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Die Aarauer jubeln zum 1:0 Tor im Fussball Achtelfinal des Schweizer Cups  zwischen dem FC Aarau und dem FC Sion im Stadion Bruegglifeld in Aarau, am Mittwoch, 10. Februar 2021. (KEYSTONE/Ennio Leanza)

Die Tribünen im Brügglifeld sind geschlossen, angefeuert wird der FC Aarau dennoch. Bild: keystone

Die Mauerfans vom Brügglifeld: So gehen Polizei und Liga mit dem Corona-Phänomen um

Trotz geschlossenen Stadiontoren wird der FC Aarau während Heimspielen von Fans angefeuert: Möglich macht dies die niedrige Stadionmauer rund um das altehrwürdige Brügglifeld. Nicht alle Parteien sind glücklich mit der Situation.

Sebastian Wendel / ch media



Folgender Spruch macht die Runde: «Der FC Aarau spielt zwar nur in der zweiten Liga, dafür hat er den höchsten Zuschauerschnitt aller 20 Profiklubs.»

Zuschauer? Trotz coronabedingt geschlossenen Stadien? Nun – im Innenraum des Stadion Brügglifeld ist es wie überall in der Schweiz: Zugelassen sind neben den Mannschaften, Trainern und Betreuern verletzte und nicht aufgebotene Spieler, die wichtigsten Klubfunktionäre sowie Personen, die zum Arbeiten im Stadion sind (Journalisten, Stadionspeaker, Platzwart, Sicherheitspersonal, etc.). Alle anderen müssen draussen bleiben.

Wobei «draussen» im Fall Brügglifeld bedeutet: Wer sich auf einen Hocker, auf eine Harasse oder ganz einfach auf sein Velo stellt, hat auf der gegenüberliegenden Bachseite des Restaurant Sportplatz freien Blick auf das Spielfeld – der niedrigen Stadionmauer, einer von vielen Einzigartigkeiten im Unikat Brügglifeld, sei Dank.

Dort, wo in Normalzeiten Personen mit Stadionverbot oder solche, die sich das Ticket nicht leisten können oder wollen, über die Mauer lugen, treffen sich nun also jene Hartgesottenen, die «ihrem» FCA trotz geschlossenen Stadiontoren möglichst nah sein wollen. Während des Spiels sind ihre Anfeuerungsrufe gut zu hören, nach dem Schlusspfiff, wenn Aarau gewonnen hat, gibt es eine Laola-Welle mit den Spielern – dazwischen die Stadionmauer.

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Mauerfans im Brügglifeld mit Masken. Bild: Zvg / Facebook

Was Ende September 2020 mit gut einer Handvoll Fans begann, wuchs von Heimspiel zu Heimspiel zur Versammlung von teilweise bis zu 70 Personen. Seit dem ersten Spiel mit dabei ist der leidenschaftliche FCA-Fan und Buchser Einwohnerrat Reto Fischer, er sagt: «Es ist ein friedliches Zusammenkommen, jeder nimmt vor dem Spiel seinen Platz ein und bleibt bis zum Schluss dort. Immer wieder bekomme ich mit, dass Personen ohne Gesichtsmaske aufgefordert wurden, eine solche überzuziehen.»

Obwohl ganz genau betrachtet an der Stadionmauer teilweise die Coronaregeln missachtet werden (Versammlungsverbot, Abstand, Maskenpflicht), gab es bislang keine Intervention von Seiten der Sicherheitsbehörden. Nicht etwa, weil die Kantonspolizei nichts davon mitbekommt. Diese teilt mit, dass sie weiterhin bei jedem FCA-Heimspiel im und ausserhalb des Stadions präsent sei, aus Gründen der Verhältnismässigkeit aber auf das Auflösen der Fangruppe verzichte. Nach dem Motto: Gesunder Menschenverstand bringt oft mehr als gesetzlicher Übereifer. Solange alles friedlich bleibt, lässt man die Fans gewähren. Dies entspricht der Polizeistrategie bei ähnlichen Happenings wie der Anti-Corona-Demonstration in Wohlen oder der Fasnacht in Würenlingen.

So nachvollziehbar die Defensivtaktik der Polizei, so nachvollziehbar die Verstimmung bei der Swiss Football League (SFL): Die Dachorganisation der zwei Schweizer Profiligen Super League und Challenge League vertritt während der Pandemie die Interessen der Fussballklubs gegenüber den Behörden und der Politik – mit dem Ziel, möglichst früh möglichst viele Lockerungen zu bewirken. Zum Beispiel, dass wieder Zuschauer in die Stadien dürfen. Die Bilder aus Aarau dürften in diesen Verhandlungen zumindest kein hilfreiches Argument sein.

«Der FC Aarau ist verantwortlich für den Innenraum, wir können den Fans nicht verbieten, die Mannschaft von ausserhalb des Stadions anzufeuern»

FCA-Präsident Philipp Bonorand

Im Rahmen der üblichen Inspektionen in den Schweizer Stadien hat die SFL-Sicherheitsabteilung die Aargauer Polizei auf die Fanmauer angesprochen, ist jedoch gemäss AZ-Informationen mit dem Wunsch, dass eingegriffen wird, rasch abgeblitzt. Weil die Fans sich ausserhalb des Stadions befinden, hat die SFL selber in der Angelegenheit keinen Handlungsspielraum, sprich kann niemanden von der Stadionmauer wegweisen.

Sicherheitskraefte mit Atemschutzmaske wartet im Testspiel zwischen dem Challenge League Club FC Aarau und dem Super League Club FC Thun im Stadion Bruegglifeld, am Samstag, 06. Juni 2020 in Aarau. (KEYSTONE/Ennio Leanza)

Ins Brügglifeld kommen, wie in alle anderen Stadien, derzeit keine Fans. Bild: keystone

Das gilt auch für den FC Aarau. Doch naturgemäss steht der Klub auch in Zeiten von leeren Zuschauerrrängen im Austausch mit den Fans und hat diese gebeten: Wenn sie sich schon versammeln an der Stadionmauer, dann in gesittetem Rahmen und so gut wie möglich unter Einhaltung der Coronaregeln. Falls nötig, hilft der FCA gerne mit einer Packung Gesichtsmasken aus. Präsident Philipp Bonorand sagt: «Der FC Aarau ist verantwortlich für den Innenraum, wir können den Fans nicht verbieten, die Mannschaft von ausserhalb des Stadions anzufeuern. Solange es friedlich bleibt und die Fans sich an die Covid-19-Regeln halten, freuen wir uns über die Unterstützung und begrüssen die Deeskalationsstrategie der Polizei.»

Trotz frühlingshafter Temperaturen waren bei den letzten zwei Heimspielen gegen Winterthur und Thun erstaunlicherweise deutlich weniger Fans an der Stadionmauer als zuvor. Hintergrund: Die Fanorganisation «Szene Aarau» hat mitbekommen, dass die SFL in diesen zwei Spielen das Brügglifeld inspiziert und dabei ihr Augenmerk auf die Stadionmauer legt. Gleichzeitig hat die Kapo Aargau ihr Aufgebot rund um das Stadion leicht erhöht. Um den FC Aarau vor allfälligen Schwierigkeiten zu bewahren, hat ein Grossteil der «Mauerfans» auf den Besuch der Spiele verzichtet.

Für immer unvergessen:

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Der legendäre «Brügglifeld olé»-Song. Video: YouTube/imageundwerbefilme

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quelle: x01095 / craig brough
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