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Novak Djokovic

Novak Djokovic noch immer in Australien – die Zeit läuft aber gegen ihm

Defending men's champion Serbia's Novak Djokovic practices on Margaret Court Arena ahead of the Australian Open tennis championship in Melbourne, Australia, Thursday, Jan. 13, 2022. AP Photo ...
Am Donnerstag trainierte Novak Djokovic in Melbourne – ob er bleiben darf, ist weiter unklar. Bild: keystone

Galgenfrist für Djokovic – weshalb ihm die Taktik der Regierung das Genick brechen könnte

Einwanderungsminister Alex Hawke ist untergetaucht, um über den Fall Novak Djokovic zu beraten, dem er erneut das Visum entziehen könnte. Wie die Chancen des Serben stehen, in Melbourne zu spielen.
13.01.2022, 14:5413.01.2022, 15:44
simon häring / ch media

Auch am Donnerstag traf Australiens Einwanderungsminister Alex Hawke keine Entscheidung, ob er seine Discretionary Power in Anspruch nimmt und Novak Djokovic erneut das Visum entzieht. Diese Widerrufsbefugnis ermöglicht es Hawke, sich über den Entscheid von Richter Anthony Kelly vom Montag hinwegzusetzen.

Dieser hatte dem Einspruch von Djokovics Anwälten gegen den Entzug des Visums und die Ausweisung stattgegeben. Die Entscheidung hatte er als verfahrens- und rechtswidrig taxiert.

Minister for Immigration Alex Hawke during Question Time in the House of Representatives at Parliament House in Canberra, Thursday, Oct. 21, 2021. Hawke���s office will consider the original decision  ...
Alex Hawke hat es in der Hand, Novak Djokovic das Visum erneut zu entziehen. Bild: keystone

Seither sind zahlreiche Ungereimtheiten aufgetaucht, die den Entzug des Visums rechtfertigen könnten. Djokovic soll am 16. Dezember positiv auf das Coronavirus getestet worden sein, begab sich daraufhin aber nicht in Isolation. Er brach damit in Serbien das Gesetz zum Infektionsschutz, was in Australien zum Entzug des Visums führen kann. Wie auch der Umstand, dass er in seiner Reisedeklaration unterschlagen hatte, dass er in den 14 Tagen vor Ankunft in Melbourne von Serbien nach Spanien gereist war.

Auch in Spanien sollen Ermittlungen gegen Djokovic eingeleitet worden sein. Der Vorwurf: illegale Einreise. Ungeimpfte müssen eine Bewilligung einholen. Das hat Novak Djokovic, der sich in seiner Wahlheimat Marbella auf die Australian Open vorbereitete, offenbar ebenfalls unterlassen.

Seit Montag schwebt das Damoklesschwert der Discretionary Power über Djokovic, doch Einwanderungsminister Alex Hawke ist untergetaucht, hat sich aus allen anderen Regierungsgeschäften zurückgezogen, wie «The Age» berichtet. Seither gibt er täglich Wasserstandsmeldungen ab, prüft Unterlagen und kündigt einen Entscheid auf den nächsten Tag an. Doch gefallen ist dieser bisher noch nicht. Inzwischen fand die Auslosung für das am Montag beginnende Grand-Slam-Turnier statt, mit dem Titelverteidiger.

Hawke ist an keine Frist gebunden

Was aber hat es zu bedeuten, dass der Entscheid noch nicht gefallen ist? Zu Beginn der Woche reichten die Anwälte Djokovics Dokumente nach, die Hawke prüfen musste. Danach wurden die Verfehlungen des Serben bekannt. All das dürfte in den Erwägungen eine Rolle spielen. Inzwischen dürfte die Sachlage aber längst geklärt sein. Seit Tagen berichtet «The Age» mit Berufung auf regierungsnahe Kreise, Djokovic werde wahrscheinlich wieder das Visum entzogen. Doch die Bestätigung steht weiter aus.

Hawke ist an keine Frist gebunden und kann von seinem Recht jederzeit Gebrauch machen, theoretisch auch dann, wenn das Turnier begonnen hat. Doch das wäre für die Aussenwirkung problematisch und würde zudem Djokovics Ansehen schaden, was möglicherweise justiziabel ist.

Zwei Gründe könnten erklären, weshalb sich Hawke Zeit lässt. Erstens: Nachdem das Gericht den ersten Visumsentzug wegen Verfahrensfehlern kassiert hat, will man diesmal saubere und wasserdichte Arbeit abliefern, zumal Djokovic ein Heer von Spitzenanwälten mit seinem Fall mandatiert hat. Zweitens: Je näher der Entscheid am Beginn der Australian Open liegt, desto unwahrscheinlicher ist es, dass Djokovic dort teilnehmen kann. Denn Djokovic würde dann wohl wieder im Park Hotel festgesetzt.

Djokovic würde erneut in Berufung gehen

Die von Martina Navratilova geäusserte Hoffnung, Djokovic könnte von sich aus entscheiden, das Handtuch zu werfen und Australien verlassen, wird nicht in Erfüllung gehen. Sollte Djokovic das Visum entzogen werden, wird er erneut mit einer einstweiligen Verfügung dagegen vorgehen. Das berichtet die in Melbourne beheimatete Zeitung «The Age» und beruft sich dabei auf eine anonyme Quelle aus dem Umfeld des Tennisspielers.

Fans cheer outside an immigration detention hotel where Serbian tennis star Novak Djokovic is confined in Melbourne, Australia, Monday, Jan. 10, 2022. An Australian judge who will decide whether top-r ...
Fans feierten zu Beginn dieser Woche Djokovics Erfolg vor Gericht.Bild: keystone

Novak Djokovic hat zwar eine weitere Nacht Galgenfrist erhalten, doch die Salamitaktik der Regierung könnte ihm das Genick brechen. Denn es ist fraglich, ob das Gericht seinen Fall vor der ersten Partie verhandeln wird. Schon im Vorfeld des ersten Prozesses hatten Djokovics Anwälte deshalb Druck ausgeübt, um das Verfahren möglichst zu beschleunigen.

Richter Anthony Kelly erteilte dem Ansinnen damals mit dem Sprichwort «the tail won't be wagging the dog here» (zu Deutsch: der Schwanz wird hier nicht mit dem Hund wedeln) eine klare Absage. Heisst: Das Gericht nimmt nur bedingt Rücksicht auf die Australian Open. Damit steigt die Wahrscheinlichkeit, dass Djokovic bei den Australian Open fehlen wird.

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