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PostFinance Top Scorer Zugs Raphael Diaz im Eishockeyspiel der National League zwischen den Rapperswil-Jona Lakers und dem EV Zug, am Freitag, 2. Oktober 2020, in der St. Galler Kantonalbank Arena in Rapperswil-Jona. (PostFinance/KEYSTONE/Gian Ehrenzeller)

Raphael Diaz verlässt Zug in Richtung Fribourg. Bild: keystone

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Zug: Geld wie Dagobert Duck, reden wie Goofy und Captain Raphael Diaz geht

Wenn Captain Raphael Diaz Zug verlässt, geht eine Ära zu Ende. Er hätte keinen besseren neuen Klub finden können als Gottéron. Nun läuft Zug die Zeit davon.



Für Gottéron ist es ein ewiger Traum: einmal Meister werden! Es ist besser für Gottéron, nicht Meister zu werden. So lebt der meisterliche Traum ewiglich, beflügelt die Fantasie und öffnet Jahr für Jahr die Portemonnaies. Die immer wiederkehrende Hoffnung, dass es nächstes Jahr doch reicht, ist eine unerschöpfliche Energiequelle und Trainer und Sportchef Christian Dubé ist ein wahrer Grossmeister des «Hoffnungs-Geschäfts.» Der Kultstatus bleibt gewahrt: wir sind und bleiben das beste Team der Geschichte, das noch nie Meister geworden ist. Gescheitert in den Finals von 1992, 1993, 1994 und 2013. Dem finalen Triumph am nächsten 1992, als das letzte und Finalspiel auf eigenem Eis gegen den SCB 1:4 verloren ging.

Diaz passt perfekt zu Fribourg

Dass Zugs Raphael Diaz den Herbst seiner Karriere – er wird im Januar 35! – bei Gottéron zu verbringen gedenkt – perfekt. Zur DNA des modernen Gottéron gehört spielerischer Glanz und läuferische Eleganz ohne meisterlichen Ruhm. Um es boshaft zu sagen: es ist das zu starke welsche Element. Kein Spieler aus der alemannischen Schweiz passt besser zu diesem Gottéron als der so begabte vierfache Finalverlierer Raphael Diaz (Playoffs 2017 und2019, WM-Final 2013 und 2018). Wäre sein neuer Chef Christian Dubé nicht Stürmer, sondern Verteidiger gewesen – er hätte gespielt wie Raphael Diaz. Zugs Captain ist der beste, der charismatischste Führungsspieler, der noch nie Meister geworden ist. Bei Gottéron wird ihn niemand kritisieren, wenn es auch mit ihm nicht zum Titel reicht. Und es entbehrt nicht einer gewissen Ironie, dass Gottérons Spektakel-Transfer ausgerechnet von Zug kommt.

Christian Dube Sportchef und Head Coach, waehrend der Vorsaison-Medienkonferenz des HC Fribourg-Gotteron, am Montag, 28. September 2020, in der BCF Arena in Fribourg. (KEYSTONE/Marcel Bieri)

Wäre Christian Dubé Verteidiger gewesen, er hätte gespielt wie Raphael Diaz. Bild: keystone

Die Siegermentalität bei Zug fehlt noch

Zug ist eine der führenden Hockey-Firmen Europas und müsste eigentlich gemessen an der Finanzkraft ab und an Meister werden. Die Zuger waren immerhin schon einmal Meister. 1998 unter dem charismatischen, führungsstarken, bodenständigen Präsidenten Fredy Egli. Hätten sie heute eine Führungspersönlichkeit wie Fredy Egli, dann wären sie in den letzten fünf Jahren mindestens zwei Mal Meister geworden.

Die Zuger haben Grosses geleistet. Die politische Durchdringung eines ganzen Kantons, eine starke Vernetzung in der lokalen Wirtschaft, ein wunderbares Stadion und ein Sport-Leistungszentrum, das nicht nur zu den besten des Landes, sondern zu den modernsten der Weltgehört. Und ohne Boshaftigkeit dürfen wir sagen: Sie haben Geld wie Dagobert Duck. Das Problem ist nur: der politische, bautechnische und wirtschaftliche Erfolg schwächt das wichtigste Element eines Sportunternehmens: den unbedingten Willen zum Erfolg. Woran sich das zeigt? Nein, nicht im fehlenden Einsatzwillen der Spieler. Ganz und gar nicht.

Das Eishockeyspiel der National League zwischen dem EV Zug und den Rapperswil-Jona Lakers am Samstag, 14. November 2020, in der Bossard Arena in Zug. (KEYSTONE/Alexandra Wey)

Blick in die schmucke Bossard Arena: Wann wird hier der Meisterkübel gestemmt? Bild: keystone

Aber Meister werden beginnt im Denken. Eine Siegermentalität bedingt ein gesundes Selbstvertrauen, das von der Konkurrenz neidvoll auch als Arroganz empfunden wird. So wie bei Bayern München. Es ist der Grundsatz, keine Niederlage zu akzeptieren und immer gewinnen zu wollen. Niederlagen gehören natürlich dazu. Aber sie sind der Sauerstoff für einen noch stärkeren Siegeswillen. Das war früher beim SCB so. Das «Grande Lugano» hatte diese Siegermentalität lange Jahre auch, der HCD während der «Belle Epoque» unter Arno Del Curto sowieso und heute ist diese Siegermentalität am stärksten bei den ZSC Lions zu spüren. Zu einer Siegermentalität gehört auch, dass es ab und zu verbal rumpelt.

Die Zuger fabulieren seit dem Sommer nur noch vom Sparen. General Manager Patrick Lengwiler und sein Sportchef Reto Kläy gehören inzwischen zu den profiliertesten «Corona-Jammeri» der Liga. Wer Meister werden will und einen Präsidenten hat, der Milliardär ist, jammert nicht. Wer sparen will, tut es und redet nicht darüber. Dieses Spargerede glaubt sowieso niemand, ist eine Steilvorlage für Ausreden und schreckt grosse Spieler ab, die Meister werden wollen. Und sorgsam sind die Zuger darauf bedacht, nur ja nie irgendwelche Polemik rund um den Klubaufkommen zu lassen. Auch deshalb ist der Vertrag mit Trainer Dan Tangnes bis 2024 verlängert worden. Leise Teams werden nie Meister. Zugs Meistermannschaft von 1998 war eines der unterhaltsamsten, buntesten und rockigsten der Geschichte.

Eine Ära geht bei Zug zu Ende

Santeri Alatalo (30) wird Zug verlassen, Captain Raphael Diaz (34) ist auf dem Weg zu Gottéron. Wenn ein Spieler wie Raphael Diaz die Garderobe verlässt, der mit Ausnahme seines Nordamerika-Abstechers (214 NHL-Spiele/50 Punkte) die ganze Karriere in Zug verbracht hat, der zum «Poster-Boy» des Unternehmens geworden ist, dann geht immer auch eine Ära zu Ende. So verstärkt sich das Gefühl, dass Zug die Zeit davonläuft: wenn es nicht gelingt, im nächsten Frühjahr doch noch Meister zu werden, wird es die Ära der gescheiterten Titelkämpfe sein.

Sportchef Reto Kläy muss die Verteidigung für die nächsten Jahre neu aufbauen. Er braucht einen neuen Verteidigungsminister. Mit Jammern und Spargerede geht das nicht. Auf dem Markt sind eigentlich nur Ambris Captain Michael Fora (25) und Rappis Vize-Captain Dominik Egli (22), die für ein künftiges Meisterteam in Frage kommen. Michael Fora wird voraussichtlich in Ambri noch einmal ein Jahr verlängern.

Zweimal hat Reto Kläy die Liga gerockt und Bern Leonardo Genoni und Lugano Grégory Hofmann ausgespannt. Um Meister zu werden, braucht Zugs Sportchef noch einmal, diesmal auf der Verteidigerposition, einen solch grossen Transfer eines Schweizer Spielers. Biels Samuel Kreis (26) ist nicht dieser grosse Transfer. Er kann Raphael Diaz nicht die Schuhe bringen, geschweige denn in seinen Schuhen stehen.

Geld wie Dagobert Duck haben die Zuger ja.Patrick Lengwiler und Reto Kläy müssen nuraufhören zu reden wie Goofy.

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