Wirtschaft
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** ARCHIV ** Rauch und Wasserdampf steigen am 6. April 2004 ueber dem Kohlekraftwerk Scholven der E.ON Kraftwerke GmbH in Gelsenkirchenen auf. Schlussspurt in den Verhandlungen ueber die EU-Klimaschutzplaene: Auf einem am Donnerstag, 11. Dezember 2008, beginnenden Gipfeltreffen der 27 EU-Staats- und Regierungschefs soll das EU-Klimaschutzpaket in trockene Tuecher gebracht werden.  (AP Photo/Michael Sohn) ----** FILE ** Smoke and steam billows from a coal power plant in Gelsenkirchen, western Germany, in this April 6, 2004 file photo. (AP Photo/Michael Sohn)

Ein Kohlekraftwerk im deutschen Gelsenkirchen. Bild: AP

Umweltverschmutzung

Nach Marktöffnung: Wählen Schweizer Kunden deutschen Dreckstrom?

Ab 2018 sollen auch Haushalte und kleine Firmen ihren Stromanbieter frei wählen können: Wählen die Kunden nun vermehrt Dreckstrom aus dem nahen Ausland, um bei der Stromrechnung zu sparen?

doris kleck / Aargauer Zeitung



Ein Artikel der

Ab 2018 sollen auch Haushalte und kleine Firmen ihren Stromanbieter frei wählen können: Diese Ankündigung des Bundesrates löste bei Gewerkschaften, linken Parteien und Umweltverbänden sofort Abwehrreflexe aus. Eine der Befürchtungen ist, dass damit noch mehr «Dreckstrom» in die Schweiz fliessen wird. Unter «Dreckstrom» verstehen sie Elektrizität, die aus Kohle-, Gas- oder Atomkraftwerken stammt. 

Der WWF Schweiz bezeichnet die vollständige Öffnung des Strommarktes gar als «Projekt zur Anti-Energiewende». Die Logik hinter dieser Argumentation: Wenn der Konsument seinen Stromlieferanten frei wählen kann, entscheidet er alleine aufgrund des Preises. Damit gelangen erneuerbare Energien ins Hintertreffen, weil sie teurer sind. 

Feind der Wasserkraft 

Schreckgespenst Nummer eins ist der Strom aus Braunkohle, der aus Deutschland bezogen wird. Zwar werden dort erneuerbare Energien mit Milliarden subventioniert. Doch im Zuge des Atomausstiegs und wegen des tiefen Preises für den CO2-Austoss erlebt eben auch die Braunkohle ein Revival: 2013 stammten 25,7% des deutschen Stroms aus dem dreckigsten aller Energieträger, der auch in die Schweiz gelangt. 

Der Import von billigem Kohlestrom versetzt inzwischen selbst bürgerliche Politiker wie die Nationalräte Christian Wasserfallen (FDP/BE) oder Hans Killer (SVP/AG) in Rage. Die deutsche Braunkohle steht sinnbildlich dafür, dass sich Investitionen in der Schweiz in Wasserkraftwerke nicht mehr rentieren. Die Kohle läuft dem einstigen «weissen Gold» den Rang ab. 

FDP Vizepraesident Christian Wasserfallen an einer Medienkonferenz zur Energie- und Klimapolitik  der FDP in Bern am Freitag, 4. April 2014. (KEYSTONE/Gian Ehrenzeller)

Selbst FDP-Nationalrat Christian Wasserfallen ist gegen den Import von umweltschädlichem Strom aus Deutschland. Bild: KEYSTONE

Anders als die Umweltverbände sieht Wasserfallen indes keinen Zusammenhang zwischen der Öffnung des Schweizer Strommarktes und dem Import von «Dreckstrom». Er ortet das Problem in der deutschen Energiepolitik. Vielmehr sieht er die Marktöffnung als Chance, weil die Kunden ihren Strommix selber wählen und die Stromunternehmen ihre Produkte richtig bewerben können. Wasserfallen schliesst nicht aus, dass Kunden bereit sind, für einheimischen Strom mehr zu bezahlen. Das Kohle-Import-Problem müsse anders angegangen werden. Ähnlich sieht es der Verband Schweizerischer Elektrizitätsunternehmen. «Bei der Strommarktöffnung geht es nur darum, dem Kunden eine Wahlmöglichkeit zu geben», sagt Sprecher Guido Lichtsteiger. 

Dem Strom sieht man nichts an 

Bereits seit 2009 können Unternehmen mit einem Stromverbrauch über 100 Megawattstunden ihren Anbieter frei wählen – 28 Prozent machen davon Gebrauch. Gemäss Urs Meister, Energie-Experte von Avenir Suisse, hat die Marktöffnung vor allem das Preisniveau verändert, weniger den Strommix, der aus den Steckdosen fliesst: «Die Liberalisierung allein beeinflusst die Handelsströme nicht in relevantem Ausmass», sagt Meister. Er verweist zudem darauf, dass der europäische Strommix ebenfalls erneuerbare Energien enthält: «Je nach Witterung und Tageszeit kann etwa in Deutschland der Anteil von Wind und Photovoltaik im Netz sogar deutlich über 50 Prozent steigen.» Die Verkürzung der Diskussion auf den Import von «Dreckstrom» hält er für falsch. 

Verkompliziert wird die Diskussion dadurch, dass man dem Strom in den Leitungen nicht ansieht, ob er fossiler oder erneuerbarer Natur ist. Zudem kann Kohlestrom einfach reingewaschen werden, in dem ein Zertifikat für Ökostrom gekauft wird. Das macht etwa die Einführung einer Abgabe auf importiertem «Dreckstrom» schwierig, wie es verschiedentlich gefordert wird. 

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    Alle Leser-Kommentare
  • Zeit_Genosse 10.10.2014 14:14
    Highlight Highlight Dem ÖK-Strom sieht man seine subventionierte und allenfalls dreckige Herkunft nicht an. Zu intransparent ist das System. Der billige "Auslandstrom" lässt Schweizer Kraftwerke in der Planungsunsicherheit für die Zukunft und die halten mit Investitionen zurück. Also noch mehr Import aus den billigen Kohlegebieten.
  • MergimMuzzafer 10.10.2014 12:05
    Highlight Highlight Das Problem beim Öko-Strom ist wie bei den Bio-Produkten im Supermarkt: er wird viel teurer verkauft, als er eigentlich ist (Ökostrom ist schon teurer aber nicht so massiv). Den Gewinn sacken die Stromkonzerne ein. Danach heisst es wieder die Leute würden ja gar keine erneuerbaren Energien wollen.
  • MediaEye 10.10.2014 08:17
    Highlight Highlight Und weshalb erst ab 2018? Müssen wir wirklich noch so lange abgezockt werden?
  • MediaEye 10.10.2014 08:16
    Highlight Highlight Es wäre ja doch ganz einfach; weg mit dieser diskriminierenden KEV für Private Beutelschneider; und weg mit dieser völlig überteuerten Stromdurchleitungsgebühr für <swissgrid> wo sich die Stromproduzenten und Kantone als Inhaber eine goldene Nase verdienen!
    Dann wird endlich auch Schweizer Strom wieder billiger und bezahlbar!
  • Joseph Dredd 10.10.2014 07:12
    Highlight Highlight Dass Schweizer Unternehmen seit Jahren mit "deutschem Dreckstrom" arbeiten, wird im Artikel nicht erwähnt, aber so werden Gewinne maximiert. Hiesige Pumpspeicherkraftwerke produzieren tagsüber Strom, der den Schweizer Kunden - die notabene ein gutes Ökogewissen haben möchten - teuer verkauft wird, nachts jedoch wird das Wasser mit billigem Ruhrpott-Braunkohlestrom wieder ins Reservoir hochgepumpt. Ich bin nicht bereit, für so ein pseudoökologisches System mehr zu bezahlen.
  • nixxda 10.10.2014 06:56
    Highlight Highlight Schlecht - nein - überhaupt nicht recherchiert.
    "Dreckstrom" war es noch vor der Wende, als die Abluft noch ungefiltert in die Atmosphäre geleitet wurde. Die CO2-Bilanz ist nicht viel anders als bei Steinkohle. Die Lebensqualität vor Ort hat sich deutlich verbessert.
    Viele Grüße von jemandem, der in der Braunkohleregion aufgewachsen ist an die Verfasserin des Artikel, die lieber über Sachverhalte schreiben sollte, von denen sie etwas versteht.
    • Jonasn 10.10.2014 15:19
      Highlight Highlight @rufus: und der Atomstrom aus der Schweiz ist nachhaltig? Haha, Pseudo-Diskussion

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