«Der Druck bleibt hoch»: Die Schweizer Pharma warnt weiter vor Trumps Preisreform
Seit Donald Trump an der Macht ist, hat der Druck auf die Schweizer Pharmaindustrie stark zugenommen. Der US-Präsident hat nicht nur mit Zoll-Drohungen erreicht, dass hiesige Pharmafirmen Investitionen über 75 Milliarden Dollar in Amerika angekündigt haben. Trump zielt auch direkt auf die Gewinne der Firmen. Er will mit einem Referenzpreissystem erreichen, dass Roche, Novartis und Co. ihre neuen Medikamente in den USA nicht mehr teurer als in Vergleichsländern lancieren können. Zu diesen Ländern gehört die Schweiz.
Der Erdrutschsieg der Demokraten in den Zwischenwahlen mischt die Karten in diesem Machtpoker nun neu – zumindest ein bisschen. Denn die Partei kann mit ihren Mehrheiten verhindern, dass Trumps Preissystem ins Gesetz geschrieben wird. «Die Demokraten setzen bei den Medikamentenpreisen mehr auf direkte Verhandlungen statt auf Referenzpreise», sagt Michael Grass dazu. Der Ökonom von BAK Economics hat für den Branchenverband Scienceindustries eine Studie zur Wettbewerbsfähigkeit der Schweizer Pharma erstellt. «Der Ansatz der Demokraten könnte die heimische Preisdebatte mittelfristig entschärfen», sagte er anlässlich der Studienpräsentation am Mittwoch.
Das ist Zukunftsmusik. Denn solange der Republikaner Trump Präsident ist, kann er seine Preisreform per Dekret durchdrücken. Und ob er seine Pläne gesetzlich verankern kann, ist für die weltweit grössten Pharmafirmen gar nicht so entscheidend. Die 26 führenden Unternehmen, darunter Roche und Novartis, haben mit der US-Regierung geheime Verträge geschlossen. Darin verpflichten sie sich ohnehin bis Ende 2028 dazu, ihre Preise für Neulancierungen im lukrativen US-Markt künftig denjenigen anderer Länder anzupassen.
«Diese Verträge sind gültig und laufen. Deshalb bleibt der Druck auf unsere Industrie hoch», ergänzte Annette Luther, Präsidentin von Scienceindustries. Und ohnehin erwarte man keine grundsätzliche Gegenbewegung der nun siegreichen Demokraten. «Denn bei der Frage der Medikamentenpreise sind sich Demokraten und Republikaner weitgehend einig.»
Schweiz immer noch auf Platz 3
Für die Branche ist deshalb weiterhin klar, dass die Schweizer Preise für neue Medikamente steigen müssen, um den US-Markt zu schützen. Ansonsten, so drohen die Firmen nun seit der Trump-Ära mantraartig, lanciere man Medikamente in der Schweiz gar nicht mehr, fahre Investitionen zurück, verlagere klinische Studien dorthin, wo der Preis stimmt.
Die Forderung von Scienceindustries untermauerte Annette Luther mit den Ergebnissen der neuen Studie zur Wettbewerbsfähigkeit. Dort rangiert die Schweiz auf Platz 3, nach Irland und den USA. Die Schweiz ist zwar weiterhin führend bei der Standortqualität. Dazu gehören etwa die Infrastruktur, die finanzielle und makroökonomische Stabilität sowie die Verfügbarkeit hochqualifizierter Arbeitskräfte.
Doch bei der Wertschöpfung und der Produktivität hat die Schweiz zuletzt etwas verloren. Noch deutlicher zurückgefallen ist sie bei der «Innovation und Technologieführerschaft». Zu dieser Messgrösse gehören etwa die Investitionen in Forschung und Entwicklung. Während hier Amerika und China massiv Gelder anziehen, stagnieren die Ausgaben in der Schweiz.
Zum Gesamtbild gehört allerdings auch: Die Schweiz ist nach wie vor ein attraktiver Pharmastandort. Sie ist das einzige Land, das in der Studie in allen Kategorien – etwa bei Wachstum, Produktivität, Innovation oder Stabilität – unter den ersten zehn Plätzen landet. Zudem hat die Politik die Anliegen der Industrie aufgenommen. Der Bundesrat hat eine Arbeitsgruppe eingesetzt, die bis Ende Jahr einen Bericht mit konkreten Verbesserungsvorschlägen präsentieren wird.
Selbstredend hat die Branche klare Vorstellungen davon, welche Schlüsse man aus diesem Bericht ziehen sollte: «Das Papier darf nicht in der Schublade verschwinden. Gerade beim Preis braucht es eine Lösung», sagte Annette Luther. Eine Lösung will auch Gesundheitsministerin Elisabeth Baume-Schneider (SP), allerdings eine, die die Krankenkassenprämien nicht hochtreibt. BAK-Ökonom Michael Grass fasst zusammen: «Es ist ein klassischer Zielkonflikt.» (schweizheute.ch)
