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ETH-Experte: Post-Konkurrent Speedaf könnte schnell gross werden

Ein Bild eines Speedaf-Lieferwagens. Speedaf ist ein chinesischer Paketzulieferdienst, der sich auch in Europa ausbreitet.
Speedaf soll bis zu 15 Millionen Pakete pro Jahr in der Schweiz ausliefern können.Bild: Speedaf

ETH-Experte: Chinesischer Post-Konkurrent Speedaf könnte schnell gross werden

22.09.2026, 10:3222.09.2026, 10:32

Der chinesische Logistiker Speedaf könnte mit seinem geplanten Schweizer Paketnetz nach Ansicht eines Experten rasch eine relevante Grösse erreichen. Die vorgesehene Sortierkapazität von bis zu 50'000 Paketen pro Tag sei für einen Neueinsteiger substanziell, sagt ETH-Logistikprofessor Stephan Wagner der Nachrichtenagentur AWP.

Bei voller Auslastung entspreche dies rund 15 Millionen Paketen pro Jahr. Zum Vergleich: Konkurrent DPD Schweiz komme auf etwa 25 Millionen und die Schweizerische Post auf rund 190 Millionen Pakete jährlich. Entscheidend sei allerdings, ob Speedaf seine Anlagen tatsächlich auslasten könne, sagte Wagner.

Dabei könnten dem Unternehmen die stark wachsenden E-Commerce-Ströme aus China helfen. Chinesische Logistiker wollten zunehmend den internationalen Transport bis hin zur letzten Meile in Europa selbst organisieren, so Wagner. Dies ist laut Branchenkennern eine ernstzunehmende Konkurrenz für die etablierten Paketdienste.

Schweizer Geografie ein Vorteil

Für den Aufbau eines landesweiten Netzes sei die kompakte Geografie der Schweiz grundsätzlich von Vorteil, erklärte der ETH-Experte. Allerdings seien die Kosten hoch. Dass Speedaf für die letzte Meile auf lokale Zustellpartner setzen will, hält Wagner deshalb für sinnvoll. Ein solches «Asset-light»-Modell ermögliche den Markteintritt, ohne zunächst eine eigene Fahrzeugflotte und eine grosse Zahl von Zustellern aufbauen zu müssen.

Speedaf baut derzeit ein eigenes Schweizer Paketnetz auf. Geplant sind ein rund 4000 Quadratmeter grosses Sortierzentrum für bis zu 50'000 Sendungen täglich sowie regionale Verteilzentren in Zürich, Bern und Lausanne. Der 2019 gegründete Logistiker ist seit wenigen Monaten in der Schweiz aktiv. International ist er bereits in mehr als 30 Ländern tätig und befördert unter anderem Pakete von Shein, Temu und Aliexpress. Zu den Gründungsaktionären gehört der chinesische Paketriese ZTO Express.

Speedaf trifft in der Schweiz auf einen stark konzentrierten Markt. Die Post hielt 2025 gemessen am Umsatz 60 Prozent des gesamten Paket-, Express- und Kuriermarkts und im Inland sogar 74 Prozent. Insgesamt wurden hierzulande rund 335 Millionen Sendungen befördert. Besonders kräftig wächst das für Speedaf interessante Importgeschäft: Die Zahl der Pakete aus dem Ausland stieg 2025 um rund 12 Prozent. pre/sda)

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