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KI-Agenten shoppen im Schweizer Onlinehandel und das hat Folgen

Junge Frau am Laptop, Symbolbild, Online-Shopping.
Noch sind die wenigsten Leute bereit, einer KI ihr Geld anzuvertrauen.Bild: imago-images.de

KI-Agenten übernehmen für uns das Einkaufen? Das sagen Schweizer Onlinehändler

Eine neue Studie der Fachhochschule Nordwestschweiz lässt aufhorchen. Demnach hält generative KI immer stärker beim Online-Shopping Einzug. Mit Folgen für alle Beteiligten.
10.09.2026, 19:2210.09.2026, 19:22

Im Schweizer Onlinehandel kaufen zunehmend nicht nur Menschen, sondern Maschinen ein. Bereits jeder zehnte Onlinehändler bezeichnete in einer neuen Befragung das Einkaufen durch sogenannte KI-Agenten als umsatzrelevant: Dies geht aus einer am Donnerstag veröffentlichten Befragung der Fachhochschule Nordwestschweiz (FHNW) hervor.

Im Folgenden geht es um die aus Konsumentensicht interessantesten Erkenntnisse der Studie.

Wie verändert sich der Onlinehandel?

Ein KI-Agent ist eine Software auf der Basis von generativer künstlicher Intelligenz. Sie kann im Auftrag eines Users nicht nur Fragen beantworten, sondern selbstständig Aufgaben erledigen. Dazu zählen etwa Produkte suchen, Preise vergleichen und im Extremfall auch einen Kauf auslösen.

Drei Viertel der befragten Onlinehändler erwarten, dass solche KI-Systeme in Zukunft die Suche nach Produkten übernehmen, 74 Prozent rechnen mit Preisvergleichen und 71 Prozent mit Produktempfehlungen durch KI.

Gerade den KI-Chatbots der marktbeherrschenden Tech-Konzerne kommt eine zunehmend zentrale Rolle zu. Vereinfacht ausgedrückt: Immer mehr Leute fragen ChatGPT oder Google Gemini um Rat, statt selbst zu googeln.

Wenn es darum geht, dass ein KI-Agent automatisiert eine Kaufentscheidung trifft, sind die Händler skeptischer: 32 Prozent erwarten diese Entwicklung, bei der vollständigen Abwicklung eines Kaufs sind es 22 Prozent.

Was sind die Folgen?

Für Onlinehändler könnte der KI-Hype weitreichende Folgen haben. Ein Teil des Kontakts mit der Kundschaft verlagert sich möglicherweise vom eigenen Onlineshop zu KI-Systemen, wie es im Bericht heisst.

Damit ein bestimmtes Produkt überhaupt berücksichtigt wird, müssten Händler ihre Produkt-, Preis- und Verfügbarkeitsdaten aktuell, strukturiert und für Maschinen lesbar bereitstellen.

Bereits 51 Prozent halten die Optimierung der Sichtbarkeit in generativen KI-Systemen für relevant. Viele Händler können allerdings noch gar nicht messen, wie sichtbar sie dort sind oder wie viel Umsatz ihnen KI-Systeme bringen.

Für die Konsumentinnen und Konsumenten verspricht die Entwicklung vor allem Bequemlichkeit: Statt selbst mehrere Shops zu durchsuchen, könnte die KI passende Produkte finden und Angebote vergleichen, so die Studie.

Gleichzeitig könnte sich aber die Frage verschärfen, nach welchen Kriterien ein System Produkte auswählt und welche Händler überhaupt berücksichtigt werden. Auch die Verantwortung bei fehlerhaften Empfehlungen oder automatisch ausgelösten Käufen gewinnt damit an Bedeutung.

Soll in Zukunft ein KI-Agent für dich online einkaufen?
An dieser Umfrage haben insgesamt 1125 Personen teilgenommen

Wie nutzen Onlinehändler heute schon KI?

Schon heute setzen Onlinehändler KI-Software vor allem ein, um ihre eigenen Abläufe effizienter zu machen. 81 Prozent der Befragten berichten von Zeitersparnissen. Recherchen, Übersetzungen, Produkttexte, Datenanalysen, Programmierarbeiten und wiederkehrende Kundenanfragen lassen sich laut Studie schneller erledigen.

Ganz ohne Menschen funktioniert dies jedoch meist nicht. In den meisten Bereichen dominiert die Teilautomatisierung: Mitarbeitende kontrollieren Ergebnisse, treffen Entscheidungen oder geben einzelne Schritte frei.

Vollständig durch KI-Agenten gesteuerte Prozesse sind bislang die Ausnahme. Das hat Gründe:

  • Als grösste Probleme beim KI-Einsatz nennen die Händler das hohe Tempo der technologischen Entwicklung und die schwierige Integration in bestehende Systeme.
  • Hinzu kommen fehlendes Fachwissen, mangelhafte eigene Daten, Datenschutz und Datensicherheit sowie falsche oder erfundene KI-Antworten («Halluzinationen»).

Strategisch hinken viele Unternehmen der Entwicklung denn auch hinterher. Knapp drei Viertel verfügen noch über keine KI- oder Agentic-Commerce-Strategie. Lediglich 2 Prozent der befragten Onlinehändler haben eine solche bereits umfassend umgesetzt, wie es im Bericht heisst.

Welche Plattformen sind bei den Onlinehändlern am beliebtesten?

Im Rahmen der Befragung sollten die Onlinehändler auch angeben, über welche digitalen Marktplätze und Plattformen sie ihre Produkte verkaufen. Hier die Rangliste:

  • Galaxus bleibe mit deutlichem Abstand der wichtigste digitale Marktplatz der befragten Onlinehändler.
  • Die Geschäftskundenplattform von Brack und Ricardo.ch erreichten gemeinsam den zweiten Platz.
  • Amazon wurde von gut 9 Prozent der befragten Händler als Verkaufskanal genutzt.
  • Auf Platz 5 landete Tutti.ch, das wie Ricardo.ch zur Swiss Marketplace Group (SMG) gehört.
  • Die Community-Plattformen Digt.ch schaffte es auf den sechsten Platz.
Befragung Onlinehändler, bevorzugte Marktplätze (2026)
Screenshot: fhnw.ch

Wer wurde befragt?

An der Befragung der Fachhochschule nahmen 473 Onlinehändler teil, davon 403 aus der Schweiz. Damit decke man ein breites Branchenspektrum ab, von kleinen Hobby-Onlineshops bis zu den grössten Schweizer Onlinehändlern, halten die Studienverfasser fest. Unternehmen in den Bereichen Lebensmittel sowie Home & Living seien am häufigsten in der Stichprobe vertreten.

Befragung Onlinehändler durch Fachhochschule FHNW, Studie, September 2026.
Screenshot: fhnw.ch
Was macht eigentlich ein KI-Agent?

Ein KI-Agent ist ein System der künstlichen Intelligenz, das nicht nur Texte generiert oder Fragen beantwortet, sondern auf einem Computer eigenständig agiert, um ein vorgegebenes Ziel zu erreichen. Man kann ihn sich als eine Weiterentwicklung herkömmlicher KI-Chatbots vorstellen: Er kann nicht nur «denken» und «sprechen», sondern digital «handeln»

Wie funktioniert das?

Herkömmliche KI-Modelle warten auf eine detaillierte Eingabe des Users und liefern darauf eine direkte Reaktion. Ein KI-Agent hingegen durchläuft einen mehrstufigen Prozess: Er analysiert das übergeordnete Ziel, zerlegt es in logische Teilschritte, entscheidet über das beste Vorgehen und nutzt digitale Werkzeuge, um die Aufgabe Schritt für Schritt abzuarbeiten.

Was bringt das?

Ein KI-Agent kann beispielsweise selbstständig im Internet recherchieren, Kalendereinträge erstellen, E-Mails versenden oder ein komplexes Programm entwickeln.

Warum ist das riskant?

Damit ein KI-Agent nützliche Aufgaben übernehmen kann, benötigt er weitreichende Zugriffsrechte – von E-Mail-Konten bis hin zu internen Datenbanken. Dies birgt nicht nur das Risiko von Datenlecks, sondern macht das System auch anfällig für böswillige Manipulationen von aussen.

Wenn ein KI-Chatbot einen Fehler macht (eine sogenannte «Halluzination»), steht ein falscher Satz auf dem Display. Zieht ein KI-Agent hingegen eine falsche Schlussfolgerung, handelt er auf dieser Basis weiter. Dies kann böse Folgen haben.

Da der KI-Agent seine Lösungswege eigenständig wählt, ist nicht immer klar, wie er ein Ziel erreichen wird. Und da er die Aufgaben in rasender Geschwindigkeit abarbeitet, fehlt oft die Zeit für menschliche Kontrolle.

Editorial Bild
bild: imago-images.de

Quellen

(dsc)

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47 Kommentare
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Die beliebtesten Kommentare
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Nils Ivan
10.09.2026 21:56registriert Juli 2025
Die KI-Nutzung gewisser Leute hier ist schon maximal naiv. Ich meine vor allem die, die hier von einem Supertransparenz-Schlaraffenland träumen.

Das wird kaum eintreffen: Irgendwelche intransparenten Algorithmen bestimmen dann, was gekauft wird.

Im schlimmsten Fall bevorzugt die KI angegliederte Dienste oder die Big Players. Sehen wir ja heute im Ansatz schon mit den SEO-Heinis.


Ich bin Ökonom: glaubt mir. Wir wollen weder eine AI-Agent-Economy noch ein perfekt effizienter Markt.
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