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Berns Goalie Pascal Caminada ist geschlagen beim 2:3, waehrend des Meisterschaftsspiels der National League zwischen dem SC Bern und dem HC Lausanne, am Freitag, 22. November 2019 in der Postfinance Arena in Bern. (KEYSTONE/Marcel Bieri)

Pascal Caminadas Zukunft sieht nicht rosig aus. Bild: KEYSTONE

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Das Goalie-Drama in Bern – maximales Risiko, beste Unterhaltung und kein Weg zurück

Das grösste selbstverschuldete Torhüter-Drama in der SCB-Geschichte nimmt immer grössere Dimensionen an. Nun versucht SCB-Sportchef Alex Chatelain die Sterne vom NHL-Himmel zu holen.



Im richtigen Leben müssen wir manchmal jahrelang auf die nächste Chance warten. Im Sport gibt es in kürzesten Abständen immer und immer wieder eine neue Gelegenheit. Das ist immerhin eine gute Nachricht für SCB-Sportchef Alex Chatelain.

Sein Goalie-Experiment mit Pascal Caminada und Niklas Schlegel ist offiziell zwar gescheitert. Aber er erhält die Möglichkeit zur Korrektur. Wenn er sie nützt, ist seine Position wieder gefestigt und der SCB stabilisiert. Nützt er sie nicht, muss der Meister froh sein, dem Abstiegskampf zu entgehen.

Eine international tätige Spielervermittlungsagentur meldet: «Einen ausländischen Torhüter haben wir für den SCB nicht. Aber die Berner suchen sowieso eine Schweizer Lösung.»

Alex Chatelain, Sportchef vom SC Bern spricht an einer Medienkonferenz, am Mittwoch, 4. September 2019, in Bern. (KEYSTONE/Peter Schneider)

Alex Chatelain sucht eine Schweizer Lösung für sein Goalie-Problem. Bild: KEYSTONE

Alex Chatelain möchte also einen Torhüter, für den er keine Ausländer-Lizenz braucht. Er hat zwei Optionen. Für beide muss er sozusagen die Sterne vom NHL-Himmel holen.

Die erste Option ist Cory Schneider (33). Der amerikanisch-schweizerische Doppelbürger war jahrelang einer der besten Torhüter der NHL und folglich der Welt. 2011 brachte er es mit Vancouver sogar bis ins (verlorene) Finale um den Stanley Cup. 2013 kam er zu den New Jersey Devils. Doch seit 2016 hat er nicht mehr oft sein bestes Hockey gespielt. Diese Saison ist er nach sechs Partien und einer miserablen Fangquote von 85,20 Prozent ins Farmteam abgeschoben worden.

New Jersey Devils' goalie Cory Schneider (35) makes a save during the second period of an NHL hockey game against the New Jersey Devils on Friday, Nov. 8, 2019, in Edmonton, Alberta. (Jason Franson/The Canadian Press via AP)

Cory Schneider spielt derzeit noch bei den New Jersey Devils. Bild: AP

Das Problem bei einem allfälligen Wechsel zum SC Bern: Sein Vertrag läuft bis 2022. Er verdient diese, nächste und übernächste Saison je 6 Millionen Dollar.

Will er nach Bern wechseln, müsste erst einmal sein Vertrag mit New Jersey aufgelöst werden. Das ist über ein sogenanntes «Buyout» möglich. Bei einer ausstehenden Summe von mehr als 12 Millionen ein überaus heikles Unterfangen: New Jersey müsste den Spieler auszahlen und ein schöner Teil des Betrages würde aufs Salär-Budget geschlagen: Also auf die Lohn-Gesamtsumme des Teams, die nicht überschritten werden darf. Cory Schneider zum SCB? Da würde auch sehr viel Arbeit auf dessen Agenten Michael Liut warten.

Die Fragen, die Alex Chatelain zudem in diesem Fall abklären muss: Ist Corey Schneider überhaupt fit? Und er hat ja seine Vermögensbildung längst abgeschlossen und muss bis an sein Lebensende nicht mehr arbeiten – gibt es für ihn einen Anreiz, seine Karriere in der Schweiz fortzusetzen? Im Idealfall ist er tatsächlich fit und hochmotiviert, in der Schweiz einen schönen Karriereherbst zu verbringen. Ähnlich wie Jonas Hiller in Biel.

Die zweite Option ist der amerikanisch-schweizerische Doppelbürger Joey Daccord (23). Er könnte das SCB-Goalieproblem für gut und gerne zehn Jahre lösen. Er verdient bei Ottawa mit einem auslaufenden NHL-Erstvertrag lediglich 925 000 Dollar. Ihn freizubekommen wäre für seinen Agenten Jerome Buckley wohl machbar.

Ottawa Senators goalie Joey Daccord makes a save during the third period of the team's NHL hockey game against the Buffalo Sabres on Thursday, April 4, 2019, in Buffalo, N.Y. (AP Photo/Jeffrey T. Barnes)

Joey Daccord wäre die günstigere Option – und auch die längerfristigere. Bild: AP/FR171450 AP

Aber wie gut ist der Sohn des einstigen Ambri-Torhüters Brian Daccord tatsächlich? Er hat in seiner Statistik ein einziges NHL-Spiel mit Ottawa. Diese Saison verbringt er in der drittklassigen East Coast Hockey League. In dieser Liga ist er momentan mit beunruhigenden Statistiken (3,02 Gegentore pro Spiel, 89,20 Prozent Fangquote) bloss die Nummer 12.

Mit ziemlicher Sicherheit ist Langenthals Philip Wüthrich (21) besser als Joey Daccord. Doch sowohl sein Agent André Rufener als auch Langenthals Sportchef Kevin Schläpfer bestätigen übereinstimmend: «Wir haben keine Anfrage vom SC Bern.» Philip Wüthrich kehrt nach dieser Saison zum SCB zurück.

Die dritte Option ist – aber nur theoretisch – Elvis Merzlikins (24). Der lettische Nationalgoalie mit Schweizer Lizenz verdient bei Columbus 874 000 Dollar und der Vertrag läuft im Frühjahr aus. Aber es ist so gut wie ausgeschlossen, dass Elvis Merzlikins seine intakten Chancen auf eine NHL-Karriere durch eine vorzeitige Heimkehr auf alle Zeiten ruiniert. Alex Chatelain kann ja seinen Agenten Gerry Johansson trotzdem mal anrufen – nützt’s nichts, so schadet’s auch nicht.

Columbus Blue Jackets goaltender Elvis Merzlikins (90), of Latvia, reaches for a loose puck during the second period of an NHL hockey game against the St. Louis Blues on Friday, Nov. 1, 2019, in St. Louis. (AP Photo/Jeff Roberson)

Elvis Merzlikins wäre eine gute Option, aber die Chancen sind aufgrund seiner Ambitionen eher klein. Bild: AP

Ein Problem, das die ganze Situation verschärft: Der SCB ist in einer heiklen Lage und kann es sich nicht leisten, einem neuen Torhüter zehn oder fünfzehn Partien Angewöhnungszeit zu gewähren. Um es plakativ zu sagen: Alex Chatelain hat in der Goalie-Frage nur noch eine Patrone im Revolver. Einen «Fehlschuss» kann er sich nicht leisten.

Inzwischen ist also offiziell bekannt, dass der SCB einen neuen Torhüter sucht. Aus Gerüchten ist Gewissheit geworden. Alex Chatelain lässt sich in dieser Sache sogar vom BLICK zitieren: «Wir versuchen alles, was uns kurzfristig hilft.»

Nun wissen Niklas Schlegel (25) und Pascal Caminada (33), dass sie das Vertrauen verloren haben. Eine hochheikle Situation, die so schnell wie möglich durch die Ankunft eines neuen Torhüters geklärt werden sollte. Um es etwas frivol zu sagen: Die beiden SCB-Goalies befinden sich ungefähr in der gleichen Gemütslage wie eine treue, brave Ehefrau, die von ihrem Gatten erfährt, dass er Ausschau nach einer neuen Frau hält, seine Angetraute aber bittet, bis dahin doch ja den Haushalt ordentlich zu machen, die Hemden schön zu bügeln und ihn nach Sonnenuntergang mit Leidenschaft zu lieben.

Berns Goalie Niklas Schlegel, links, und Lausannes Goalie Pascal Caminada nach dem Meisterschaftsspiel der National League zwischen dem SC Bern und dem HC Lausanne, am Freitag, 22. November 2019 in der Postfinance Arena in Bern. (KEYSTONE/Marcel Bieri)

Sind in keiner besonders schönen Lage: die Berner Goalies Schlegel (links) und Caminada (rechts). Bild: KEYSTONE

Die Wahrscheinlichkeit, dass diese Ausgangslage Pascal Caminada und Niklas Schlegel zu konstanten Höchstleistungen befeuert, ist eher gering. Nachdem die Katze aus dem Sack ist und die Suche nach einem neuen Torhüter offiziell begonnen hat, gibt es für den SCB-Sportchef keinen Weg mehr zurück. Eigentlich ein Wahnsinn. Aber gibt es einen anderen Weg aus der Krise? Nein.

Immerhin bleibt noch die Option, halt doch einen richtigen ausländischen Torhüter zu verpflichten. Was allerdings auch nicht einfach ist. Alex Chatelain hat ja die goldene Gelegenheit verpasst, den finnischen Nationalgoalie Joni Ortio (inzwischen bei den ZSC Lions) zu verpflichten.

No risk, no fun! Der SCB-Sportchef ist in den letzten Wochen oft arg kritisiert worden. Aber einen Vorwurf muss er sich wahrlich nicht gefallen lassen: Den Vorwurf, er habe nichts für die Unterhaltung getan.

Und ist der SCB nicht das führende Unternehmen der Berner Unterhaltungsindustrie? Eben.

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