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Influencer und Stadionvlogger sind echten Fussball-Fans ein Dorn im Auge

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Dürfen die Dortmunder-Fans am Samstag die Meisterschaft feiern?Bild: www.imago-images.de

Stadionvlogger sind anderen Fussball-Fans beim Kampf um die Meisterschale ein Dorn im Auge

Stadionvlogs ärgern so manchem Fussball-Romantiker. Videos von Influencern, wie sie die Atmosphäre in einem vollen Stadion einfangen, sich eine Bratwurst mit Senf gönnen oder sich über ein Tor freuen, sorgen bei «echten» Fussball-Fans für Kopfschütteln. Dennoch generieren sie mit ihren Videos Woche für Woche Tausende Klicks – und machen Werbung für den Sport und Klubs.
24.05.2023, 18:3024.05.2023, 18:30

Am Samstag um 15.30 Uhr kommt es zum grossen Showdown in der Bundesliga. Der 34. Spieltag steht an und der Meisterkampf zwischen Bayern München und Borussia Dortmund wird einen Sieger finden. Die Bayern müssen beim 1. FC Köln unbedingt gewinnen und auf einen Patzer des BVB im Heimspiel gegen Mainz 05 hoffen.

Die Stadien sind logischerweise ausverkauft. Auf Ticketplatformen wie Viagogo, Stubhub und Ebay werden Tickets für bis zu 3000 Euro angeboten. Preise, die sich ein normaler Fan nicht leisten kann. Umso ärgerlicher ist für viele Fussballanhänger deshalb der Umstand, dass sich auch bei diesen, für sie einmaligen, Spielen wieder viele Stadionvlogger wie Marvinvlogt unter den Zuschauern tummeln werden, welche ihnen Plätze wegnehmen.

Marvinvlogt beim Spiel des BVB gegen Eintracht Frankfurt.Video: YouTube/MarvinVlogt

Was sind eigentlich Stadionvlogger?

Stadionvlogger sind YouTuber, Instagram-Stars oder allgemein Influencer, welche in ihren Videos einen Stadionbesuch filmen. Dabei gehen sie ganz unterschiedlich vor. Während manche ihren Vlog im Hotelzimmer mit einer Roomtour beginnen, starten andere ihr Video im Herzen der Stadt und begleiten den Fanmarsch zum Stadion. Zu den bekanntesten von ihnen zählt im deutschsprachigen Raum wohl ViscaBarca und in Grossbritanien beispielsweise der YouTuber Thogden.

Rechtslage verbietet Stadionvlogs (eigentlich)

Eigentlich dürften die Influencer diese Stadionvlogs gar nicht aufnehmen. Denn das Filmen ist grundsätzlich nur ausserhalb der Stadien gestattet. Sobald das Stadion betreten wird, gelten die Stadionordnung und die Ticket-AGB und diese verbieten in der Regel das Filmen von Spielszenen für kommerzielle Zwecke. Bei einem Vergehen drohen erhebliche Geldstrafen.

Ultras fordern Stadionverbot

Angesprochen auf die rechtliche Lage, sagt der Streamer Trymacs gegenüber dem NDR: «Fast alles, was wir machen, ist eine Grauzone.» Der Hamburger machte sich mit einer Aktion im Vorfeld des Relegations-Rückspiels des Hamburger SV gegen Hertha BSC besonders unbeliebt. Da die Karten für das Spiel schnell vergriffen waren, bat der Influencer kurzerhand seine Follower um Hilfe und startete in den sozialen Medien einen Aufruf. Er bot 400 Euro für ein Ticket.

Dies gefiel einigen HSV-Fans auf Twitter überhaupt nicht. Es wurde der Hashtag #GegenInfluencerImStadion ins Leben gerufen. Einige Fans forderten gar ein Stadionverbot für Trymacs.

Der Initiator von #GegenInfluencerImStadion äusserte sich auf Anfrage des NDR wie folgt: «Viele Ultra-Szenen haben ein Problem mit Stadion-Vloggern, es würde bestimmt nicht überall gut gehen, wenn man die falschen Leute im Block antrifft.»

Trymacs bekam am Ende dennoch Tickets für das Spiel und konnte sein Video aufnehmen. In diesem sind allerdings durchweg positive Reaktionen von Fans zu sehen, die sich freuen, dass der Internet-Star das Spiel des HSV besucht. Im Nachgang des Spiels soll er sogar vom HSV eingeladen worden sein, weitere Spiele zu besuchen.

Trymacs erster Stadionvlog.Video: YouTube/Trymacs

Deutschlands grösster Stadionvlogger

ViscaBarca ist mit knapp 1,8 Millionen Abonnenten der bekannteste Stadionvlogger in Deutschland. Er besucht regelmässig die Topspiele in ganz Europa – egal ob Dortmund-Schalke, Bayern-Manchester City oder Barcelona-Real Madrid, der Influencer ist immer vor Ort.

Dabei profitiert er auch von seinen Werbepartnern. Beispielsweise bewirbt er in einem seiner Videos Spotify, den Hauptsponsor des FC Barcelonas. Seine Reaktionen während der Spiele und die künstlich wirkenden Emotionen kommen nicht bei allen Fussball-Fans gut an.

Was versprechen sich Influencer von Stadionvlogs?

Für die meisten Influencer ist ein Stadionvlog nur ein Mittel zum Zweck. Mit dem Besuch eines möglichst grossen Spiels versuchen sie vor allem, Zuschauer auf ihren diversen Kanälen zu generieren. Dabei hilft natürlich der Name eines grossen Fussballklubs oder eines berühmten Spielers.

Ein gutes Beispiel dafür liefert die YouTuberin und Streamerin HoneyPuu. Sie ist mehr für ihre Reisevlogs oder Twitch-Streams bekannt als für einen Stadionvlog. Doch sie nutzte die Gelegenheit des Champions-League-Halbfinals zwischen der AC Milan und Inter Mailand für ihren ersten Stadionvlog aus. Begleitet wurde sie dabei selbstverständlich von ViscaBarca, der er ihr fachmännisch zur Seite stand. Ziel des Ganzen: Reichweite generieren.

Der erste Stadionbesuch und dann geht es direkt zum Champions-League-Halbfinal.Video: YouTube/HoneyPuu

Wie stehen die Klubs dazu?

Die Nutzungsrechte im Fussball sind eigentlich geschützt und unterliegen den Sendern, welche sich die Übertragungsrechte gesichert haben, wie Sky, DAZN, oder Sport1. Die kommerzielle Weiterverbreitung von Spielszenen dürfte in Stadionvlogs also nicht erlaubt sein. Doch die Videos der YouTube-Stars werden nicht gelöscht.

In Deutschland ist die Frage nach dem Warum recht schnell geklärt. Influencer wie beispielsweise ViscaBarca sind bei der Agentur Athletia Sports unter Vertrag. Diese ist gleichzeitig für den Rechteschutz der DFL zuständig. Trymacs sagte zu diesem Thema: «Es profitieren alle davon, dass man einen Stadionvlog macht. Man hat zwar keine offizielle Erlaubnis, es ist aber bisher immer sehr gerne gesehen.»

Eine Doku des NDR über das Geschäft mit den Stadionvloggern.Video: YouTube/ZAPP - Das Medienmagazin

Die DFL äusserte sich zum Thema Influencer-Marketing wie folgt: «Im Bereich Global Marketing arbeitet die DFL vereinzelt und insbesondere mit Fokus auf die internationalen Märkte, mit Influencern zusammen, vor allem, um die internationale Wahrnehmung der Bundesliga unter jungen Fans zu steigern.»

Es wird also gezielt die Reichweite der Internet-Stars genutzt, um auch jüngere Zuschauer zu erreichen. Logisch also, dass diese dann in ihren Videos auch Spielszenen zeigen dürfen, für die die TV-Sender enorme Summen bezahlen müssen.

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