Unvergessen
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Stucki Christian reist 2010 nach Japan zum Sumo

Irgendwie sind Flugzeuge nicht für Schweizer Schwinger gemacht.
Bild: FAbian Lüthy

Unvergessen

04.01.2010: Stucki Christian fliegt nach Japan, um sich mit Sumoringern zu messen – dabei entsteht dieses witzige Bild

4. Januar 2010: Christian Stucki gilt als Kilchberg-Sieger 2008 als Mitfavorit beim Eidgenössischen 2010 in Frauenfeld. Um optimal vorbereitet zu sein, trainiert er in Japan mit Sumo-Ringern. Die grössten Probleme gibt es dabei wohl bei der Anreise.



Christian Stucki, oder eben Stucki Christian, sorgt 2004 beim Eidgenössischen als 19-Jähriger mit dem dritten Rang für Aufsehen. Der 1,98 m grosse und rund 150 Kilogramm schwere Fels aus dem Bernbiet gehört seither zu den Spitzenschwingern.

2008 sichert sich Stucki seinen ersten grossen Sieg beim Kilchberg-Schwinget. Er gilt als designierter Nachfolger von Schwingerkönig und Dominator Jörg Abderhalden. 2010 beim Eidgenössischen in Frauenfeld soll der Königstitel her. 

Christian Stucki aus Ottiswil praesentiert seinen Muni nach dem Sieg am 15. Kilchberger Schwinget, am Sonntag, 7. September 2008 in Kilchberg. (KEYSTONE/Alessandro Della Bella)

2008 triumphierte Christian Stucki beim Kilchberger.
Bild: KEYSTONE

Für die Vorbereitung überlegt sich Konditionstrainer Fabian Lüthy etwas Besonderes: Trainings mit Sumo-Ringern sollen das letzte Puzzlestück zum Erfolg werden. Fast 150 Kilogramm bringt Stucki zu der Zeit auf die Waage. Die Sumo-Ringer sind zwar kleiner, aber wiegen teilweise fast 200 Kilogramm mehr.

Die Überlegung ist einfach: Stucki muss im Schwingen auch oft gegen kleinere Gegner mit tieferem Schwerpunkt antreten. Besiegt er Sumo-Ringer, kann er auch Schwinger auf den Rücken legen, so die Idee.

So geht die Reise ins Land der aufgehenden Sonne in Zürich am Flughafen los. Mit Kollege Roger Brügger (130 kg) reist ein zweiter Schwinger mit. Trainer Lüthy berichtet auf «Bern-Ost» täglich vom Trip und schreibt vom Abflug: 

«Stolz stiegen wir in den Flieger. Mühsam kämpften sich unsere beiden Neo-Sumos – bewundert von den vielen Japanern – durch die engen Flugzeuggänge. Endlich die Exit-Sitze mit mehr Beinfreiheit! Juhui, absitzen, Beine strecken und Flug geniessen. Nix da! Brügger hat im schmalen Sitz keinen Platz! Zu eng! Stucki braucht nach hineinzwängen keinen Gurt mehr anzumachen, er sitzt fest. Das überforderte Kabinenpersonal sieht keine Lösung. Tja, nun heisst es halt durchbeissen …»

Stucki Christian reist 2010 nach Japan zum Sumo

So sah das dann aus mit der Beinfreiheit auf den Exit-Plätzen.
Bild: fabian Lüthy

Zu Schlaf kommen die beiden Kolosse so natürlich nicht. Wenigstens gibt es genügend zu Essen. Lüthy berichtet: «Die Zusatzsandwiches sind schnell verdrückt, der Ausflug in die Flugzeugküche lässt Schoggi und weitere Sandwich folgen. Zumindest jetzt strahlen die beiden über beide Ohren.»

Nach zwölf Stunden Flug und eineinhalb Stunden Zugfahrt kommen die Schwinger am Zielort an. Nach 28 Stunden ohne Schlaf geht es endlich ins Bett – dass dieses ein nur 140 cm breites Doppelbett ist, stört die beiden nur kurz, dann schlafen sie übermüdet ein.

Das Training mit den japanischen Sumos beeindruckt die Schweizer Gäste. Alleine für das Anziehen des gut acht Meter langen Mawashi (Sumogürtels) helfen Stucki zwei Einheimische. In den «Sumo-Windeln» macht er dann aber ein – naja – gutes Bild:

Stucki Christian reist 2010 nach Japan zum Sumo

Christian Stucki wird in die «Sumo-Windeln» gewickelt.
Bild: fabian Lüthy

Nach den Trainingstagen sind Brügger und Stucki körperlich zwar völlig ausgepowert. Zumindest was die Beinmuskeln vom vielen in die Hocke gehen betrifft. Mit den Armen bleibt Stucki aber beim abschliessenden Armdrücken gegen alle Sumo-Cracks unbesiegt. Als selbst der stärkste Sumo am Schweizer Hünen scheitert, lobt dieser: «Very powerful!»

Aber so gut das Spezial-Training in Japan auch ist, am Ende ist Stucki doch nicht «powerful» genug, um den Königstitel am Eidgenössischen zu gewinnen. Er muss sich in Frauenfeld mit Rang 3 begnügen. Königserbe wird Kilian Wenger. Stucki wartet noch immer auf einen Sieg beim Eidgenössischen: 2013 unterliegt er im Schlussgang Matthias Sempach.

ALS VORSCHAU FUER DIE SCHWING-SAISON 2014 STELLEN WIR IHNEN FOLGENDES ARCHIVBILD ZUR VERFUEGUNG - Matthias Sempach, links, gewinnt gegen Christian Stucki, rechts, den Schlussgang beim  Eidgenoessischen Schwing- und Aelplerfest in der Emmental-Arena am Sonntag, 1. September 2013 in Burgdorf. (KEYSTONE/Lukas Lehmann)....Matthias Sempach, left, fights against his opponent Christian Stucki, right, for winning the title

Matthias Sempach (l.) drückt Christian Stucki beim Eidgenössischen 2013 im Schlussgang ins Sägemehl.
Bild: KEYSTONE

Unvergessen

In der Serie «Unvergessen» blicken wir jeweils am Jahrestag auf ein grosses Ereignis der Sportgeschichte zurück: Ob hervorragende Leistung, bewegendes Drama oder witzige Anekdote – alles ist dabei.

Schwingfest in Küssnacht

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