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Rassismus

Affenlaute und Hitlergrüsse – Bulgaren sorgen gegen England für Eklat

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Englands Spieler während eines Unterbruchs wegen rassistischer Fan-Äusserungen.Bild: EPA

Affenlaute und Hitlergrüsse – bulgarische Fans sorgen gegen England für Eklat

England feiert in der EM-Qualifikation auswärts in Bulgarien einen 6:0-Kantersieg. Noch mehr Aufsehen als das Resultat erregen die einheimischen Zuschauer, welche mit Affenlauten und Hitlergrüssen zwei Mal für eine Unterbrechung des Spiels sorgen.
15.10.2019, 08:4415.10.2019, 09:04

Am Wochenende hatte England überraschend 1:2 gegen die Tschechische Republik verloren. Man war deshalb gespannt, wie sich die «Three Lions» nach 44 WM- oder EM-Qualifikationsspielen ohne Niederlage nun in Bulgarien schlagen würden. Das Spiel wurde eine äusserst klare Angelegenheit. Schon zur Pause führte England 4:0, am Ende siegte man 6:0.

Überschattet wurde das Schützenfest vom rassistischen Verhalten bulgarischer Zuschauer. Das Spiel stand vor dem Abbruch, nachdem der Schiedsrichter es in der 28. und in der 43. Minute zwei Mal unterbrochen hatte, weil Englands dunkelhäutige Spieler mit Affenlauten eingedeckt wurden.

Es benötigte das Einschreiten von Bulgariens Captain Ivelin Popov, um die Situation zu beruhigen.

Die Rede ist von einer Gruppe schwarz gekleideten, teils vermummten Fans, die hauptsächlich für die Rufe verantwortlich gewesen sein soll. Nachdem die Partie zum zweiten Mal unterbrochen wurde, hätten sie das Stadion verlassen. Die zweite Halbzeit verlief dann mit deutlich weniger Nebengeräuschen.

«Wir waren darauf vorbereitet», sagte Englands Nationaltrainer Gareth Southgate zur BBC. «Niemand sollte so etwas durchmachen müssen, was unsere Spieler erlebten. Wir gaben zwei Antworten: zum einen liessen wir unseren Fussball sprechen und zum anderen unterbrachen wir zwei Mal das Spiel.»

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Blick in die Fankurve, wo die Übeltäter standen, ehe sie abzogen.Bild: AP

Der 26-jährige Tyrone Mings kam in Sofia zu seinem Länderspieldebüt. «Für mich war es ein grossartiger Abend, ein Moment in meiner Karriere, auf den ich stolz bin», sagte der Verteidiger. «Ich konnte die Affenlaute klar und deutlich hören, aber das beeinflusste mich nicht gross. Mir tun mehr die Leute leid, die das Gefühl haben, sich so äussern zu müssen.» Mings erzielte zwar kein Tor, war für die BBC aber dennoch der «Mann des Spiels». Er betonte zudem: «Es ist wichtig, nun nicht alle Bulgaren in einen Topf zu werfen. Das war eine Minderheit und nicht stellvertretend für das ganze Land.»

epa07920823 Tyrone Mings of England (2-R) in action against Georgi Pashov of Bulgaria (R) and Georgi Sarmov of Bulgaria (2-L) during the UEFA EURO 2020 qualifying group A soccer match between Bulgaria ...
Tyrone Mings zeigte eine starke Leistung.Bild: EPA

Ein Teil der Tribünen im Wassil-Lewski-Nationalstadion in Sofia waren gegen Engländ wegen rassistischer Vorfälle bei früheren Spielen gesperrt. Nun wird Bulgariens Verband erneut bestraft werden, möglicherweise mit Geisterspielen.

Solche wurden bereits Montenegro aufgebrummt nach dem Heimspiel gegen England im März. Beim 5:1-Sieg der Engländer wurde besonders Raheem Sterling ins Visier von Rassisten genommen. Zwei Geisterspiele und eine Busse von 20'000 Euro waren die Quittung für Montenegros Verband. Das Disziplinarkomitee des europäischen Fussballverbands UEFA wird sich mit dem jüngsten Vorfall beschäftigen, wenn der Rapport des Schiedsrichters eingetroffen ist.

Für den Ex-Internationalen Ian Wright könnte das Spiel einen Schlüsselmoment im Kampf gegen den Rassismus darstellen. Der heutige TV-Experte sprach von einem «fantastischen Moment», für den Englands Team gesorgt habe. «Wir hatten in der Vergangenheit so oft mit rassistischen Beschimpfungen zu tun und man sagte dann bloss: ‹Gebt die Antwort einfach auf dem Platz.› Aber das bringt nichts. Heute haben unsere Spieler gewonnen, weil die Täter gehen mussten.» Die heutige Generation toleriere so ein Verhalten schlicht nicht mehr, sagte Wright, nicht nur die dunkelhäutigen, sondern alle.

Bulgariens Nationaltrainer Krassimir Balakow sagte, er habe keine Affenlaute gehört. «Ich sah nur, wie der Schiedsrichter das Spiel unterbrach. Und ich möchte auch sagen, dass auch die englischen Zuschauer sich inakzeptabel verhalten haben. Sie haben während der bulgarischen Hymne gepfiffen und gerufen und sich in der zweiten Halbzeit im Ton vergriffen», meinte Balakow. (ram)

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