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Swiss players celebrate with the cup after defeating France in the Davis Cup final at the Pierre Mauroy stadium in Lille, northern France, Sunday, Nov. 23, 2014.  Switzerland won 3-1  and wins the Davis Cup. (AP Photo/Christophe Ena)

Konfettiregen und die «hässlichste Salatschüssel der Welt»: Schweizer Glückseligkeit in Lille. Bild: AP

Kommentar

Ein Titel zweier Einzelkönner? Von wegen ...

Der Davis-Cup-Titel wäre für die Schweiz ohne die grandiosen Einzelkönner Roger Federer und Stan Wawrinka niemals möglich gewesen. Aber auch nicht ohne das restliche Team, das dem Erfolg alles unterordnet.



Philipp Reich, lille

Es ist geschafft: Zum ersten Mal in der Geschichte hat eine Schweizer Mannschaft den wichtigsten Titel in einer Weltsportart gewinnen können. Die Eishockeyaner waren 2013 mit WM-Silber nah dran, die Fussballer haben es 2009 immerhin bei den U17-Junioren geschafft. Der Davis-Cup-Titel der Schweiz 2014 toppt aber alles bisher Dagewesene.

Stänkerer könnten nun monieren, das sei kein Mannschaftserfolg, sondern der Triumph zweier Einzelkönner. Natürlich haben Stan Wawrinka und Roger Federer auf dem Platz den Grossteil der Arbeit geleistet. Ohne die Entourage dahinter wäre dieser Erfolg allerdings nie möglich gewesen. Und das ist jetzt keine Floskel, wie sie die jungen, mediengeschulten Fussballer nach ihren Spielen eintönig ins Mikrofon trällern. 

Swiss Team Davis Cup members pose with the Davis Cup trophy, after wining the Davis Cup Final between France and Switzerland, at the Stadium Pierre Mauroy in Lille, France, Sunday, November 23, 2014. (KEYSTONE/Salvatore Di Nolfi)

Das Schweizer Davis-Cup-Team mit dem Pott. Bild: KEYSTONE

Die Betreuer flickten Federers Rücken, Wawrinka nahm sich den «Maestro» zur Brust, Michael Lammer und Marco Chiudinelli akzeptierten ihre Rolle ohne zu murren, bauten den seit London psychisch angeschlagenen Wawrinka wieder auf, Captain Severin Lüthi traf die Entscheidungen, die zu treffen waren.

Das Team ist in dieser Konstellation nun seit fast zehn Jahren zusammen. Diese Beständigkeit ist vor allem im Davis Cup ein grosser Vorteil. Der Wettbewerb ist übers ganze Jahr verteilt, es wird von Anfang Februar bis Ende November gespielt. Um sich schnell aufs Wesentliche konzentrieren zu können, sind fixe Strukturen und bekannte Gesichter ein entscheidender Faktor. Das wissen auch die beiden Hauptdarsteller. Ihr erster Dank galt nach dem Triumph ihren Kollegen in der zweiten und dritten Reihe.

Switzerland's Stanislas Wawrinka, 3rd left, and his doubles partner, Roger Federer, 2nd right, celebrate with their teammates Marco Chiudinelli, left, Michael Lammer, 2nd left, Swiss Davis Cup Team Coach Ivo Werner, left, and David MacPherson, right, coach of the Bryan brothers and special coach for Swiss, after beating French players, during their doubles match of the Davis Cup Final between France and Switzerland, at the Stadium Pierre Mauroy in Lille, France, Saturday, November 22, 2014. (KEYSTONE/Salvatore Di Nolfi)

Die Kollegen freuen sich nach dem gewonnenen Doppel mit «Fedrinka». Bild: KEYSTONE

Doch der Davis Cup hat noch weitere Tücken: Nur hier müssen die sonst stets auf sich fokussierten Spieler Rücksicht auf andere nehmen, können nicht alleine über Sieg oder Niederlage entscheiden. Wenn zwei so unterschiedliche Charaktere wie Federer und Wawrinka aufeinandertreffen, könnte das schnell zu Spannungen führen. 

Doch bei den Schweizern werden diese schon im Keim erstickt. Als die Welt nach dem «Cry Baby»-Zwischenruf von Mirka Federer in London bereits einen veritablen Streit zwischen den beiden vermuten, klären Federer und Wawrinka die Situation unter Lüthis Aufsicht in fünf Minuten in der Garderobe.

Roger Federer, left, of Switzerland, Stanislas Wawrinka, 2nd left, of Switzerland, and  Marco Chiudinelli, right, of Switzerland, celebrate with their fans, after wining the Davis Cup Final against the France, at the Stadium Pierre Mauroy in Lille, France, Sunday, November 23, 2014. (KEYSTONE/Salvatore Di Nolfi)

Federer klatscht mit der Mini-Trophäe in der Hand mit den Fans ab. Bild: KEYSTONE

Bei allem Teamwork gilt es einen trotzdem herauszuheben: Stan Wawrinka. Der einzige Romand im von Deutschschweizern geprägten Team hat seit Jahren kein Davis-Cup-Aufgebot ausgeschlagen, ist müde und angeschlagen durch die halbe Welt gejettet, um für sein Land zu spielen. In Lille lieferte er nun sein Meisterwerk ab. Sonst stets im Schatten von Federer legte er im Final mit seinem Sieg im Einzel am Freitag und der grandiosen Leistung im Doppel den Grundstein für den Erfolg.

Gross von Federer, dass er dies in der Stunde des Triumphs auch anerkennt: «Das ist Stans Sieg», sagt er – im Wissen, dass ein Typ wie Wawrinka eben nur im Team so aufblühen kann wie an diesem Wochenende für die Ewigkeit in Lille.

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    Alle Leser-Kommentare
  • Bruno Wüthrich 25.11.2014 10:10
    Highlight Highlight Man wird die Leute dahinter, wie es der Autor richtig geschrieben hat, bald vergessen. Doch solche Erfolge werden im Kopf entschieden. Talent, Training und Betreuung aller Art hatten auch die Franzosen. Sie wählten den Belag und konnten sich länger auf diesem vorbereiten. Federer und Wawrinka hatten im Vorfeld Rückschläge zu verkraften. Dass dieser Erfolg trotzdem möglich war, hat viel mit dem Umfeld zu tun. Die «Nebenrolle» zu akzeptieren und aus vollem Herzen dazu beizutragen, dass unsere Leader im Kopf besser waren, ist das Verdienst von Severin Lüthi, Michael Lammer und Marco Chiudinelli
  • Pascal Mona 24.11.2014 09:05
    Highlight Highlight Klar war es grundsätzlich die Einzelleistung von Federer und vorallem Wawrinka. Alles andere ist "Schönfärberei" einer sogenannten Teamleistung. Natürlich braucht es die Betreuer usw., aber die braucht es genauso im Einzel (und auch da dankt der Sieger jeweils als erster diesen Betreuern/Familie/Fans...). Schön und gut waren auch die Ersatzspieler dabei, aber um ehrlich zu sein hätten diese weder im Viertel-, Halb- noch im Final den Ausfall von Roger oder Stan kompensieren können. Für mich ist und bleibt es definitiv eine Einzelleistung dieser beiden.
    • Grigor 24.11.2014 10:23
      Highlight Highlight Das denkt man auch nur wenn man selber keinen Sport macht. Wenn man selber Sportler ist, weiss man das es mehr braucht als nur die Leistung auf dem Platz. Im Spitzensport ist das noch viel krasser als bei den Amateuren.
    • Pascal Mona 24.11.2014 13:32
      Highlight Highlight Jaja... keine Ahnung wie du drauf kommst... Ich betreibe nebst Mannschaftssport (Fussball; mittlerweile nur noch 4. Liga; früher 2. Liga) auch Einzelsport (Squash; früher noch Ringen und gaaanz früher noch Leichtathletik). Nun gut, nie professionell. Aber gerade viele Argumente hast du nicht gebracht die meine Meinung ändern würden...
    • Grigor 24.11.2014 15:24
      Highlight Highlight Wenn man selbst Sportler ist und denkt man hat das alles alleine erreicht, wird man sicher Spass haben aber selten an das Maximum der Leistungsfähigkeit heran kommen. Sei es im mentalen Bereich oder im physischen, mit den richtigen Personen an der Seite kann man mehr Leistung erbringen. Natürlich haben die beiden die eigentliche Leistung erbracht, zu behaupten das hätten sie auch mit einem schlechten Umfeld gekonnt, ist ein wenig sehr vermessen.
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