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epa08971591 A Game Stop store in Springfield, Virginia, USA, 28 January 2021. The San Francisco-based stock trading app Robinhood has stopped allowing users to buy Game Stop, along with several other stocks, after day traders took on the Wall Street establishment, causing wild fluctuations in Game Stop's stock price.  EPA/SHAWN THEW

Um diese Aktien geht es: GameStop, kurz GME. Bild: keystone

Der GameStop-Kampf erreicht ein neues Level – Börsen unter Cheatverdacht



Der Kampf zwischen Privatinvestoren und der Wall Street um die GameStop-Aktie erreicht neue Dimensionen. Als neue Konfliktparteien platzieren sich Medien und Trading-Plattformen. Und der Liebling aller Hobbytrader steht unter Verdacht, falsch zu spielen. Aber alles der Reihe nach.

April 2020

Der Krieg beginnt, als der finanzkräftige Hedge Fonds Melvin Capital Management aus New York im April 2020 eine enorme Summe darauf wettet, dass die Videospiele-Ladenkette GameStop dem Untergang geweiht ist. Wenig später schliesst sich Citron Research dieser Position an. Das Finanzinstrument dafür lautet «Short». Die Aktie von GameStop ist noch drei Dollar wert.

Was ist ein «Short» – vereinfacht erklärt

Karl geht auf den Markt. Dort verkauft er Svetlana eine Tonne Äpfel für 1000 Franken und verspricht, am nächsten Tag zu liefern. Karl besitzt die Tonne Äpfel noch nicht, rechnet aber damit, sie billiger auftreiben zu können. In der Börsensprache nennt man das «Short» – einen Leerverkauf.

Jetzt begibt sich Karl zu den benachbarten Bauern und kauft sich die Tonne Äpfel zusammen – für einen Betrag von 300 Franken. Danach liefert er ab und macht einen Gewinn von 700 Franken.

Problematisch wird es, wenn Karl die Tonne nicht für unter 1000 Franken kriegt. Denn liefern muss er. Er hat einen Vertrag unterzeichnet. Er läuft Gefahr, einen Verlust einzufahren. Dieser steigt, je mehr der Einkaufspreis zunimmt.

Diese Short-Position zieht den Unmut einiger Privatinvestoren des Investment-Forums Wallstreetbets auf Reddit auf sich. Wallstreetbets ist für seine rüde Sprache und den unkonventionellen Ansatz im Umgang mit Wertpapieren berüchtigt. Enorme Verluste werden genauso gefeiert wie Gewinne. Die Forumsteilnehmer nennen sich selber Entartete – pflegen aber das Motto «we love the/this stock».

This Thursday, Jan. 28, 2021 photo shows a GameStop store sign in Dallas.  The online trading platform Robinhood is moving to restrict trading in GameStop and other stocks that have soared recently due to rabid buying by smaller investors. GameStop stock has rocketed from below $20 to around $350 this month as a volunteer army of investors on social media challenged big institutions who has placed market bets that the stock would fall. (AP Photo/LM Otero)

Dieses Signet liess früher Kinderherzen höher schlagen. Einige Kunden von damals sind heute Anleger. Die beiden Worte stehen dafür, dass Privatanleger genug von den Spielchen der Hedge Fonds an der Wall Street haben: Game Stop. Bild: keystone

Einige Teilnehmer geben sich bewusst als Vertreter des kleinen Mannes oder der kleinen Frau, die unter Konkursen leiden, während die Wall Street damit Geld verdient. Shorts sind ihnen ein Gräuel – genauso wie die New-Yorker-Geldelite. Ihre bevorzugte Trading-App heisst denn auch entsprechend: Robinhood.

Juli 2020

Widerstand formiert sich und die Privatanleger von Wallstreetbets kaufen, zum Teil hohe Verluste riskierend, Optionen und Aktien des einstigen Videospiele-Giganten für welchen viele der Gen-X-Investoren nostalgische Gefühle hegen. Endgültig Druck im Kessel herrscht, als Citron Research die Privatanleger auf Twitter als Trottel bezeichnet.

Bis Ende 2020

Die Solidarität unter den Privatanlegern steigt immer mehr – und damit auch der Kurs. Betrug dieser im April noch knapp drei Dollar, sind es jetzt bereits fast 20 Dollar.

Vor ein paar Tagen

Der Preis explodiert. Citron Research muss seine Positionen mit hohen Verlusten aufgeben. Nach eigenen Angaben betrug der Rückkaufpreis im Schnitt 90 Dollar. Auch Melvin Capital erwischt es. Die New Yorker benötigen ein 2,75 Milliarden schweres Rettungspaket, um nicht in Schieflage zu geraten. Beide Gesellschaften behaupten, keine Short-Positionen mehr offen zu haben. Wichtig in diesem Zusammenhang: Melvin erhält das Rettungspaket von zwei anderen Hedge Fonds. Einer davon heisst Citadel LLC. Einen Namen, den man sich merken sollte.

In unserer Geschichte werden Kurt von Melvin Capital Management und Citron Research gespielt. Weil der Kurs von GameStop nun entgegen aller Regeln stieg, mussten sie die Aktien zu einem überrissenen Preis einkaufen – ein enormer Verlust entstand.

Mittwoch 27.1.2021

Die Anzahl der Mitglieder in Wallstreetbets hat sich in der Zwischenzeit von zwei auf über vier Millionen verdoppelt. Auf CNBC, dem führenden Wirtschaftssender in den USA, fordern Wall-Street-Experten eine Untersuchung – und versuchen das bisher belächelte Phänomen Wallstreetbets einzuordnen. Es könne doch nicht sein, dass gelangweilte Arbeitslose und Studenten mit einer orchestrierten Operation einen Hedge-Fonds zur Strecke bringen. Die Rede ist von Börsenmanipulation – durch die Internetgemeinschaft.

Auch das renommierte «Wall Street Journal» versucht, für die Millionen von Wallstreetbetter ein Etikett zu finden. Es handle sich vor allem um Alt-Rightler. Wer das Forum schon länger frequentiert, weiss vor allem zwei Dinge: Der Etikettenansatz funktioniert bei einer derart heterogenen Gruppe nicht, und Politik wird nur äusserst selten bis nie diskutiert.

Derweil erhalten die Wallstreetbetter prominente Unterstützer: Elon Musk zündelt mit. Auch verschiedene Milliardäre (Mark Cuban, Chamath Palihapitiya) stellen sich auf die Seite der Privatanleger.

Wenige Stunden nachdem das «Wall Street Journal» den Rechtsextremen-Vorwurf publizierte, krebst es mit einer öffentlichen Korrektur zurück.

Auf Wallstreetbets wollen einige User anhand der Handelsvolumen festgestellt haben, dass Melvin seine Short-Positionen noch gar nicht aufgelöst haben kann. Die User werden aufgerufen, den Aktienkurs von mittlerweile 340 Dollar weiter zu stärken.

Donnerstag 28.1.2021

Vorbörslich steigt der Kurs von GameStop phasenweise um weitere 50% auf fast 500 Dollar. Die Trading-Plattform Robinhood gibt bekannt, keine Optionen für GameStop (GME) anzubieten. Man möge doch die tatsächliche Aktie kaufen. Als die Börse auch den privaten Händlern öffnet, ist der Aufschrei gross. Liebkind Robinhood hat auch den Kauf der Aktie gesperrt. Bereits offene Positionen können aber geschlossen werden. Damit kann der Preis der Aktie fast nur noch sinken.

Auch andere Trading-Plattformen ziehen nach. Das in Europa beliebte eToro hat zuerst Probleme, dem Massenansturm gerecht zu werden. Danach wird der Handel mit GameStop komplett beendet. Später wird GME-Haltern das Beenden ihrer Position ermöglicht, der Kauf aber nicht mehr. Ähnlich gehen diverse Online-Händler weltweit vor. Später trifft es andere Lieblinge der Wallstreetbetter mit Einschränkungen: Nokia, Black Berry, Bed Bath & Beyond, Naked, Koss, AMC ...

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Der Wikipedia-Eintrag von Robinhood wurde flugs manipuliert. screenshot: en-wikipedia.org

Auf Wallstreetbets ist die Hölle los. Der Wikipediaeintrag von Robinhood wird kurzzeitig manipuliert, die App in den Stores mit 1-Stern-Bewertungen bombardiert. Die Politik schaltet sich ein. Die Kongressabgeordnete Rashida Tlaib (Dem, Michigan) fordert auf Twitter eine Anhörung durch das United States House Committee on Financial Services. Sie vermutet Marktmanipulation.

Der Manipulationsvorwurf wird weiter gestützt. Findige Wallstreetbetter haben herausgefunden, dass über die Hälfte der Aufträge von Robinhood ausgerechnet über das Hochfrequenz-Handelssystem von Citadel abgewickelt werden.

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Screenshot aus diesem Dokument. Stimmen die Angaben, wickelt Robinhood einen Grossteil seiner Aufträge über Citadel ab. Citadel könnte, so wird gemutmasst, das zu seinen Gunsten nutzen oder die Marktmacht missbrauchen.

Zur Erinnerung: Citadel half Melvin Capital mit einer Finanzspritze und ist dort nun Minderheitseigner. Citadel LLC soll, kurz bevor die Kaufmöglichkeiten von GME gestoppt wurden, mit Shorts auf einen Kursrückgang gewettet haben – behauptet Investor und Rechtsspezialist Justin Kan.

Gegen Robinhood wird im Southern District of New York Klage eingereicht. Weil das Bedürfnis derart gross ist, wird daraus eine Sammelklage.

Der prominente Wallstreetbets-User «DeepFuckingValue» publiziert ein Bild seines Tagesverlustes mit Game-Stop-Positionen: 14,8 Millionen Dollar. Das Forum feiert ihn wie einen König.

To be continued.

Facebook schliesst beliebte Aktienhandels-Gruppe

Das soziale Netzwerk Facebook hat nach dem GameStop-Hype die beliebte Aktienhandels-Gruppe Robinhood Stock Trades geschlossen.

Der Gründer des Wall-Street-Diskussionsforums, Allen Tran, sagte am Freitag, er habe eine entsprechende Benachrichtigung von Facebook erhalten. Demnach werde die 157'000 Mitglieder umfassende Gruppe wegen Verletzung des Regelwerks gesperrt. Reuters hat das Schreiben einsehen können. Facebook bestätigte ebenfalls die Massnahme. Das Netzwerke wollte sich dazu nicht weiter äussern. (sda/reu)

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