Tour dur dSchwiiz
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Tour dur dSchwiiz

Die letzte Gemeinde der Schweiz, die elektrifiziert wurde – und wie die Kühe damals darauf reagierten 

Wer einfach so durchs Prättigau fährt, merkt nicht, dass er Furna verpasst. Denn bevor man die Ausfahrt Jenaz sieht, bestaunt man auch schon das Bahnhöfli Fideris. Furna ist dann schon links liegengelassen. Oder besser rechts. 



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Denn der Ort mit gut 200 Einwohnern klebt von Landquart kommend an der rechten Talseite weit oben über Jenaz. 70 Kurven und 600 Höhenmeter trennen die beiden Gemeinden. Ich schwitze mich fast weg im Aufstieg. Und frage mich: Wie schön muss hier der Ausblick wohl sein? Doch der Himmel ist verhangen. Ich sehe in den ersten Metern noch knapp auf Jenaz hinunter. Das ist etwa so beeindruckend, wie der Ausblick von unseren watson-Büros auf die nebenan liegende Hardbrücke: Irgendwie schon noch cool, aber nach fünf Sekunden hat man’s gesehen. 

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Meine Aussicht von Furna. Wer die schönen Versionen davon sehen will: Bis nach unten scrollen! Bild: watson

Oben im Dorfladen erwartet mich Christina und lädt zum Znüni ein. Das Lädeli ist auch noch gleich ein kleines Bistro, zwei Arbeiter diskutieren am einzigen Tischli neben der Kasse. Ich setze mich dazu, schaue aus dem Fenster in die Wolkenwand und frage: «Wie schön ist hier eigentlich die Aussicht an Sonnentagen?» Beide schwärmen: «Einmalig. Fantastisch. Du siehst das ganze Prättigau hoch bis nach Klosters.» Hab ich's mir gedacht. 

Und was können die beiden ca. 50-Jährigen sonst von ihrer Gemeinde erzählen? «Sie wurde als letzte der Schweiz elektrifiziert. Das war 1968.» Echt? Und heute fliesst der Strom aber problemlos? «Sogar mit Glasfaserleitung», antwortet der eine stolz. An dieser Stelle muss gesagt werden: Furna war zwar eine der letzten Gemeinden, die Strom erhielt, aber beispielsweise St.Martin (heute zu Vals gehörend) musste noch vier Jahre länger warten. Würde ich allerdings dort wohnen, ich würde Fremden das gleiche erzählen.

Wie es kam, dass Furna in Graubünden zuletzt ans Stromnetz angeschlossen wurde, ist eigentlich klar. Der Ort liegt fast noch bisschen abgelegener als St.Antönien, das mit dem Spruch «Hinter dem Mond links» wirbt. «Einer musste ja der Letzte sein», sagt einer der Arbeiter lapidar. 

tour dur d'schwiiz, 7. etappe

Herrlich verziertes Blumenhaus auf dem Weg hoch nach Furna. Bild: watson

Sie sind beide in Furna aufgewachsen. «Wir erledigten unsere Hausaufgaben noch bei Kerzenlicht oder dank Petroleumlampen.» Es war halt ein reines Bergbauerndorf hier oben. Gewerbe gab es nicht. 1968! Hier im Kerzenschein im Kinderzimmer, dort flog man schon ein Jahr später zum Mond! «Ja, die Mondlandung. Wir durften alle zum Lehrer. Der hatte einen alten Dieselgenerator im Keller und einen TV. Der Generator rackelte, das Bild ruckelte. Wir erkannten nur Umrisse. Das muss ein Astronaut sein, haben wir damals gesagt, als sich in der Flimmerkiste was bewegte.» 

Ja, der Strom. Das war damals eine Sensation hier oben. Sie packen noch eine Anekdote aus. «Das erste Licht der Neon-Lampen war so grell und hell, die Kühe im einen Stall waren so verwirrt, sie haben sich gegenseitig angekackt», erzählt der eine. Sie lachen beide herzhaft. Vielleicht stimmt’s so auch nicht. Aber Urban Legends existieren hier oben anscheinend auch.  

Für die Stromlosigkeit wurde Furna entschädigt. «Bis 1969 bezahlten wir keine Gemeindesteuern», sagt der Arbeiter. Das sei allerdings dem hervorragenden Holzerlös geschuldet und nicht dem nicht vorhandenen Strom. «Die Gemeinde investierte damals dafür auch nicht viel. Wofür hätten wir auch Steuern bezahlen sollen?» Ob Kantons- und Staatssteuern doch entrichtet werden mussten? Wir drei rätseln kurz, wissen es aber nicht. Einer von euch? 

Wie auch immer. Heute fällt Furna in den Finanzausgleich des Kantons. 130 Prozent ist der Satz. Die Aussicht macht dies zumindest an schönen Tagen wieder wett, wie die Bilder von watson-Usern beweisen: 

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Furna über dem Nebelmeer. Bild: User-input: Ursina Bärtsch

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Und so sieht's bei Sonne aus. Bild: user-input: Furna

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Und hier noch die Nachtversion. Wow! bild: user-input christina bärtsch

Tour dur d'Schwiiz, 6. Etappe: Bergün – St.Antönien

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4Alle Kommentare anzeigen
    Alle Leser-Kommentare
  • Kastigator 09.07.2015 10:59
    Highlight Highlight "Eine der letzten elektrifizierten Gemeinden der Schweiz" --- Die anderen Gemeinden sind also alle nicht mehr elektrifiziert? Äh ...
    • Chroneburger 09.07.2015 12:48
      Highlight Highlight Lel
  • zeromg 09.07.2015 10:33
    Highlight Highlight Vielleicht habe ich es verpasst, aber wie lange soll die Tour insgesamt gehen?
    • Sveitsi 09.07.2015 13:40
      Highlight Highlight 4 Monate

Tour dur dSchwiiz

Lange war Isérables nur per Bergweg erreichbar. Dann kam die Seilbahn. Und mit ihr die Autos

Fast majestätisch thront Isérables hoch über Riddes und der Rhone im Unterwallis. Der Ort war bis 1942 praktisch von der Aussenwelt abgeschnitten. Dann kam die Seilbahn.

Viele sagen, wer das urchige Wallis noch erleben will, müsse mal nach Isérables hoch. Gut 700 Meter über Riddes liegt der Ort, welcher – unten vom Tal gut sichtbar – am steilen Hang klebt.

Ich setze mich ins Restaurant, geniesse die Aussicht und frage nach Geschichten aus dem Dorf. Ich werde an drei ca. 80-jährige Frauen verwiesen, die am Stammtisch plaudern. Französisch natürlich. Deutsch haben sie nie gelernt. Alle drei sind hier aufgewachsen und haben ihr Leben hier oben verbracht. 

Das …

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