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Lugano kann nur ein Wunder helfen.
Lugano kann nur ein Wunder helfen.Bild: KEYSTONE
Eismeister Zaugg

Halbzeit-Bilanz: Ausgeglichen wie nie und nur der SCB kommt noch über den «Strich»

Die Liga ist ausgeglichen wie nie seit der Einführung einer Meisterschaft im Jahr 1915. Deshalb werden Fehler der Sportchefs umgehend bestraft, aber kluger Mut zum Risiko und gute Arbeit reichlich belohnt. Eine Halbzeit-Bilanz zeigt es.
09.12.2019, 06:1709.12.2019, 15:48

Eine einzige Zahl verrät die Besonderheit dieser Saison: 27. Ambri hatte als Tabellenletzter bei Halbzeit 27 Punkte auf dem Konto. Noch nie seit der Einführung unserer Meisterschaft im Herbst 1915 hatte ein Schlusslicht zu diesem Zeitpunkt der Saison so viele Punkte gesammelt. Es ist der simple statistische Beweis, dass unsere höchste Liga so ausgeglichen ist wie nie zuvor.

Verschiedene Faktoren haben zu dieser Ausgeglichenheit geführt. Unter anderem professionelle Arbeitsbedingungen bei allen Klubs, eine grössere Anzahl von Spielern, die für das höchste Niveau taugen (obwohl die Besten im Ausland spielen) und besseres Management im sportlichen und kommerziellen Bereich.

Bern wird es knapp über den «Strich» schaffen.
Bern wird es knapp über den «Strich» schaffen.Bild: KEYSTONE

Es ist eine Nivellierung nach oben. Die National League ist eine der besten ausserhalb der NHL. Was sich auch daran zeigt, dass gleich drei Vertreter um den Einzug ins Halbfinale der Champions League spielen.

Diese nie dagewesene Ausgeglichenheit führt zu einer Atemlosigkeit, der sich auch die vermeintlichen Spitzenklubs nicht mehr entziehen können. Schlendrian geht nicht. Was ein Grund für die Qualität der Liga ist.

Jahrelang war die Qualifikation für die Titanen selbst dann ein Schaulaufen, wenn die Sportchefs Fehler machten. Es blieb genug Spielraum für Krisenmanagement. Hin und wieder geriet zwar einer in eine Krise. Aber erst 2013 verpasste der Meister (SCB) zum ersten Mal die Playoffs, 2019 hat es die ZSC Lions erwischt. Ausnahmen, die die jahrelange Leichtigkeit des Seins der Grossen bestätigen.

Die ZSC Lions haben 2019 die Playoffs nicht erreicht – diese Saison sieht es für die Zürcher wieder etwas besser aus.
Die ZSC Lions haben 2019 die Playoffs nicht erreicht – diese Saison sieht es für die Zürcher wieder etwas besser aus.Bild: KEYSTONE

Wer aber heute in einigermassen ruhigen Gewässern durch die Qualifikation segeln will, darf sich keine Fehler mehr leisten. Auch eine erstklassige Besetzung ist keine Garantie mehr für eine Spitzenposition – und Arroganz wird bestraft. Selbst ein nominelles Spitzenteam kann sich nicht mehr an der Spitze halten, wenn nicht alles stimmt. Auch ein Titelanwärter braucht inzwischen schon während der Qualifikation verlässliche Torhüter und gute Ausländer.

In erster Linie aber eröffnet die Ausgeglichenheit Chancen. Noch vor zehn Jahren nützte das beste Konzept wenig. Die sportliche und wirtschaftliche Differenz zu den Titanen war zu gross. Bei einer Halbzeit-Bilanz zeigt sich: Das hat sich geändert. Nicht nur das Absturz-Risiko der Favoriten ist grösser geworden und hält die Titanen in Atem. Wer jetzt den Mut zu Veränderungen hat, wer alles oder doch fast alles richtig macht, wird belohnt.

Die Halbzeit-Bilanz

  • Die ZSC Lions haben letzte Saison als Meister die Playoffs verpasst. Mit einem neuen, charismatischen Trainer, dem richtigen, viel offensiveren Spielkonzept und Umbesetzungen auf den Ausländerpositionen sind sie wieder ein Spitzenteam geworden. Für die zweite Hälfte ist eine leichte Abkühlung zu erwarten. Die grosse Frage ist nun: Kann der neue Trainer auch Meister?
  • Die Davoser waren letzte Saison noch «Playoutisten». Mit neuen Männern auf den Positionen des Sportdirektors, des Trainers, der Assistenten, der Ausländer und der Goalies führte der HCD bei Halbzeit nach Verlustpunkten die Tabelle an. Die höhere Belastung im Dezember und Januar wird den Schwung etwas bremsen. Aber die Hälfte der Spieler wissen, wie man Meister wird. Davos ist wieder mehr Titelanwärter als Playoutist.
  • Sportchef Martin Steinegger hat seine Schlüsselpositionen (Trainer, Ausländer, Torhüter) sehr gut besetzt, Biel ist ein Titan geworden und an einem guten Abend die schnellste Mannschaft der Liga. Spielt Jonas Hiller sein bestes Hockey, ist der Titel möglich.
  • Wie Davos verdankt auch Servette seine Position in der Spitzengruppe dem Mut des Managements zum Risiko: Ein neuer Trainer setzt auf junge Talente aus den eigenen Reihen oder auf solche, die anderorts nicht zum Zuge gekommen sind und der Sportchef hat bei der Verpflichtung der Ausländer seine Hausaufgaben gemacht. Es reicht für die Playoffs.
  • Die Zuger haben den Rollenwechsel vom Aussenseiter zum Titelfavoriten nach wie vor nicht ganz verarbeitet. Die Frage für den weiteren Verlauf der Meisterschaft: Wie lange dauert es, bis alle mit den hohen Erwartungen umgehen können und bis Leonardo Genoni wieder sein bestes Hockey spielt? Die Playoffs sind nicht in Gefahr.
  • Lausanne ist eine der ausgeglichensten und taktisch besten Mannschaft der Liga und bei Halbzeit unter seinem spielerischen Wert klassiert. Fix-Starter für die Playoffs.
  • Die SCL Tigers standen bei Halbzeit auf einem Playoffplatz. Aber sie stehen auf viel dünnerem Eis als letzte Saison: Damiano Ciaccio ist nicht mehr gut genug, um Ivars Punnenovs zu entlasten und nur noch zwei Ausländerpositionen sind sehr gut besetzt (Harri Pesonen, Chris DiDomenico). Der neue ausländische Stürmer Robbie Earl ist ein Fehleinkauf. Nur wagt das noch niemand offen zu sagen. Die Playoff-Qualifikation ist in höchster Gefahr.
  • Gottérons Sportchef Christian Dubé hat Trainer Mark French gerade noch rechtzeitig gefeuert, die Mannschaft selbst übernommen und aus den taktischen Fesseln befreit. Aber nach wie vor sind zu viele zu früh mit zu wenig zufrieden – es fehlt die Mentalität einer Spitzenmannschaft. Das bringt die Playoff-Qualifikation in akute Gefahr.
  • Drei Titel in vier Jahren haben in Bern auf allen Ebenen zu einer Arroganz sondergleichen und zu einer Missachtung einer ewigen Regel geführt: Seit Anbeginn der Zeiten macht der Torhüter mindestens 50 Prozent des Erfolges aus. Die Berner haben das Experiment mit den beiden «Lottergoalies» (Schlegel, Caminada) viel zu spät abgebrochen. Erst mit dem finnischen Torhüter Tomi Karhunen ist eine Stabilisierung eingetreten. Aber dem Meister macht auch zu schaffen, dass nur noch ein ausländischer Feldspieler (Mark Arcobello) höheren Ansprüchen genügt. Für die Playoffs reicht es trotzdem. Der Meister ist das einzige der vier letzten Teams, das in der zweiten Hälfte der Qualifikation noch über den «Strich» kommen wird.
  • Der neue Trainer Sami Kapanen ist weniger charismatisch als sein Materialwart und Lugano hat neben Ambri das schwächste ausländische Personal der Liga. Nur ein Wunder kann die Playoffs doch noch bringen.
  • Die Lakers sind ausgeglichener geworden und haben die Ausländerpositionen besser besetzt als letzte Saison. Das hat genügt, um bei Halbzeit die Punktezahl im Vergleich zum Vorjahr zu verdoppeln. Aber für die Playoffs reicht es nicht.
  • Ambri zahlt auch den Preis für die Zusatzbelastung Champions League und nun folgt auch noch der Spengler Cup, der viel Energie kostet. Eigentlich stimmt bis auf die Besetzung der Ausländerpositionen alles. Mit Liga-Topskorer Dominik Kubalik (jetzt in der NHL) würde Ambri die Playoffs wahrscheinlich erneut schaffen. Ohne den tschechischen Stürmer reicht es nicht mehr.

Und natürlich braucht es in diesen Zeiten der Ausgeglichenheit auch ein wenig Glück. Ohne Beistand der Hockeygötter ist selbst der Klügste und Tüchtigste verloren. Schon der grosse Napoléon wusste um die Unwägbarkeiten des Schicksals: wenn ihm eine Beförderung zum General vorgeschlagen wurde, pflegte er zu fragen: «Aber hat er auch Glück?»

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