Wirtschaft
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Rekordzahlen mit Steuerhinterzieher

Schäferhund Lex erschnüffelt an der Grenze reihenweise Bargeldschmuggler

Schäferhund Lex

Sie sind die Spürnasen der deutschen Zöllner: Schäferhund Lex hat geschmuggelte Euros entdeckt. Bild: AZ/HO

An der deutsch-schweizerischen Grenze ertappten Zöllner seit Anfang Jahr erneut reihenweise Steuersünder. 

roman seiler, aargauer zeitung

Ein Artikel der Aargauer Zeitung

«Der Bargeldverkehr nahm 2014 zu», stellt Hagen Kohlmann fest. «Die Fallzahlen sind überdurchschnittlich hoch», bestätigt der Sprecher des Hauptzollamts Ulm, das den Grenzabschnitt am Bodensee zwischen Konstanz und Lindau überwacht. So hätten Zöllner im März «innert zweier Stunden» acht Fälle von Barmittelschmuggel aufgedeckt. 

Offenbar versuchen die Schmuggler Bargeld vermehrt so zu portionieren, dass die gültige Meldegrenze von 10'000 Euro unterschritten wird. Denn zur Bekämpfung von Geldwäsche und Terrorismusfinanzierung verlangt die EU, dass Reisende, die mehr Geld auf sich haben, dies bei der Ein- oder Ausreise deklarieren müssen. Auch in der Schweiz gilt: Wer mehr als 10'000 Franken auf sich führt, muss dies angeben. 

Ende März erwischten Zöllner im Bodenseegebiet dank Schäferhund «Lex» vier Insassen in einem Auto. Sie hatten knapp 40'000 Euro untereinander aufgeteilt. Allerdings hatte eine Beifahrerin übersehen, dass in ihrem Portemonnaie noch weiteres Bargeld steckte. Daher trug sie mehr als 10'000 Euro auf sich. Bei der Kontrolle kam aus: Das gesamte Bargeld gehörte dem Ehemann der Frau. Obendrein fanden die Zöllner einen Schlüssel zu einem Bankschliessfach – und zehn Krügerrand. Jede dieser Goldmünzen ist 960 Euro wert. 

Geldschmuggel: Die Zahlen

Fall Hoeness heizt Schmuggel an

Da versuchten wohl Steuerhinterzieher, nicht deklarierte Vermögenswerte nach Hause zu schaffen. Insgesamt entdeckten Zöllner Ende März im Bodenseeraum innert weniger Tagen 140 000 Euro in bar. Dazu fanden sie «Unterlagen und Depotauszüge» ausländischer Banken, die auf Vermögenswerte von 1,6 Millionen Euro hinwiesen. 

Die sich häufenden Fälle von Barmittel-Schmuggel führt Kohlmann zum einen auf den Prozess gegen den FC-Bayern-Präsidenten und Steuerhinterzieher Uli Hoeness zurück. Zudem setzt sich die «Weissgeldstrategie» in der EU durch. Denn auch Luxemburg und Österreich verabschieden sich vom Bankgeheimnis und wollen den automatischen Informationsaustausch übernehmen. Das verleitet Steuerhinterzieher dazu, ihre Vermögen nach Hause zu karren. Und dabei bleibt halt immer wieder mal einer am Zoll hängen. 

Eine andere Strategie sei wohl, so Kohlmann, Vermögensteile in Bank-Schliessfächern zu parkieren. Zöllner stiessen immer wieder auf entsprechende Schlüssel. Die überwiegende Zahl der Funde weise auf Vermögenswerte hin, die bei Schweizer Banken parkiert sind. Rund 20 bis 30 Prozent der Fälle beträfen österreichische Geldhäuser, einige wenig liechtensteinische. Die entsprechenden Informationen übergeben die Zollbeamten den Steuerbehörden. Erhärtet sich der Anfangsverdacht auf Steuerhinterziehung, wird es für die Betroffenen richtig teuer. 

Die Hauptzollämter in Lörrach, Singen und Ulm, welche die Grenze vom Bodensee bis Basel überwachen, berichteten in den ersten Monaten dieses Jahres von einer deutlich höheren Zahl von spektakulären Fällen als 2013. Unter anderem entdeckten in der vergangenen Woche Zöllner am Grenzübergang Bietingen zwei Männer aus dem Benelux-Raum, die in einem Hohlraum unter dem Beifahrersitz knapp 200'000 Euro versteckt hatten. 

Zahl der Bussen auf Rekordwert

Im Januar flog am Autobahnzoll von Weil am Rhein ein in Frankreich wohnender Senior (79) auf. Er versuchte, 860'000 Euro über die Grenze zu schmuggeln. Davon wurden 220'000 Euro als Sicherheit für die zu erwartende Busse beschlagnahmt. Die Bussen belaufen sich auf 25 Prozent der nicht deklarierten Barmittel. Dazu zählen auch Edelmetalle, Checks oder Wertschriften. 

Dabei war bereits 2013 für den deutschen Zoll ein Rekordjahr: Insgesamt wurden 3287 Personen gebüsst, welche mehr als 10'000 Euro bei sich trugen und diese nicht deklarieren wollten. Das ist ein Drittel mehr als 2012. Gar erst 699 waren es 2008. Bei den meisten Fällen dürfte es sich um Steuerhinterzieher handeln. Bei den restlichen Kontrollen entdeckten die Zöllner wohl Gelder, die aus kriminellen Aktivitäten wie beispielsweise Drogenhandel stammen dürften. 

Die Zahl der Fälle von Barmittel-Schmuggel an der deutsch-schweizerischen Grenze lag 2013 bei 676. Entdeckt wurden total 29,2 Millionen Euro (siehe Tabelle). Davon entfallen 19 Millionen Franken auf das Hauptzollamt Singen, das für den Grenzabschnitt zwischen Bad Säckingen bis Konstanz zuständig ist. Dabei erwischten Zöllner in einem Fall einen Mann aus Osteuropa, der von seiner Vermögensberaterin begleitet wurde. Er hatte 315'000 Euro bei sich. Vereinzelt schnappen Grenzbeamte auch Kuriere von Finanzdienstleistern, die für Kunden Geldtransporte ausführen. 



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