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Wie Jürgen Klopp Liverpool für die Wende gegen Barça einstellte

Liverpool manager Jurgen Klopp gestures on the touchline during the Champions League Semi Final, second leg soccer match between Liverpool and Barcelona at Anfield, Liverpool, England, Tuesday, May 7, ...
Jürgen Klopp strotzt vor Energie an der Seitenlinie.Bild: AP

«Ich habe gesagt, es ist unmöglich» – wie Jürgen Klopp Liverpool für die Wende einstellte

Georginio Wijnaldum, Divock Origi, Sadio Mané, Allison Becker … die Liste der Liverpooler Helden des gestrigen Abends ist lang. Hinter den Spielern steht mit Jürgen Klopp aber auch ein genialer Trainer. Er hat die sensationelle Wende ermöglicht.
08.05.2019, 10:2708.05.2019, 12:20

Am Ende kann Klopp seine Emotionen nicht mehr kontrollieren. Im Interview beim englischen Sender «BT Sport» sagt er: «Es ist zehn nach zehn, die Kinder sind vermutlich alle im Bett. Meine Jungs sind einfach ‹fucking intelligent giants›. Es ist unglaublich. Ihr könnt mir eine Busse geben fürs Fluchen wenn ihr wollt, ist mir egal.»

Moderator und Experte Gary Lineker ist voll auf Klopps Linie. Sobald die Kamera wieder im Studio ist, sagt er: «Mir wurde gesagt, ich solle mich für Klopps Worte entschuldigen. Das werde ich nicht tun, denn er hat Recht.»

Klopp erklärt seine Emotionen etwas später, als sich alle wieder gefasst haben, auch noch ausführlich: «Es ist wirklich unfassbar, überwältigend eigentlich, was wir heute geschafft haben. Ich habe Spieler auf dem Platz gehabt, die nach dem Spiel geweint haben, weil sie so gerührt waren. Das ist so gross. Klar, es ist ‹nur› Fussball, aber es ist so gross, dass man es kaum glauben kann.»

Der deutsche Trainer spricht nur von seiner Mannschaft. Doch auch er – einer der besten Coaches der Welt – hat viel Lob verdient. In der Meisterschaft spielt Liverpool eine der besten Saisons in der Geschichte der Premier League. Dass es vermutlich trotzdem nicht zum Titel reicht, hat auch mit dem Pech zu tun, dass Manchester City ebenfalls grandios spielt.

Klopp schafft es, seine Mannschaften in K.o.-Situationen immer perfekt einzustellen. 2013 warf er so mit Dortmund im CL-Halbfinal Real Madrid raus. Letztes Jahr musste im Viertelfinal Manchester City erfahren, wie sich das anfühlt. In seiner Zeit bei Liverpool hat er noch kein K.o.-Duell mit Hin- und Rückspiel verloren. Er führte die «Reds» 2016 in den Final der Europa League, und 2018 und nun erneut ins Endspiel der Königsklasse.

«Es geht um Herz und Leidenschaft und Empathie. Das reflektiert Klopps Persönlichkeit.»
José Mourinho

Doch was ist das Erfolgsrezept des 51-jährigen Deutschen?

Die portugiesische Trainerlegende José Mourinho glaubt es zu wissen: «Das hat nichts mit Taktik zu tun. Es geht um Herz und Leidenschaft und Empathie. Das reflektiert Klopps Persönlichkeit. Und die Spieler geben alles für so einen Trainer.»

Tatsächlich ist es bemerkenswert, mit wie viel Einsatz die Spieler unter Jürgen Klopp agieren. Auch Spieler in eher frustrierenden Situationen, die kaum zum Einsatz kommen, wie Divock Origi oder Xherdan Shaqiri geben alles, sobald sie einmal auf dem Platz stehen.

Das beste Beispiel dafür am gestrigen Abend ist Georginio Wijnaldum. Obwohl Liverpool viele Stammspieler fehlen, kommt der Holländer nicht von Beginn weg zum Einsatz. «Ich war wütend auf den Trainer, weil er mich auf die Bank gesetzt hat», gibt er nach dem Spiel zu.

In der zweiten Halbzeit wird er für den angeschlagenen Robertson doch noch eingewechselt und er macht sich wenige Minuten später zum Doppeltorschützen.

«Ich habe ihnen gesagt: ‹Jungs, die Wende ist unmöglich. Aber weil ihr es seid, glaube ich doch daran.›»
Jürgen Klopp

Und Klopp weiss: «Dieser Klub ist die perfekte Mischung aus Atmosphäre, Emotionen, Wunsch und Fussballqualität. Wir wissen, dass es nicht ausreicht, wenn man bei uns einen Spieler stoppt.»

Klopp verrät im Interview mit «DAZN» auch noch, wie er seine Mannschaft eingestellt hat. «Ich habe ihnen gesagt: ‹Jungs, die Wende ist unmöglich. Aber weil ihr es seid, glaube ich doch daran.› Wir haben versucht, auf das Spiel in Barcelona aufzubauen, weil da viele Dinge schon richtig gut waren.»

Es sei zudem klar gewesen, dass Liverpool mit der Power, die Anfield dem Team geben könne, noch druckvoller habe auftreten können. «Wir hatten in Barcelona eigentlich noch grössere Chancen, aber heute haben wir sie gemacht», sagt der Deutsche. «Das 4:0 war alleine die Idee von Trent Alexander-Arnold, 20 Jahre alt. Was für ein Kerl.»

Danach ringt der Trainer – überwältigt ob dem Erreichten – doch wieder etwas um Worte: «Ich weiss nicht, was ich sagen soll. Dieser Klub berührt einen einfach wahnsinnig – mehr als bei allen anderen.» Und Klopp schliesst dann mit: «Es war eine aussergewöhnliche Nacht. Das haut dich um.»

Da können wir ihm nur zustimmen.

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