Sport
Bundesliga

Schalke feuert Trainer Gross und Sportvorstand Schneider

27.02.2021, Baden-W
Trainer Gross muss laut unbestätigten Medienberichten gehen. Bild: keystone

Schalke bestätigt Rauswurf von Christian Gross – auch der Sportchef muss gehen

Auf Schalke kommt es am Tag nach dem 1:5 in Stuttgart zum grossen Knall. Der Tabellenletzte der Bundesliga entlässt Trainer Christian Gross und Sportvorstand Jochen Schneider.
28.02.2021, 12:0528.02.2021, 13:33

Chaos total auf Schalke! Der Traditionsverein aus Gelsenkirchen trennte sich am Sonntag von Trainer Christian Gross, Sportvorstand Jochen Schneider und Sascha Riether, den Koordinatoren der Lizenzspielerabteilung – und damit von seiner kompletten sportlichen Führung.

Nun soll Peter Knäbel, der bisherige Technische Direktor im Nachwuchsbereich, bis auf Weiteres die Verantwortung bei den Profis übernehmen, und retten, was wohl nicht mehr zu retten ist.

Bereits im Lauf der Woche hatten sich auf und neben dem Feld Auflösungserscheinungen offenbart. Dem 1:5 am Samstag in Stuttgart war eine Spieler-Revolte vorausgegangen. Die erst in der Winterpause verpflichteten Sead Kolasinac, Shkodran Mustafi und Klaas-Jan Huntelaar sollen sich gegen den Trainer gestellt und bei Schneider vorstellig geworden sein. Ihren kritischen Worten liessen die Spieler aber keine Taten folgen. Der Auftritt in Stuttgart war eine sportliche Bankrotterklärung.

Schalke's head coach Christian Gross watches during the German Bundesliga soccer match between FC Schalke 04 and Borussia Dortmund in Gelsenkirchen, Germany, Saturday, Feb. 20, 2021. (AP Photo/Ma ...
Der 66-jährige Gross war in dieser Saison bereits der vierte Trainer des Bundesligisten.Bild: keystone

Als Konsequenz musste Gross nach nur 64 Tagen auf Schalke seinen Posten wieder räumen. Wie Lucien Favre im letzten Herbst wurde auch dem 66-jährigen Zürcher ein 1:5 gegen den Aufsteiger Stuttgart – seinem einstigen Arbeitgeber - zum Verhängnis. Gross, der sich im letzten Sommer noch öffentlich in den Ruhestand verabschiedet hatte, schaffte wie seine drei Vorgänger die Trendwende nicht: In elf Pflichtspielen resultierten ein Sieg, zwei Unentschieden und acht Niederlagen. Dank dem 4:0 gegen Hoffenheim, dem einzigen Sieg in den letzten 39 Bundesligaspielen, schaffte es der Schweizer immerhin, dass Schalke den Negativrekord von Tasmania Berlin von 31 Niederlagen in Serie nicht an sich riss.

Trotzdem ist der Abstieg nach 30 Jahren in Folge in der Bundesliga kaum mehr abzuwenden. Mit Ausnahme von Tasmania Berlin stand in der Geschichte der Bundesliga nach 23 Runden noch keine Mannschaft so schlecht da wie Schalke: ein Sieg, neun Punkte und 16:61 Tore lautet die miserable Bilanz – mit vier verschiedenen Trainern. Wer das Team am Freitag im Spiel der allerletzten Chance gegen das ebenfalls abstiegsbedrohte Mainz betreuen wird, ist noch offen. Als Kandidat wird der ehemalige Spieler Mike Büskens gehandelt.

Kontinuierlicher Abstieg in der Ära Tönnies

Die Schuld für den Niedergang Schalkes bei der nun entlassenen sportlichen Führung zu suchen, wäre aber zu kurz gegriffen. Der Abstieg der Königsblauen mit ihrer glorreichen Vergangenheit kam gegen Ende der Ära des im letzten Sommer nach 19 Jahren als Aufsichtsratschef zurückgetretenen Clemens Tönnies schleichend. Unter der Führung des Fleischfabrikanten wuchs die Schuldenlast des Klubs kontinuierlich an, diese soll inzwischen rund 240 Millionen Euro betragen.

Nach drei Cupsiegen und acht Champions-League-Teilnahmen nach der Jahrtausendwende folgte ab 2018 auch der sportliche Niedergang. Die von Schneiders Vorgänger Christian Heidel teuer zusammengestellte Mannschaft wurde den Ansprüchen nie gerecht. Nachdem Schalke die Saison 2017/18 hinter Bayern München noch auf Platz 2 beendet hatte, folgte der Absturz, der im Mai im Abstieg in die 2. Bundesliga gipfeln dürfte. (abu/sda)

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