigentlich nur ein Freundschaftsspiel gewesen. Er bestritt sogar das Ergebnis von 91:1. Ihm sei mitgeteilt worden, dass das Ligaspiel gar nicht stattgefunden habe. Stattdessen sei eine Begegnung zwischen «Spielern der Community mit einigen Koquima-Spielern» ausgetragen worden. Angeblich, um die Fans zu unterhalten, die Tickets fürs Ligaspiel gekauft hatten.

Immerhin hatte der Präsident der Kahunla Rangers ein Einsehen. «Zunächst möchte ich mich bei den Fussballfans im Land und auf der ganzen Welt für das seltsame Ergebnis meines Vereins entschuldigen», erklärte Eric Kaitell auf Social Media. «Ich möchte nachdrücklich sagen, dass ich ein solch unsportliches Verhalten meines und der anderen beteiligten Teams aufs Schärfste verurteile.» Er werde eine interne Untersuchung einleiten und alle, die sich an einer allfälligen Spielmanipulation beteiligt haben, würden entsprechend bestraft werden.

Sollte wider Erwarten keine Spielmanipulation festgestellt werden, werden die beiden Resultate definitiv in die Geschichtsbücher eingehen. Zum höchsten Sieg der Fussball-Geschichte fehlt aber noch ein ganzes Stück: Ende Oktober 2002 gewann der AS Adema gegen SOE Antananarivo auf Madagaskar mit 149:0. (pre)

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