Nächster Eklat bei der Ex-Migros-Tochter Micasa: Jetzt ist auch der Chef weg
Sie wollten ein «neues Kapitel» für Micasa aufschlagen. Es wurde ein äusserst kurzes. Nur etwas mehr als ein Jahr, nachdem der Firmenchef Philipp Agustoni und sein Mitstreiter Manuel Landolt mit einer Private-Equity-Firma das Möbelhaus aus dem Migros-Konzern herausgekauft hatten, mussten sie es wieder abgeben. Anfang Oktober hat eine «Schweizer Investorengruppe» 100 Prozent der Micasa-Aktien übernommen. Mehr noch: Auch Agustoni ist wieder weg, wie er selbst auf Linkedin kommuniziert.
Dies hätten Agustoni und die neue Eigentümerschaft im gegenseitigen Einvernehmen vereinbart, heisst es bei Micasa. Wer die neuen Geldgeber sind, will das Möbelhaus weiterhin nicht bekanntgeben. Die Gruppe wolle nicht öffentlich in Erscheinung treten. Nun hat sie aber ein Gesicht bekommen: Per 30. Oktober hat die in der Schweizer Detailhandelszene unbekannte Treuhänderin Beatrix Ferkinghoff das Micasa-Präsidium übernommen. Dies geht aus dem Schweizerischen Handelsamtsblatt hervor. Eine überraschende Wahl, die das Möbelhaus nicht weiter kommentieren will.
Ferkinghoff ist zudem Mitglied des Verwaltungsrats bei der noch jungen Logistikfirma Jung Stein mit Sitz in Dietikon ZH. Ob diese Firma zur Investorengruppe gehört, wollte die Micasa nicht beantworten. Grundsätzlich hält das Möbelhaus fest, dass die neue Eigentümerschaft nebst «zusätzlichem Kapital» auch «unternehmerische Erfahrung sowie Kompetenzen in Logistik, Digitalisierung und Technologie» einbringe.
Die drei Micasa-Verwaltungsräte, welche die Interessen der früheren Investoren vertraten, sind per Ende Oktober ausgeschieden. Nebst Ferkinghoff verbleibt nur noch Manuel Landolt im obersten Strategiegremium – und er übernimmt auch gleich den operativen Chefposten. Er ersetzt den bisherigen CEO Agustoni.
Vier Migros-Flächen zu vergeben
Die «Schweizer Investorengruppe» will Micasa nun «in die nächste Entwicklungsphase» begleiten, wie es offiziell heisst. Und diese beginnt offensichtlich mit einem Einschnitt: So hat Micasa beschlossen, 4 von 30 Filialen zu schliessen. Dabei handelt es sich um die Standorte Crissier VD, Langendorf SO, Brügg BE und Buchs AG. Crissier wird per 31. Dezember 2026 geschlossen, die drei weiteren Standorte per 31. Januar 2027. «Für die betroffenen Mitarbeitenden werden Anschlusslösungen geprüft», sagt die Micasa-Sprecherin.
Die Migros hat Micasa zwar abgestossen und hat seit September 2025 nichts mehr mit ihrer ehemaligen Möbelkette zu tun, doch deren Überlebenskämpfe haben auch Folgen für den Detailhandelskonzern.
Die Fläche in Crissier gehört der Regionalgenossenschaft Migros Waadt, die drei Deutschschweizer Micasa-Standorte sind alle im Einzugsgebiet der Migros Aare, das sich über die Kantone Bern, Aargau und Solothurn erstreckt. «Für deren künftige Nutzung laufen derzeit Abklärungen», sagt Migros-Aare-Sprecherin Neda Golafchan. Auch die Migros Waadt lässt sich vorerst nicht in die Karten schauen.
Die Frage, ob die Schliessung der vier Standorte reicht oder ob noch mehr Micasa-Filialen dicht machen müssen, lässt die Sprecherin des Möbelunternehmens unbeantwortet.
