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Wie du die steigenden Zinsen für deine Finanzen nutzen kannst

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Wie du die steigenden Zinsen für deine Finanzen nutzen kannst

Seit der Zinswende Mitte letztes Jahr kommen die Zinsen nicht nur für Hypotheken, sondern jetzt auch langsam beim Sparen und Anlegen zurück. Nur bei den Steuern tut sich (noch) wenig. Was du darüber wissen solltest und Tipps, wie du Zinsen für dich nutzen kannst.
15.09.2023, 09:3115.09.2023, 11:31
Olga Miler
Olga Miler

Habt ihr auch schon einen Anruf von der Bank bekommen? Bei mir klingelte es letztens, ich dachte schon, das wäre wieder einer dieser lästigen Call-Center-Krankenkassenprämien-Anrufe. Die Überraschung war gross, am anderen Ende der Leitung die Bank. Ich weiss nicht, wie es euch geht, aber bei mir hat in den letzten 10 Jahren die Bank gefühlt gesamt so 3-mal von selbst angerufen, wenn die Kreditkarte wieder mal im Online-Dschungel missbraucht wurde (super hilfreich!) oder wenn es etwas zu verkaufen gab. Diesmal die Überraschung, es gäbe eine neue Aktion für Spartkonti und Festgeldanlage, die mehr Zinsen bringen sollen.

Die Zinsen steigen, mit allen Vor- und Nachteilen, und die Frage bleibt für wie lange. Hier ein paar Hintergrundinformationen und Tipps, wie du die Zinswende für dein Geld nutzen kannst.

Was passiert mit den Zinsen?

Vereinfacht besagt die Theorie: Wenn die Zinsen, so wie in den vergangenen Jahren, niedrig sind, dann soll dies die Menschen dazu animieren, mehr zu konsumieren. Damit steigt die Nachfrage nach Gütern und Dienstleistungen, mit mehr Nachfrage steigen auch die Preise, was zu einer Inflation führen kann. Dann erhöht die Zentralbank die Zinsen, Sparen wird attraktiver, Menschen geben weniger Geld aus, die Nachfrage sinkt und die Preise sinken.

Dieser Mechanismus funktioniert im Moment nicht richtig, weil die Preise nicht aufgrund von mehr Nachfrage steigen (nachfrageinduzierte Inflation), sondern weil Energie und andere Rohstoffe und Güter knapp und deshalb teurer sind (angebotsinduzierte Inflation).

Mitte letzten Jahres kam es aufgrund der Auswirkungen der Pandemie und des Angriffskrieges in der Ukraine zu Verknappung von Energie und Lieferengpässen, dadurch stiegen die Preise für z.B. Öl und Gas und die Inflation begann zu klettern, in der Eurozone z.B. bis auf 10%. Die Zentralbanken reagierten, es kam zur Zinswende. Seither erhöhten die Zentralbanken den sogenannten Leitzins schrittweise alle paar Monate. Die gesamte Erhöhung der Europäischen Zentralbank liegt per August 2022 bei 4.25%, in der Schweiz hat die Schweizerische Nationalbank den Leitzins Mitte Jahr auf 1.75% erhöht – innerhalb eines Jahres ist so der Leitzins historisch schnell von -0.75% in die Höhe geschnellt.

Wie wirkt sich die Zinserhöhung aus?

Der Leitzins wird von den Zentralbanken festgelegt und ist sozusagen der oberste Kreditzins.
Es gibt eine Reihe von Sätzen:

  • Den Hauptrefinanzierungssatz, der Satz, zu welchem sich Banken Geld von der Zentralbank für einen bestimmten Zeitraum ausleihen können.
  • Den Spitzenrefinanizierungssatz, wenn sich Banken kurzfristig, z.B. über Nacht Geld leihen.
  • Einlagezins, wenn Banken überschüssiges Geld bei der Zentralbank einlagern – bis vor der Zinswende mussten die Banken für diese Einlagen einen Strafzins (Negativzins) bezahlen, heute erhalten sie einen positiven Zins.

Wenn der Leitzins steigt, dann wird es für die Banken teurer, neues Geld von der Zentralbank abzurufen. Sie tun es weniger, das Angebot an Geld sinkt, die bestehenden Franken sind mehr wert. Geld auszuleihen wird teurer, z.B. für Unternehmen oder für Hypotheken. Die Verbraucher:innen konsumieren weniger, da es attraktiver ist zu sparen oder sie sich mehr Konsum aufgrund der bereits bestehenden höheren Preise nicht mehr leisten können. Die Nachfrage sinkt und damit auch die Preise.

Problematisch wird es, wenn die Inflation länger dauert und es zu einer Lohn-Preis-Spirale kommt: Die Angestellten fordern aufgrund der höheren Preise mehr Lohn, die Unternehmen geben die höheren Löhne in den Preisen der Güter und Dienstleistungen weiter und so wird die ganze Teuerung befeuert. Problematisch wird es auch, wenn die schleppenden Konsumausgaben dazu führen, dass eine Wirtschaft sehr langsam oder gar nicht mehr wächst und in eine Rezession fällt, wie das im Moment in Deutschland der Fall ist.

Für uns alle heissen die steigenden Zinsen vor allem:

  • Die Negativzinsen, welche man teilweise zahlen musste, wenn man Geld bei der Bank auf dem Sparkonto lagerte, gibt es nicht mehr·
  • Es gibt wieder Zinsen auf den Spartkonti, diese sind gemäss einem Vergleich des Vermögenszentrums je nach Betrag und Konditionen zwischen 0.2%-1.25%, im Vergleich zur Inflation doch eher bescheiden
  • Kredite und Hypotheken sind teurer, wobei in der Schweiz vor allem Hypotheken mit einer Laufzeit von unter 10 Jahren betroffen sind

Die Frage bleibt, wie lange die Zinsen steigen werden oder auf dem heutigen Niveau verharren. Hier sind sich die Expert:innen uneinig, da die gegenwärtige Situation auch sehr atypische Merkmale aufweist, wie z.B. einen boomenden Arbeitsmarkt, Rezession in einigen Sektoren wie z.B. in der Industrie, während andere Sektoren wie Dienstleistungen boomen. Gegenwärtig geht man davon aus, dass langfristig die Zinsen wieder sinken werden, es aber noch eine Weile dauern kann.

Wie du Zinsen jetzt für dich nutzen kannst

Die gegenwärtig höheren Zinsen haben unterschiedliche Auswirkungen auf deine Finanzen:

Sparkonto

Auf dem Sparkonto erhältst du jetzt mehr Zins und verschiedene Banken haben verschiedene Sonderkonditionen. Hier gut prüfen, an welche Bedingungen die höheren Zinsen wirklich geknüpft sind, teilweise musst du zusätzliche Produkte als Paket hinzukaufen, kannst dein Geld nur in jährlich festgelegten Tranchen beziehen etc. Zudem sind die Sätze immer noch eher tief. Einen Vergleich kannst du hier machen.

Termingelder

Jetzt hast du die Möglichkeit, dein Geld für einen fixen Zeitraum, z.B. 6 oder 12 Monate zu einem festen Zinssatz mit einer sogenannten Festgeldanlage der Bank zur Verfügung zu stellen. Diese Möglichkeit kann vor allem für Geld, welches du nicht langfristig anlegen würdest, wie z.B. einen Teil deines Notgroschen, oder das du in absehbarer Zeit aber nicht sofort brauchst, attraktiv sein, da du das Geld arbeiten lassen kannst und weisst, dass es in 6 oder 12 Monaten wieder verfügbar sein wird.

Obligationen

Auch die Kapitalmarktzinsen steigen, so werden Anleihen wieder attraktiver. Davon gibt es ganz unterschiedliche Arten wie Wandelanleihen, Unternehmensanleihen, Staatsanleihen etc. Eine interessante Möglichkeit können z.B. Anleihefonds oder Anleihen-ETFs sein, bei welche du nicht in eine, sondern einen ganzen Korb an Anleihen anlegen kannst, Ideen z.B. hier.

Kredite

Bereits seit 2022 steigen die Preise für Privatkredite. Im Januar 2023 betrug gemäss Moneyland der Durchschnitt aller publizierten Minimalzinssätze für alle neu abgeschlossenen Privatkredite 5.17%. Allerdings gibt es auch grosse Unterschiede zwischen den Anbietern und der verlangte Zins wird aufgrund von verschiedenen Faktoren berechnet, u.a. die Laufzeit und Bonität – ein Kreditvergleich lohnt sich auf jeden Fall.

Hypotheken

Wenn du jetzt ein Wohneigentum erwerben möchtest oder deine Hypothek erneuert werden muss, dann musst du dich vor allem mit der entsprechenden Laufzeit und den Kosten auseinandersetzen. Kurzfristige Hypotheken sind dem gegenwärtigen Zinsumfeld stärker ausgesetzt, ob du dich jetzt bei steigenden Zinsen schon längerfristig für mehrere Jahre binden möchtest, hängt vor allem davon ab, welche Zinsen du in der Zukunft erwartest. Mehr Hintergrundinformationen und eine Analyse dazu findest du hier.

Steuern

Auch bei den Steuern gibt es Veränderungen. Wie SRF kürzlich berichtete, zahlst du ab Oktober heftige Verzugszinsen von bis zu 8%, wenn du deine Steuern zu spät bezahlst. Gleichzeitig bleibt der Vergütungszins, welchen du für die Bezahlung von Steuern im Voraus erhalten hast, bei 10 Kantonen bei 0% und es gibt z.B. in Glarus, Wallis, Freiburg und Neuenburg gemäss dem Bericht auch keine Pläne, dies für nächstes Jahr anzupassen. Also Steuerschulden wenn möglich vermeiden und wenn du vorauszahlen möchtest, dann zuerst nachschauen, was für einen Zins dein Kanton bezahlt, allenfalls ist es weniger, als wenn du das Geld für 6 Monate bei der Bank als Festgeld anlegen würdest oder auf dem Sparkonto bekommst.

Ob die Zinsen gekommen sind, um zu bleiben, werden wir alle erst nach und nach erfahren, es lohnt sich aber, die Zinsentwicklung regelmässig zu beobachten und da die Anbieter sehr unterschielich reagieren regelmässig Vergleiche zu machen um die eine oder andere Chance auch entsprechend zu nutzen. Wie habt ihr es so, habt ihr schon Veränderungen an eueren Sparkonti oder Anlagen gemacht? Was für Erfahrungen und Tipps habt ihr?💰

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Olga Miler ...
... war über zehn Jahre in verschiedenen Funktionen bei der UBS tätig, unter anderem hat sie dort das Frauenförderungsprogramm und den UBS Gender ETF aufgebaut. Jüngst gründete sie das Start-up SmartPurse, eine Plattform, auf der sie digitale Kurse und Workshops zum Thema Finanzen für Frauen anbietet. Letztes Jahr schrieb Miler den watson-Blog «Frauen und Geld» und wird uns dieses Jahr mit «MoneyTalks» an ihrer Expertise teilhaben lassen.

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