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Trump am WEF 2026: So verlief der Tag mit dem US-Präsidenten

President Donald Trump talks to media after a meeting during the Annual Meeting of the World Economic Forum in Davos, Switzerland, Wednesday, Jan. 21, 2026. (AP Photo/Markus Schreiber)
Switzerland Dav ...
Trump sorgte am Mittwoch für einen nervenaufreibenden WEF-Tag.Bild: keystone

CEOs schubsen, Davos paralysiert: Der Trump-Wahnsinn am WEF in 9 Kapiteln

Der US-Präsident trat in Davos aggressiver auf als bei seinen letzten beiden Besuchen. Schon seine Anreise verlief chaotisch, im Kongresszentrum kam es zu Tumulten. 9 Beobachtungen und Erkenntnisse eines verrückten Tages.
22.01.2026, 03:2722.01.2026, 07:43
Patrik Müller, Florence Vuichard / ch media

Flugzeugpanne als Fanal

Der Präsident der Unvorhersehbarkeiten macht seinem Ruf schon bei der Abreise in Washington alle Ehre. Aufgrund eines unidentifizierten Problems mit der Elektronik an Bord der Air Force One muss das Präsidentenflugzeug in der Nähe von Long Island bei New York City umkehren. Trump besteigt um 6 Uhr Schweizer Zeit dann ein Ersatzflugzeug. Noch kurz vor dem Abflug befürchteten US-Medien das Schlimmste: Trumps jüngste Äusserungen zu Grönland könnten Davos zu einem ultimativen Krisengipfel machen. Niemand wisse, was er dort auslöse. Wer das liest, muss sich fragen: Geht heute die Welt unter?

Zürich hat alles im Griff

Ordnungsgemäss landet die Ersatzmaschine am Flughafen Zürich um 12.35 Uhr. Zuvor stand der Flughafen minutenlang still. Die Stimmung ist angespannt, die Polizei ist überall. Die Wasserwerfer stehen bereit. Die Warteschlange bei der Zuschauerterrasse ist riesig. Mit dem Helikopter geht Trumps Reise weiter nach Davos. Am WEF wird bekannt: Seine Rede soll wie geplant um 14.30 Uhr beginnen.

Air Force One lands at the airport in Zurich, Switzerland, Wednesday, Jan. 21, 2026. (AP Photo/Arnd Wiegmann)
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Trumps Flugzeug landete kurz nach dem Mittag in Zürich.Bild: keystone

Davos wirkt wie paralysiert

Im Kongresszentrum herrscht schon Stunden vor Trumps Ankunft eine seltsame Stimmung: gedämpft. Einige versuchen es mit Galgenhumor. Nato-Generalsekretär Mark Rutte hat seine eigene Strategie: Er lacht demonstrativ gut gelaunt, als würde ihn das alles nicht berühren. In den laufenden Podien kommt man an Trump nicht vorbei. UBS-Chef Sergio Ermotti gehört zu jenen, die nicht dramatisieren: «Egal, was wir heute Nachmittag hören werden: Morgen könnte schon wieder alles anders sein.»

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Trump kam am Mittwochnachmittag in Davos an.Bild: keystone

CEOs können Rüpel sein

Der Kampf um die 1300 Sitzplätze im Kongresssaal beginnt früh. Einige Besucher wollen den Saal kurz nach 12 Uhr, nach dem Auftritt des Nvidia-Gründers Jen-Hsun Huang, gar nicht mehr verlassen, um sich einen Platz zu sichern. Das geht aber nicht: Alle müssen raus. Schon um 13 Uhr, also eineinhalb Stunden vor der Rede, bilden sich lange Schlangen.

Relativ weit vorne eingereiht hat sich Economiesuisse-Präsident Christoph Maeder. Doch dann fahren die Manager ihre Ellbogen aus, schubsen sich hinein in die Schlangen.

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Viele Menschen wollten die Rede im Saal mitverfolgen.Bild: keystone

Andere stellen sich geschickter und höflicher an, dafür umso effizienter. Novartis-Chef Vasant Narasimhan etwa arbeitet sich innert kürzester Zeit von ganz hinten nach ganz vorne vor. Die verzweifelten und angesichts der Rüpelhaftigkeit einzelner Gäste heillos überforderten WEF-Mitarbeitenden versuchen, die Ordnung aufrechtzuerhalten. Doch das Gedränge wird immer grösser. Es ist wie bei einem ausverkauften Popkonzert. Nur: Hier tritt kein Rockstar auf, sondern ein Mann, den die meisten WEF-Gäste verabscheuen – auch wenn sie das meist nur sagen, wenn kein Mikrofon läuft.

Übersteigerte Erwartungen

Das Interesse an Trumps Auftritt ist deutlich grösser als 2018 und 2020. Eine halbe Stunde vor Beginn kommt es vor dem Saaleingang zu tumultartigen Szenen. Trump hätte seine Freude an diesen Bildern gehabt: Nahkampf um die letzten Plätze, um ihn, den Weltenherrscher, live zu erleben. Mit Mühe kann der kosovarische Premierminister Albin Kurti aus der Masse befreit und zum für Regierungsmitglieder reservierten, separaten Eingang geführt werden. Mit Geleitschutz eingelassen werden Bundespräsident Guy Parmelin und kurz nach ihm US-Finanzminister Scott Bessent.

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Wer darf rein, wer nicht? Bild: keystone

In der Schlange sagt jemand: «Die Erwartungen an die Rede steigen, je länger wir uns hier drängeln.» Jemand antwortet: «Dabei wird er nichts Neues sagen und sich vor allem selber loben.» Es folgt eine Durchsage mit dem hilflosen Appell zur Ordnung. Zugleich heisst es, nur Inhaber eines weissen Zutrittsausweises dürften in den Saal, alle anderen müssten umkehren und die Rede per Video in anderen Räumen verfolgen.

Die WEF-Masse teilt sich in Kasten: Abzotteln muss, wer einen «zu niedrigen» Badge hat. Andere werden durchgewunken, entsprechend ihrer Stellung. Selbst Microsoft-CEO Satya Nadella und Nvidia-Gründer Huang schaffen es nicht im ersten Anlauf. Nicht alle kommen rein. Drinnen sagt ein CEO: «Ich wollte dabei sein, es ist ein historischer Moment.» Der zu eskalieren drohende Streit um Grönland stimmt auch die sonst nur auf Business bedachte WEF-Gemeinschaft sorgenvoll.

Die Journalisten werden düpiert

Trump wird derweil vom Heliplatz direkt zum Kongresszentrum gefahren. Der Konvoi trifft dort um 14.20 Uhr ein. Der US-Journalistenpool meldet: «Menschen, darunter auch Skifahrer, standen entlang der Strecke und filmten die Szene mit ihren Handys. Wir sahen ein paar ausgestreckte Mittelfinger und ein Blatt Papier mit einer Beschimpfung: ‹F— you›.» Drinnen warten Hundertschaften von Journalisten auf den US-Präsidenten, in der Hoffnung auf ein Statement direkt in die Kamera.

Doch die Sicherheitskräfte lassen die Medienschaffenden ins Leere laufen. Diese denken, Trump komme durch dieselbe Tür wie davor Aussenminister Marco Rubio, Handelsminister Howard Lutnick und Schwiegersohn Jared Kushner es getan haben. Ein Kordon aus Bodyguards verstärkt den Eindruck, flankiert von einer US-Polizistin. Ein «Blick»-Kollege hat bereits ein Exemplar bereit, um es Trump entgegenzustrecken, mit der Schlagzeile: «Mr. President, wir haben eine Frage!» Dann realisieren die Medien: Trump ist schon im Saal und beginnt gleich seine Rede. Die Bodyguards grinsen.

Die Welt scheint stillzustehen

Die Rede beginnt. Die Davoser Welt scheint stillzustehen. Im weitverzweigten Kongressgebäude sieht man Teilnehmer, die keinen Platz mehr gefunden haben, sich sitzend oder stehend über ihr Handy beugen. Sie verfolgen die Rede. Harvard-Professor Kenneth Rogoff sieht entgeistert aus. Nato-Generalsekretär Mark Rutte huscht durch die Gänge: «Hören Sie nicht der Rede zu?», fragen wir ihn. Er antwortet nicht. Später ruft ihn Trump während seiner Rede auf. Offenbar hat er doch noch den Weg in den Saal gefunden.

Mark Rutte, Secretary-General, North Atlantic Treaty Organization (NATO), speaks during a panel discussion during the 56th annual meeting of the World Economic Forum, WEF, in Davos, Switzerland, Wedne ...
Nato-Generalsekretär Mark Rutte.Bild: keystone

In den Gängen im Kongress-Café zeigen sich nach einer Stunde Rede Ermüdungserscheinungen. Mehr und mehr Teilnehmer legen das Handy beiseite, reden miteinander, Tenor: «Verrückt, aber so ist er halt.» Einige klappen ihren Laptop auf, arbeiten E-Mails ab.

Kopfschütteln statt Zwischenrufe

Der Saal ist proppenvoll. Nationalbank-Präsident Martin Schlegel ist da, auch Staatssekretär Alexandre Fasel findet noch einen Platz, ebenso wie Blackrock-Vize Philipp Hildebrand. Die Fotografen dürfen sich hinter einem Absperrband aufreihen. Sonst darf nur noch das Sicherheitspersonal stehen bleiben. Für alle anderen gilt: Wer keine Sitzgelegenheit findet, muss wieder raus. Ein paar Topbanker haben Mitleid mit einer jungen Unternehmerin und rücken zusammen, damit sie bleiben kann. Die Temperatur, die ohnehin schon hoch ist, steigt noch ein bisschen mehr.

Als Trump nach einer kurzen Laudatio von WEF-Co-Präsident Larry Fink die Bühne betritt, stehen alle auf, um mit ihren Handys Fotos vom US-Präsidenten machen zu können. Eine Managerin nervt sich und zupft am Ärmel ihres Begleiters, dass er sich gefälligst wieder setzen soll. Auch während der Rede filmen sie Trump immer wieder von der Grossleinwand ab.

Latvia's President Edgars Rinkevics, left, listens to the address of President Donald Trump during the Annual Meeting of the World Economic Forum in Davos, Switzerland, Wednesday, Jan. 21, 2026.  ...
Die Rede forderte Geduld im Publikum.Bild: keystone

Je länger das Referat dauert, desto mehr kippt die Stimmung – von aufgekratzt, weil live dabei, und erwartungsvoll, hin zu desillusioniert. Sie reagieren mit Kopfschütteln auf Trumps Demütigungen gegenüber Bundesrätin Karin Keller-Sutter, Frankreichs Staatspräsidenten Emmanuel Macron oder den US-Notenbank-Chef Jerome Powell. Zwischenrufe gibt es keine, nicht einmal ein Raunen geht durch den Saal. Alle sitzen still auf ihren Stühlen. Beim Herausgehen schauen sie sich ungläubig an. «Es ist nur traurig», sagt ein Topmanager.

Der grosse Unterschied

Amerikaner und Trump-Kenner wundern sich schon längst nicht mehr. Sie kennen ihren Präsidenten und seine kruden Behauptungen. Bei den Europäern hingegen hinterlässt die Rede viel Ratlosigkeit. Eine Schweizer Unternehmerin, die die Rede von zuhause online mitverfolgt, meldet sich per SMS. «Es wird mir schlecht, wenn ich das höre. Musste abstellen.» Den Saal verlassen haben hingegen nur wenige. (aargauerzeitung.ch)

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Trumps Aussagen am WEF
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Trumps Aussagen am WEF

Donald Trump lobt sich bei seiner Rede am WEF selbst.

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Trump am WEF: Sie nannten mich «Daddy»
Video: watson
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