DE | FR
Wir verwenden Cookies und Analysetools, um die Nutzerfreundlichkeit der Internetseite zu verbessern und passende Werbung von watson und unseren Werbepartnern anzuzeigen. Weitere Infos findest Du in unserer Datenschutzerklärung.

Paukenschlag bei der Credit Suisse: CEO Tidjane Thiam tritt ab

07.02.2020, 07:2507.02.2020, 09:01

Erdbeben bei der Credit Suisse: CEO Tidjane Thiam tritt per 14. Februar zurück. In seine Fussstapfen tritt Thomas Gottstein, der derzeitige CS-Schweiz-Chef.

Tidjane Thiam geht.
Tidjane Thiam geht.Bild: KEYSTONE

Der Verwaltungsrat habe in einer Sitzung am Donnerstag einstimmig den Rücktritt von Thiam angenommen und Gottstein zum neuen CEO der Credit Suisse Group AG ernannt, teilte die Bank am Freitag mit. Am 13. Februar werde Thiam noch die Ergebnisses für das Geschäftsjahr 2019 präsentieren, danach werde er die Credit Suisse verlassen.

Der scheidende Chef liess sich mit folgenden Worten in der Mitteilung zitieren: «Ich bin mit dem Verwaltungsrat übereingekommen, dass ich die Bank verlassen werde.» Er sei gleichzeitig «stolz darauf, was das Team während meiner Zeit erreicht hat.»

Tidjane Thiam bekräftigt:

«Ich hatte keinerlei Kenntnisse von der Beschattung zweier ehemaliger Kollegen. Zweifellos hat dies der Credit Suisse geschadet und zu Verunsicherung und Leid geführt. Ich bedauere das Vorgefallene und es hätte nie passieren dürfen.»
Übernimmt: Thomas Gottstein.
Übernimmt: Thomas Gottstein.Bild: PHOTOPRESS

Der neue CEO Thomas Gottstein bringt 30 Jahre Bankenerfahrung mit – davon verbrachte er 20 bei der Credit Suisse. Seit 2015 ist er als CEO der Credit Suisse (Schweiz) AG tätig.

Der Verwaltungsrat sprach derweil Präsident Urs Rohner das Vertrauen aus. Vizepräsident und «Lead Independent Director», Severin Schwan, sagte: Rohner habe das Gremium «während dieser turbulenten Zeit in anerkennenswerter Weise geführt». Alle Schritte des Verwaltungsrates seien einstimmig erfolgt und nach sorgfältigen Beratungen. Man spreche dem Verwaltungsratspräsidenten das volle Vertrauen aus und erwarte, dass dieser sein Amt bis April 2021 ausüben werde.

Eine weitere Eskalation

Der Wechsel an der Konzernspitze ist eine weitere Eskalation der Beschattungsaffäre, die die Credit Suisse seit Herbst in Atem hält. Verwaltungsratspräsident Rohner und weitere Verwaltungsräte der Grossbank waren Insidern zufolge angesichts immer neuer Enthüllungen und der laufenden Untersuchung der Schweizer Finanzmarktaufsicht (Finma) zur Einsicht gelangt, dass ein Befreiungsschlag notwendig werden könnte.

Credit Suisse VR-Präsident Urs Rohner.
Credit Suisse VR-Präsident Urs Rohner.Bild: KEYSTONE

Vor der entscheidenden Verwaltungsratssitzung hatten sich drei Grossaktionäre zu Wort gemeldet und für Thiam Stellung bezogen. «Es ist jetzt offensichtlich, dass der Verwaltungsratspräsident Tidjane raus haben will», erklärte Harris-Associates-Anlagechef David Herro. Thiam habe die Bank gut aufgestellt. «Wenn einer der beiden gehen muss, dann sollte es nicht der CEO sein.» Harris hält eigenen Angaben zufolge rund acht Prozent an der Credit Suisse.

Der US-Hedgefonds Eminence Capital, der nach eigenen Angaben fast ein Prozent der Aktien sowie Kaufoptionen auf weitere Anteile hält, schrieb diese Woche an Rohner und erklärte, man sei zunehmend enttäuscht über die Massnahmen des Verwaltungsrates:

«Wenn der Verwaltungsrat beschliesst, eine persönliche Agenda gegenüber dem CEO zu verfolgen, anstatt als umsichtige Treuhänder zu agieren, werden wir Präsident Rohner und den Rest des Verwaltungsrates für ein Verhalten zur Verantwortung ziehen, das unserer Meinung nach wertschädigend für die Aktionäre ist»

Auch die Anlagegesellschaft Silchester stärkte Thiam den Rücken.

Bereits vergangene Woche hatte die Nachrichtenagentur Bloomberg mit Bezug auf Insiderkreise geschrieben, Rohner bereite eine Liste möglicher Nachfolger von Thiam vor. Gleichzeitig hätten Thiams Verbündete den VR-Präsidenten gedrängt, im nächsten Jahr, wenn seine Amtszeit als Vorsitzender endet, planmässig abzutreten, so die Insiderinfo. Rohner selbst widersprach diesem Bericht explizit, wie ein CS-Sprecher auch gegenüber AWP bestätigte. Dieser habe keine sachliche Grundlage, hiess es dort. (sda/awp/mlu)

DANKE FÜR DIE ♥
Würdest du gerne watson und unseren Journalismus unterstützen? Mehr erfahren
(Du wirst umgeleitet um die Zahlung abzuschliessen)
5 CHF
15 CHF
25 CHF
Anderer
twint icon
Oder unterstütze uns per Banküberweisung.

Trumps Rede an die Nation

Das könnte dich auch noch interessieren:

Abonniere unseren Newsletter

33 Kommentare
Weil wir die Kommentar-Debatten weiterhin persönlich moderieren möchten, sehen wir uns gezwungen, die Kommentarfunktion 24 Stunden nach Publikation einer Story zu schliessen. Vielen Dank für dein Verständnis!
Die beliebtesten Kommentare
avatar
Devante
07.02.2020 07:16registriert Mai 2014
Hoppla, inside Paradeplatz 1 - thiam 0
1999
Melden
Zum Kommentar
avatar
Baba
07.02.2020 07:17registriert Januar 2014
Good News am Morgen!

Längst überfällig! Und der VR Präsident Rohner könnte gleich mitgehen.
1809
Melden
Zum Kommentar
avatar
Einstürzende_Altbauten *
07.02.2020 07:22registriert Dezember 2014
Ich bin mir nicht sicher, ob der Weggang Thiams irgend einen Gesinnungswechsel mit sich bringt. Und ein Nachfolger, der bereits 20 Jahre in dieser Bank gearbeitet hat, wird schwerlich Veränderungen bringen.
14015
Melden
Zum Kommentar
33
Die Welt wird fragiler – und das WEF ist ein Teil des Problems
Seit dem letzten World Economic Forum (WEF) hat sich die Welt erheblich verändert – zum Schlechteren. Schuld daran ist auch die Selbstgefälligkeit der in Davos versammelten Eliten.

Vieles am WEF 2022 ist anders als früher. Wegen der Omikron-Variante des Coronavirus wurde das Jahrestreffen der wirtschaftlichen und politischen Eliten ins Frühjahr verschoben. Es findet ohne Schnee statt und in der Zwischensaison, was für Veranstalter, Behörden und die Davoser Hotellerie eine zusätzliche Herausforderung darstellt.

Zur Story