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Sport
Unvergessen

Manchester United: Eric Cantonas Kung-Fu-Kick gegen einen Fan

Auf ewig ein Held im Old Trafford: King Cantona.Bild: AP
Unvergessen

King Cantona flippt aus – der legendärste Kick der Fussball-Geschichte

25. Januar 1995: Manchester United gastiert bei Crystal Palace. Wieder einmal fliegt Eric Cantona vom Platz. Auf dem Weg in die Kabine wird er zu Bruce Lee, der einen gegnerischen Fan in Kung-Fu-Manier niederstreckt.
25.01.2023, 00:0119.01.2023, 17:21
Ralf Meile
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Kragen oben. Zwei Worte genügen und jeder Fussballfan weiss, von wem die Rede ist: von Eric Cantona. Der hochgestellte Kragen ist das Markenzeichen des Stars von Manchester United. Zusammen mit seinem Temperament, das er oft nicht unter Kontrolle hat.

Am 25. Januar 1995 richtet er den Kragen seines Trikots mit der Nummer 7 schon vor dem Abpfiff des Auswärtsspiels bei Crystal Palace in die herkömmliche Position. Wieder einmal hat Eric Cantona einen Platzverweis kassiert und als er sich in Richtung Kabine verabschiedet, sieht er auch im übertragenen Sinn rot. Später wird er den Moment, der gleich folgen wird, als Höhepunkt seiner Karriere bezeichnen.

Vergeblich versuchen der Betreuer von Manchester United und ein Ordner, Eric Cantona von der Attacke abzuhalten.Video: streamable

Fan wollte offenbar nur Wasser lassen

Elf Reihen stürmt der 20-jährige Palace-Anhänger Matthew Simmons hinunter, um Cantona auf dem Weg zur Dusche wüst zu beschimpfen. Die genaue Wortwahl bleibt unklar. Während andere Zuschauer sich auf «Du dreckiger Franzose! Verpiss dich zurück nach Frankreich, du Hurensohn!» einigen, behauptet Simmons später, er habe bloss gerufen: «Da gehst du nun, Cantona. Heute duschst du aber früh!» Ausserdem sei er nicht nach unten gegangen, um den Spieler zu beschimpfen, sondern um auf die Toilette zu gehen.

Cantona hat ohne Zweifel die erste Variante gehört. Er lässt sich die Beschimpfung nicht gefallen. Seine Begleiter auf dem Weg in die Kabine schüttelt er ab, als wären sie hüftsteife Verteidiger, die ihn auf dem Weg zum Tor hindern wollen. Schon segelt er durch die Luft, rammt Simmons seinen rechten Fuss in die Brust, landet auf der Abschrankung.

Auch mit den Fäusten schlägt Cantona zu.
Auch mit den Fäusten schlägt Cantona zu.bild: keystone

Die Möwen und der Fischkutter

Die Reaktionen sind heftig. Ein Spieler, der einen Zuschauer attackiert – das ist im Land des Fairplays unerhört. Entsprechend hart fällt die Bestrafung aus: Der englische Verband und die FIFA sperren ihn für ein halbes Jahr. Und ein ordentliches Gericht verknurrt Cantona zunächst zu zwei Wochen Haft; eine Strafe die anschliessend in 120 Stunden gemeinnützige Arbeit umgewandelt wird.

Es folgt eine legendäre Pressekonferenz, an der Cantona für die Journalisten aus aller Welt bloss einen einzigen Satz bereit hält:

«When the seagulls follow the trawler, it's because they think sardines will be thrown into the sea. Thank you very much.»
«Die Möwen folgen dem Fischkutter, weil sie glauben, dass die Sardinen wieder ins Meer geworfen werden. Vielen Dank.»
Als alle Welt eine Erklärung zum Kung-Fu-Kick erwartet, gibt Cantona stattdessen eine Weisheit aus dem Tierreich zum Besten.Video: YouTube/NewsAndOffersNow

Zufälle, nichts als Zufälle

In einem Interview mit dem Magazin 11 Freunde verrät Cantona Jahre später, der Satz sei ihm spontan eingefallen. «Als diese ganzen Sportjournalisten vor mir sassen und mit gierigen Augen darauf warteten, dass ich ihnen eine Sensation liefere. In dem Moment hatte ich das Bild des Fischkutters vor mir, dem die Möwen folgen.»

Wie zu seinem berühmtesten Zitat kommt Cantona übrigens auch eher zufällig zu seinem Markenzeichen, dem hochgestellten Kragen. In einem Spiel sei es ziemlich kalt gewesen, da habe er den Kragen oben gehabt. «Wir haben das Spiel gewonnen und dann habe ich es mir zur Gewohnheit gemacht.»

Cantona bezeichnet seine Aktion 16 Jahre danach als «Geschenk an die Fussballfans».Video: YouTube/Tamagamoy

Fans wählen ihn zum Spieler des Jahrhunderts

Manchester United verpasst den Titel in der Saison ohne den gesperrten Cantona, stattdessen werden die Blackburn Rovers Meister. Doch kaum ist der Franzose wieder auf dem Platz, läuft es wieder rund für die Red Devils. Gleich in seinem ersten Einsatz nach der Sperre schiesst Cantona ein Penaltytor gegen den verhassten Rivalen Liverpool. Am Ende der Saison ist Manchester United sowohl Meister wie auch Cupsieger – mit Cantona als einzigem Torschützen im Final in Wembley.

Cantona pur: Ein brillantes Tor, gekrönt von einem extravaganten Jubel, der um die Welt geht.Video: YouTube/Jack McNamara

Als Eric Cantona 1997 überraschend und erst 31-jährig seinen Rücktritt bekannt gibt, ist er längst eine Legende. Mit Manchester United gewinnt er vier Mal die Premier League, die Fans des Klubs wählen ihn zum Spieler des Jahrhunderts. Auch sein Trophäenschrank ist äusserst eindrücklich: Zwischen 1989 und 1997 gewinnt der Franzose mit seinen Klubs nicht weniger als elf Titel, sieben Meisterschaften und vier Cups.

Im Juni 2016 kandidierte der selbsternannte «Commissioner of Football» mit einem lustigen Bewerbungsvideo für den Job als Trainer der englischen Nationalmannschaft – ohne Erfolg.

Unvergessen
In der Serie «Unvergessen» blicken wir jeweils am Jahrestag auf ein grosses Ereignis der Sportgeschichte zurück: Ob eine hervorragende sportliche Leistung, ein bewegendes Drama oder eine witzige Anekdote – alles ist dabei.
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Grosse Fussballer, die nie an einer WM waren

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8 Kommentare
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Die beliebtesten Kommentare
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LURCH
25.01.2021 01:17registriert November 2019
Dieser Mann ist eine absolute Koryphäe in Sachen Vögel.
Eigentlich hätte er Orinithologe werden sollen.
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Staedy
25.01.2019 10:07registriert Oktober 2017
Das war eben noch Leidenschaft auf und neben dem Platz. Falsch war es allemal. Heute gilt das Verhalten von damals als Kult und alle applaudieren. Würde heute einer im sterilen Fussballbusiness so etwas machen, er würde geteert und gefedert werden. Dann stelle man sich vor, es wäre ein Spieler von Bayern und sogar noch Ribery, Skandaaaaaal.
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Die Skifahrer mögen Kristoffersen nicht – und verstecken das nicht einmal mehr
Der Norweger ist bekannt für sein feuriges Temperament, seinen starken Charakter und vor allem für seine konfliktreichen Beziehungen zu seinen Gegnern im Weltcup. Der Slalom in Schladming war ein perfektes Beispiel dafür.

Er lag niedergeschlagen im Zielbereich, während Clément Noël über seinen ersten Saisonsieg am Dienstagabend im Slalom-Mekka jubelte. Der Franzose würdigte ihn keines Blickes, er kam nicht einmal näher, um ihn zu trösten. Keiner der drei Erstplatzierten (Noël, Ramon Zenhäusern und Lucas Braathen) ging zu ihm, um ihn zu trösten, seine Rivalen ignorierten ihn schlichtweg. Henrik Kristoffersen, der nach dem ersten Lauf geführt hatte, sass allein in einer Ecke des Zielraums, um die Enttäuschung zu verdauen.

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