Wirtschaft
Schweiz

Ex-CS-Chef Grübel kritisiert Management der Grossbank scharf

Streitgespräch Mindestlohn, 16. April 2014, Oswald Grübel, Philipp Loepfe
Oswald Grübel im Streitgespräch mit watson-Redaktor Philipp Löpfe (2014). bild: watson

Ex-CS-Chef Grübel kritisiert Management der Grossbank scharf

23.01.2022, 07:1523.01.2022, 07:15

Der frühere Credit-Suisse-Chef Oswald Grübel hat das gegenwärtige Management der Grossbank scharf kritisiert. «Wenn ein Unternehmen über Jahre so viele Krisen erlebt, dann liegt der Grund im schlechten Management», sagte der 78-jährige Bankier der «NZZ am Sonntag».

Weil die Führung nicht funktionierte, hätten viele hervorragende Manager die Bank mit 50'000 Beschäftigten verlassen, sagte Grübel, der von 2003 bis 2007 selber CEO der CS war. Die Abgänge hätten auch zu den Milliardenverlusten im letzten Jahr geführt. Die jüngsten Skandalen um den US-Hedgefonds Archegos und um die «Greensill»-Anlagefonds gehörten in die Kategorie «Anfängerfehler». Mit einer guten Risikokontrolle hätten diese niemals passieren dürfen.

Die Aktionäre der Bank müssten mehr Druck auf die Führung ausüben, forderte Grübel, insbesondere bei der Besetzung des Verwaltungsrates. «Es braucht auch hier Personen, welche das Geschäft à fond kennen.»

Die Bank brauche eine glaubwürdige Identifikationsfigur, welche die Belegschaft hinter sich scharen könne, meinte Grübel. Die Credit Suisse leide gegenwärtig unter internen Spannungen zwischen der schweizerisch geprägten Kultur und dem angelsächsischen Geschäftsverständnis.

Trotz der Schwäche der Bank glaubt Grübel nicht an eine Übernahme. Die Finanzmarktaufsicht würde nach seiner Einschätzung ihr Veto gegen einen solchen Verkauf einlegen. Zudem würden viele Privatkunden ihr Geld bei der CS wegen der Stabilität in der Schweiz anlegen. Wenn ein ausländischer Konzern die Bank kaufe, würden wohl viele Kunden dann zu einer anderen Schweizer Bank wechseln, erklärte der Bankenfachmann. (viw/sda)

DANKE FÜR DIE ♥
Würdest du gerne watson und unseren Journalismus unterstützen? Mehr erfahren
(Du wirst umgeleitet, um die Zahlung abzuschliessen.)
5 CHF
15 CHF
25 CHF
Anderer
Oder unterstütze uns per Banküberweisung.
Die CS-Chefs
1 / 14
Die CS-Chefs
Am Anfang war der Eisenbahn- und Gotthard-Pionier: Am 16. Juli 1856 nimmt die von Alfred Escher gegründete Schweizerische Kreditanstalt (SKA), Vorgängerin der heutigen Credit Suisse, ihre Geschäftstätigkeit auf. Der Politiker und Wirtschaftsführer leitete die SKA als erster Verwaltungsratspräsident von 1856-1877 und von 1880-1882.
quelle: alfred-escher-stiftung / alfred-escher-stiftung
Auf Facebook teilenAuf X teilen
So war es damals mit dem Ersten Geldautomat der Schweiz
Video: srf
Das könnte dich auch noch interessieren:
Warum verbreiten Tech-CEOs die KI-Weltuntergangsszenarien? 6 Theorien
Es gibt glaubhafte Gründe zur Sorge über die Sicherheit von KI. Es gibt gleichzeitig aber auch ökonomische Gründe, weshalb die sich jüngst zuspitzende Weltuntergangsrhetorik und die Forderung nach Regulierung den Tech-Firmen zugute kommen. Wie das Silicon Valley davon profitieren könnte und was Sam Altman, Dario Amodei, Elon Musk und Co. damit womöglich bezwecken: sechs Theorien im grossen Überblick.
Der Sommer 2026 war geprägt von zwei sehr bedrohlichen Themen: Hitze und Klimawandel sowie KI. Während die Gefahr durch Ersteres immer weiter zunimmt und lange unterschätzt wurde, werden im Falle der Letzteren die misstrauischen Stimmen immer lauter.
Zur Story