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MoneyTalks

So bahnst du dir deinen Weg durch den Finanzprodukte-Dschungel

Tausende Fonds, über 14+ Robo-Advisors... Woher weisst du, welcher Anbieter oder welches Produkt am besten zu dir passt? Hier sind Tipps und Tools, wie du einen Vergleich machen kannst und deinen Weg durch den Finanzdschungel findest.
04.03.2021, 15:5905.03.2021, 07:31
Olga Miler
Olga Miler
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Das Angebot an Finanzprodukten und Tools ist riesig. Traditionelle Vermögensverwalter, Neo-Banken, neue Tools für Krypto & Co., Online-Brokers, Robo-Advisors, auf Vorsorge oder Nachhaltigkeit spezialisierte Anbieter, Crowd-Plattformen ... Beispiel: Per Ende 2020 waren gemäss Studien fast 1600 Exchange Traded Funds (ETFs) an der Schweizer Börse kotiert und bei den Robo-Advisors zählten Vergleichsdienste 14+ verschiedene Anbieter.

Es ist ein Dschungel an Produkten, Tools und Möglichkeiten und in meinen Finanzkursen eine der am häufigsten gestellten Fragen: Was brauche ich für was und wie finde ich heraus, ob dieses oder jenes Tool das richtige für mich ist?

Abschliessend lässt sich diese Frage leider nicht beantworten, da die Wahl von vielen individuellen Bedürfnissen abhängig ist und oft auch eine Kombination sinnvoll sein kann. Hier sind ein paar Tipps und Anregungen, die deinen Weg durch den Finanz-Dschungel vereinfachen können.

Für den Start, leg dein Ziel und den Verwendungszweck fest

Durch die Digitalisierung in der Finanzindustrie hat auch eine zunehmende Spezialisierung stattgefunden. Hatten viele von uns früher eine «Hausbank», die vielleicht sogar die Bank war, wo du dein erstes Konto hattest, hast du heute eine Vielzahl an spezialisierten Angeboten zur Verfügung. Universalanbieter und traditionelle Vermögensverwalter gibt es natürlich heute immer noch, aber je nach Verwendungszweck können verschiedene Dienstleistungen erheblich teurer sein, als wenn du einen der neueren spezialisierten Anbieter wählst. Diese gibt es in verschiedenen Kategorien, z.B.

  • Neo-Banken: stellen Konto, Karte und Zusatzdienstleistungen zur Verfügung.
  • Digitale-Vermögensverwalter: helfen, ein Anlage-Portfolio für die Säule 3a, Freizügigkeit oder für das Vermögen zu erstellen. Dies können digitale Angebote von grösseren Banken sein oder andere Anbieter.
  • Online Broker: Plattformen für den Eigenhandel mit z.B. Aktien, Obligationen und Fonds.
  • Krypto: Apps und Plattformen zum Handel mit Kryptowährungen.
  • Crowd-Plattformen: Tools für z.B. Crowd-Lending, Crowd-Funding.
  • Kredite und Hypotheken: spezialisierte Vermittler für Kleinkredite und für die Vermittlung von Hypotheken.

So findest du in 5 Schritten einen passenden Anbieter

  1. Leg dein Bedürfnis für die Dienstleistung fest, um die Suche von Anfang an einzugrenzen.
  2. Liste auf, was dir besonders wichtig ist, z.B. Preis, Service, Mensch oder ein Online- Tool, dass es ein Schweizer Anbieter ist, etc.
  3. Informiere dich mittels Vergleichsplattformen und Internet-Recherche über die verschiedenen Angebote.
  4. Grenze deine Wahl auf 2-3 Anbieter ein, schau diese genauer an und vergleiche, welche deiner Kriterien sie gut oder gar nicht gut erfüllen.
  5. Teste das Angebot, viele der digitalen Anbieter bieten die Möglichkeit, einen Testlauf zu machen. Was zusätzlich hilft, ist, Erfahrungsberichte von Nutzern oder aus dem Bekanntenkreis einzuholen, bevor du dich definitiv entscheidest.

Scheint vielleicht ein etwas längerer Weg, anstatt einfach mal drauf los zu legen, aber die investierte Zeit lohnt sich, da ein späterer Wechsel zwar immer möglich, aber auch mit zeitlichem Aufwand verbunden ist und darüber hinaus kostspielig sein kann.

Vergleichsdienste als Hilfe bei der Anbietersuche

Vergleichsportale und -seiten geben Hintergrundinformationen und können helfen, die richtige Wahl zu treffen. Es gibt eine Reihe verschiedener Seiten. Wichtig ist, zu verstehen, wie die Vergleiche zustandekommen und wie viel davon wirklich unabhängig ist. Hier eine nicht abschliessende Auswahl:

Vergleich- und Informationsportale:
Moneyland.ch: Vergleichsportal für alle möglichen Finanzdienstleistungen, Hintergrundinformationen und jede Menge verschiedene Rechner für Kostenvergleiche.

10x10.ch: Informationsseite für Exchange Traded Products, Index-Investing und Krypto-Assets.

Cash.ch: Informationsseite mit verschiedenen Tipps und Infos rund ums Anlegen und Sparen

Finanzen.ch: Informationen rund um Finanzen, Trading etc.

Aktien, Fonds und Brokervergleiche:
brokerverglei.ch: bietet Informationen zu verschiedenen Brokern von Aktien, ETF, Forex, usw.

brokerchooser.com: internationale Webseite, bietet Vergleiche verschiedener Broker auch für die Schweiz.

justetf.com: umfassende Plattform für Vergleiche von ETFs und Online-Brokern.

swissfunddata.ch: Vergleichsportal für Fonds und ETFs.

Hypotheken:
Hypoguide.ch: Vergleichsportal zur Anbieterfindung Step-by-Step.

Moneypark.ch: Hypothekenvergleich von über 100 Finanzierungspartnern.

Financescout24.ch: Vergleichsportal für Versicherungen, Kredite und Hypotheken verschiedener Partner.

Entscheidungskriterien für alle, die anlegen wollen

Wenn du dein Geld anlegen willst und einen Anbieter suchst, dann ist eine grundlegende Entscheidung, ob du die Anlagen selber machen möchtest oder Hilfe von einem Bankberater oder Robo-Advisor in Anspruch nimmst.

  • Selber anlegen: erlaubt dir sehr viel Kontrolle, da du alles selber steuerst, benötigt aber auch die notwendige Zeit, Interesse und Hintergrundwissen. Wenn du selbst anlegst, dann benötigst du ein Depot bei einer Bank oder einem Online-Broker.
  • Delegieren: hier hilft dir ein menschlicher Berater oder Robo-Advisor, dein Geld zu verwalten. Für diese Dienstleistung bezahlst du eine Gebühr, hast aber den Vorteil, dass du dich nicht um so viel kümmern musst.

Kriterien für deinen Anbietervergleich

Egal wie du dich entscheidest, ob du deine Anlagen selbst in die Hand nimmst oder Beratung in Anspruch nimmst, hier sind einige Punkte, die es bei der Anbieterauswahl zu beachten gilt:

  • Anfangskapital: Viele Anbieter setzen einen Mindestbetrag voraus. Wenn du selbst Aktien oder Fonds kaufst, dann sind diese Beträge sehr viel tiefer, allerdings können die Kosten für Depot und Kauf/Verkauf empfindlich ins Gewicht fallen.
  • Kosten: Was bezahlst du für den Service oder das Produkt? Verschiedene Anbieter haben unterschiedliche Kostenstrukturen. Ein Vergleich lohnt sich in jedem Fall, nicht nur die Verwaltungsgebühren, sondern auch welche Kosten du bezahlst, solltest du den Anbieter einmal wechseln wollen. Gemäss verschiedenen Quellen liegen die Kosten der Vermögensverwaltung bei ca. 1,2-1,4%, Kosten für klassische Fonds bei 1,2%, bei ETFs etwa zwischen 0,15-0,6% und Robo-Advisors verlangen eine Verwaltungsgebühr von ca. 0,39-0,75%, wobei allerdings jeweils noch die Kosten für die Produkte hinzukommen. Eine Studie zeigte auf, dass wer Vermögensverwaltung zum Paketpreis kauft, heute fast das Doppelte bezahlt, als wenn man für die einzelnen Services einen Spezialisten beauftragen würde.
  • Performance: Welche Leistungen hat der Anbieter bei vergleichbarem Risiko erbracht? Gemäss Studien haben die besten Schweizer Vermögensverwalter bei einem ausgewogenen Portfolio (45% Aktien) 2020 fast 25% erzielt. Für Fonds kann man verschiedene Vergleichszahlen wie Sharp Ratio, Performance etc. direkt aus den Online Tools ziehen.
  • Produktangebot: Wie stellt der Anbieter das Produktangebot zusammen und welche Produkte stehen dir zur Verfügung?
  • Grösse, Volumen und Reputation.
  • Depot-Bank / Bank: Bevorzugst du eine schweizerische Bank oder spielt dies keine Rolle?
  • Handling/Experience: Wenn du einen menschlichen Berater zur Hilfe ziehst, ist das persönliche Vertrauen wichtig. Ähnlich ist es bei den Online-Anbietern, auch die sollten dir in der Handhabung und im Service sympathisch sein.

Mögliche Kostenfallen beim Anbieterwechsel

Wer einen Wechsel anstrebt, kann unter Umständen Überraschungen erleben, da der Wechsel relativ kostspielig sein kann. Untersuchungen haben gezeigt, dass die Auslieferung von Wertschriften 94 Franken (elektronisch) beziehungsweise 159 Franken (physisch) pro Titel betragen kann, wobei Online-Broker deutlich günstiger sind als traditionelle Anbieter. Wenn du deinen Anbieter wechseln möchtest, kannst du versuchen, mit dem neuen Anbieter zu verhandeln, die Transferkosten zu übernehmen, oder die Positionen selber zu verkaufen und neu zu kaufen, anstatt einen Transfer zu machen.

Obwohl die zunehmende Spezialisierung die Anbietersuche schwieriger macht, lohnt sich die Mühe, da du oft bessere Preise und Dienstleistungen erzielen kannst. Welche Erfahrungen habt ihr mit Anbietern gemacht und wen könnt ihr empfehlen?

bild: zvg
Olga Miler ...
... war über zehn Jahre in verschiedenen Funktionen bei der UBS tätig, unter anderem hat sie dort das Frauenförderungsprogramm und den UBS Gender ETF aufgebaut. Jüngst gründete sie das Start-up SmartPurse, eine Plattform, auf der sie digitale Kurse und Workshops zum Thema Finanzen für Frauen anbietet. Letztes Jahr schrieb Miler den watson-Blog «Frauen und Geld» und wird uns dieses Jahr mit «MoneyTalks» an ihrer Expertise teilhaben lassen.

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5 Kommentare
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Die beliebtesten Kommentare
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Flavio O.
04.03.2021 20:19registriert April 2020
Mein Tipp: ETFs bei Swissquote; 50% in Aktien Welt (bspw. IWMO, VEVE), 30% in Aktien Schweiz (bspw. CSWCHF), 20% in Aktien Emerging Markets (bspw. VFEM). 1-2mal pro Jahr re-balancen und irgendwann als Millionär aufwachen... - Gern geschehen!
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