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0:5 – na und? Das wahre Drama findet an einem ganz anderen Ort statt

Bedrückte Gesichter bei den Lions – doch diese Niederlage ist «business as usual».
Bedrückte Gesichter bei den Lions – doch diese Niederlage ist «business as usual».Bild: KEYSTONE
Das miserabelste Team der Liga

0:5 – na und? Das wahre Drama findet an einem ganz anderen Ort statt

Die ZSC Lions verlieren zum Auftakt gegen Biel 0:5. Doch das ist «business as usual» und lenkt bloss vom wahren Drama ab.
01.03.2015, 09:1701.03.2015, 09:50

Der Qualifikationssieger verliert zum Auftakt auf eigenem Eis 0:5. Sensation? Nein, ganz normaler Alltag. Wir wissen zwar noch nicht, ob die ZSC Lions diese Viertelfinalserie tatsächlich gewinnen werden. Aber wir wissen jetzt schon, was Trainer Marc Crawford, Manager Peter Zahner und die Spieler im Falle einer erfolgreichen Titelverteidigung in ein paar Wochen sagen werden. «Dieses 0:5 gegen Biel war der «Wake Up Call» für meine Spieler.» (Marc Crawford). «Nach dem missglückten Auftakt gegen Biel wusste jeder, worum es geht. Es ging ein Ruck durch die Mannschaft. Wir brauchten offenbar diese Niederlage.» (Mathias Seger). «Im Rückblick war dieses 0:5 gegen Biel der entscheidende Moment auf dem Weg zur Titelverteidigung.» (Peter Zahner).

0:5 gegen Biel – der «Wake Up Call» für Marc Crawford und seine Jungs?
0:5 gegen Biel – der «Wake Up Call» für Marc Crawford und seine Jungs?Bild: KEYSTONE

Noch ist es nicht Zeit, in Zürich die Krise auszurufen. Vor einem Jahr verloren die Zürcher im Viertelfinale das erste Spiel auf eigenem Eis gegen Lausanne 1:4. Auch damals stand es nach dem ersten Drittel schon 0:3 und auch damals wurde Torhüter Lukas Flüeler ausgewechselt. Und zum Halbfinal-Auftakt gab es zu Hause gar ein 0:5 gegen Servette. Die ZSC Lions sind trotzdem Meister geworden – mit einem überragenden Lukas Flüeler, der in vier Finalpartien gegen die Kloten Flyers nur noch vier Gegentore zuliess. Vorerst gibt es noch keine Anzeichen, warum es nicht auch 2015 so enden könnte. Es gibt eigentlich nur eine bange Frage: Fahren Marc Crawfords Wutausbrüche den Spielern immer noch gehörig sein? Wenn ja, dann ist die Titelverteidigung ohne weiteres möglich.

Trotz Ressourcen das miserabelste Team der Liga

Das echte, das wahre Drama wurde nicht im Hallenstadion, nicht in Zug und nicht in Lugano aufgeführt. Es wird im medialen Windschatten der Playoffs kaum mehr beachtet: Das 0:2 der Kloten Flyers in Rapperswil-Jona. Ein weiteres Kapitel in der Geschichte über den unfassbaren Zerfall eines noch vor vier Jahren sportlich (nicht wirtschaftlich) blühenden Hockey-Unternehmens. In der neueren Hockeygeschichte gibt es keine Parallele zu diesem Drama.

Kloten läuft gegen die Lakers nur hinterher und kassiert eine bittere 0:2-Pleite.
Kloten läuft gegen die Lakers nur hinterher und kassiert eine bittere 0:2-Pleite.Bild: KEYSTONE

Mit dem WM-Silbercoach von 2013 an der Bande, mit fünf WM-Silberhelden von 2013 im Kader, mit unbeschränkten finanziellen Mitteln sind die Kloten Flyers inzwischen in jeder Beziehung das miserabelste Team der Liga geworden. 0:2 gegen die Lakers! Man muss es einfach immer wieder sagen, man darf es um der historischen Wahrheit willen nicht verschweigen: Unter Trainer Tomas Tamfal haben die Flyers vor drei Jahren gegen die Lakers noch 12:0 gesiegt. Ja, 12:0! Und nun die zweite Niederlage gegen die Lakers innert zehn Tagen! Und inzwischen bestätigt sich eine Feststellung, die der watson-Chronist während der beiden Länderspiele im Februar in der Slowakei gemacht hat und die ihm damals viel Häme beschert hat: Lakers-Goalie Tim Wolf ist einer der vergessenen Helden dieser Saison, ein Löwe. Er ist inzwischen seit 144 Minuten und 44 Sekunden nicht mehr bezwungen worden. Was, wenn die Kloten Flyers auch so einen Goalie mit Zukunft hätten?

Martin Gerber steht vor einem unrühmlichen «Rekord»

Inzwischen sind die Chancen durchaus intakt, dass Martin Gerber der erste Torhüter der Geschichte wird, der nacheinander einen Playoff-Final und einen Playout-Final verliert. Wir können mit etwas Boshaftigkeit sagen: Wenn jemand den Auftrag bekommen hätte, das dienstälteste Hockey-Unternehmen der Liga nachhaltig zu ruinieren – dieser jemand wäre nicht so erfolgreich gewesen wie der aktuelle Präsident und Besitzer Philippe Gaydoul. In drei Jahren zweimal die Playoffs verpasst, zweimal den Trainer auf einem Playoffrang gefeuert! Aber eben: Das alles ist boshaft und nicht sachdienlich. Die Kloten Flyers können den Sturz in die Playouts, die finale Schmach, immer noch aus eigener Kraft vermeiden.

Wir wollen nicht Salz in die Wunden streuen, sondern einen konstruktiven Vorschlag machen. Die Liga sollte unbedingt dieses Drama im Windschatten der Playoffs besser vermarkten. Warum nicht wenigstens nach jedem Spiel eine Medienkonferenz mit Klotens Trainer Sean Simpson abhalten und live im Internet übertragen? Mit Adi Fetscherin stünde jetzt auch ein Moderator mit TV-Erfahrung zur Verfügung, dem es nicht an Lust für bissige Fragen rund um Kloten fehlen würde.

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