Schweiz
Analyse

Donald Trump am WEF 2026 in Davos: Was an seinen Aussagen stimmt

Analyse

Die grössten Falschaussagen in Trumps Rede – und in diesem Punkt hatte er (fast) recht

Der Auftritt des US-Präsidenten in Davos glich einer Wahlkampfrede, mit den üblichen Übertreibungen. Wir haben sieben Aussagen auf ihren Wahrheitsgehalt geprüft.
21.01.2026, 21:2522.01.2026, 08:10
Renzo Ruf, Washington / ch media

70 Minuten sprach Donald Trump am Mittwoch in Davos, und seine Rede war eine Mischung aus Selbstlob, masslosen Übertreibungen und heftiger Kritik an den europäischen Verbündeten. Dabei verbreitete der amerikanische Präsident auch zahlreiche Unwahrheiten. Eine kleine Übersicht.

«Ich habe die Zölle auf 30 Prozent erhöht»

In seiner Tirade gegen Bundesrätin Karin Keller-Sutter vergass Donald Trump nicht nur, welchen Titel sie im vergangenen Jahr trug («Premierministerin», behauptete Trump).

KEYPIX - US President Donald Trump, right, speaks with Switzerland's Federal President Guy Parmelin, center, next to Switzerland's Economy Minister Federal councillor Karin Keller-Sutter lef ...
Selbst Trump scheint bei den Zolltarifen gegen die Schweiz kurzzeitig den Durchblick verloren zu haben.Bild: keystone

Er hatte auch vergessen, wie hoch der ursprüngliche Strafzoll ausfiel, den er im vergangenen April auf Schweizer Importen verhängt hatte. Er sagte, er habe die Abgaben «auf 30 Prozent erhöht». Es waren aber 31 Prozent. Auch vergass Trump, dass er die Strafzölle aufgrund der internationalen Proteste bis im August ausgesetzt hatte. Keller-Sutters Anruf erfolgte erst am Ende dieser Übergangsfrist. Immerhin stimmte es, dass Trump die Zölle auf Schweizer Güter nach diesem Gespräch auf 39 Prozent erhöhte.

«Wir haben Grönland zurückgegeben»

Trump sprach in seiner Rede ausführlich über seinen Wunsch, Grönland einzuverleiben – auch wenn er das dänische Territorium mehrmals mit dem unabhängigen Island («Iceland») verwechselte.

President Donald Trump gestures in the hallway after his special address during the 56th annual meeting of the World Economic Forum, WEF, in Davos, Switzerland, Wednesday, Jan. 21, 2026. (Gian Ehrenze ...
Donald Trump erzählte einiges, das so nicht ganz stimmte.Bild: keystone

Er verwies auf den Zweiten Weltkrieg, wo die USA tatsächlich anstelle des besetzen Dänemarks die Verteidigung der grössten Insel übernommen hatte. 1944 vertrieben die US-Streitkräfte die letzten deutschen Soldaten aus Grönland, die Wetterstationen betrieben hatten. Trump sagte dazu: «Nach dem Krieg gaben wir Grönland an Dänemark zurück. Wie dumm von uns, das zu tun!»

Diese Aussage ist zumindest verkürzt. Die USA hatten die territorialen Ansprüche Dänemarks auf Grönland bereits 1917 vertraglich anerkannt; daran änderte sich auch im Zweiten Weltkrieg nichts. Nach Kriegsende handelte der damalige Präsident Harry Truman ein Abkommen mit Dänemark aus, das die Stationierung von amerikanischen Soldaten auf Grönland erlaubte.

«Nahrungsmittel sind billiger geworden»

Bevor er über das Gastgeberland Schweiz herzog und über Grönland schwadronierte, lobte der amerikanische Präsident seine wirtschaftspolitische Bilanz. So sagte er, dass seit seinem Amtsantritt vor einem Jahr die Lebensmittelpreise gesunken seien und die Strompreise fallen würden.

Das stimmt so nicht, wie in der offiziellen Inflation-Statistik nachzulesen ist. Die Lebensmittelpreise stiegen in den vergangenen 12 Monate um 2,4 Prozent. Und Strom wurde um 6,7 Prozent teurer, während der Erdgas-Preis gar um 10,8 Prozent stieg. Auch deshalb sind so viele amerikanischen Wählerinnen und Wähler mit Trump unzufrieden: Nur 42 Prozent finden, er mache eine gute Arbeit.

«Ich konnte keinen Windpark in China finden»

Donald Trump hasst Windräder. Sie sind angeblich zu teuer, verschandeln die Natur und töten viele Vögel. Besonders stört ihn aber, dass China mit dem Export von Windkraftanlagen viel Geld verdient – selbst aber auf den Bau von Windparks verzichte. «Ich konnte keine finden. Die stellen die Dinger her und verkaufen sie an dumme Leute», sagte Trump.

epa09470085 A boat sails past wind turbines in Rudong, Jiangsu province, China, 15 September 2021. The home base is where wind turbines and other offshore equipment are manufactured, maintained, and s ...
Windräder in der Provinz Jiangsu in China 2021.Bild: keystone

Das ist eine Behauptung, die komplett erfunden ist und mit einer einfachen Internet-Suche widerlegt werden kann. So ist auf Wikipedia nachzulesen: «Die Volksrepublik China ist seit mehreren Jahren das Land mit der grössten installierten Windenergieleistung.» Daneben sind Fotos von Turbinen zu sehen.

«Die Präsidentenwahl 2020 war gefälscht»

Es vergeht kein öffentlicher Auftritt des amerikanischen Präsidenten, während dem er nicht behauptet, er habe erstens in der Wahl 2024 einen Erdrutschsieg erzielt und zweitens 2020 gegen Joe Biden gar nicht verloren. «Die Präsidentenwahl 2020 war gefälscht. Alle wissen das nun, und bald werden Menschen deshalb auch vor Gericht gestellt», sagte er am Mittwoch.

Wahr ist: 2024 gewann Trump zwar mit einem klaren Vorsprung auf die Demokratin Kamala Harris, im letztlich entscheidenden Wahlmänner-Gremium lautete das Resultat aber 312 zu 226. Das ist im langjährigen Vergleich kein Erdrutsch. Die Behauptung Trumps, dass Biden ihn 2020 nur dank Betrügereien aus dem Weissen Haus verdrängt habe, wiederholt der Präsident seit mehr als fünf Jahren. Es gibt aber dafür schlicht keine Anhaltspunkte. Trump verlor die Präsidentenwahl gegen den Demokraten.

Budgetsanierung: «Es wird bald noch mehr werden»

Zu den positiven wirtschaftspolitischen Entwicklungen in den USA gehört laut Trump auch die Sanierung des Bundeshaushalts. Er behauptet, seiner Regierung sei es gelungen, das Defizit massiv zu verringern, mit Hilfe von Ausgabenkürzungen. «Es wird bald noch mehr werden.»

Das ist falsch. In den ersten vier Monaten des laufenden Fiskaljahres erwirtschaftete die amerikanische Bundesregierung ein Minus von 600 Milliarden Dollar. Das ist zwar rund 110 Milliarden Dollar besser als gedacht, aber nur dank den deutlich höheren Staatseinnahmen.

Auch behauptete Trump, dass der Bundeshaushalt ausgeglichen wäre, wenn sämtliche Sozialhilfe-Betrügereien gestoppt würden. Washington gibt pro Jahr mehr als 1100 Milliarden Dollar für Dutzende von Sozialhilfe-Programme aus. Trump behauptet also, dass mehr als die Hälfte dieser Ausgaben auf Betrug fussten – dafür gibt es keine Belege.

«Kilometerlange und kilometerbreite Datenzentren»

Trump brüstete sich während seines Auftrittes für die führende Rolle, die sein Land beim Bau von Rechenzentren für Künstliche Intelligenz spielten. Dabei erwähnte er auch den Meta-Chef Mark Zuckerberg, der ein Datenzentrum baue, das so gross wie der New Yorker Stadtteil Manhattan sei. «Kilometerlang und Kilometerbreit», sagte Trump, sei das neue Gebäude.

Das stimmt ... fast. Der geplante Riesen-Bau in Louisiana kostet ungefähr 10 Milliarden Dollar und wird die Grösse von 70 Football-Feldern aufweisen. Die Halbinsel Manhattan ist ungefähr sechs Mal grösser. (aargauerzeitung.ch)

DANKE FÜR DIE ♥
Würdest du gerne watson und unseren Journalismus unterstützen? Mehr erfahren
(Du wirst umgeleitet, um die Zahlung abzuschliessen.)
5 CHF
15 CHF
25 CHF
Anderer
Oder unterstütze uns per Banküberweisung.
Trumps Aussagen am WEF
1 / 7
Trumps Aussagen am WEF

Donald Trump lobt sich bei seiner Rede am WEF selbst.

Auf Facebook teilenAuf X teilen
«Wir wollen Grönland aber ohne Gewalt»
Video: watson
Das könnte dich auch noch interessieren:
Du hast uns was zu sagen?
Hast du einen relevanten Input oder hast du einen Fehler entdeckt? Du kannst uns dein Anliegen gerne via Formular übermitteln.
124 Kommentare
Dein Kommentar
YouTube Link
0 / 600
Hier gehts zu den Kommentarregeln.
Die beliebtesten Kommentare
avatar
Dark Circle
21.01.2026 21:52registriert September 2018
"Nur 42 Prozent finden, er mache eine gute Arbeit".

WTF!!
Inflation
Lügen-Interviews
Imageverlust der USA
Nachbarländer machen Deals mit China
Drohender Bürgerkrieg
Ice Agenten erschiessen Unschuldige

Und immer noch 42% finden er macht einen guten Job?
2477
Melden
Zum Kommentar
avatar
rosen nell
21.01.2026 21:55registriert Oktober 2017
Kurz gesagt: Normalerweise wäre so ein Typ in der Geschlossenen. Aktuell regiert er die Welt.
1755
Melden
Zum Kommentar
avatar
Touché
21.01.2026 21:47registriert Februar 2019
80% Selbstlob. 20% Lügen.

Huch! Da kommen wir doch prompt auf diese krankhafte 150% Selbsteinschätzung vom DT ...!

Bitte! 🙏🏼Wie lange noch?
1131
Melden
Zum Kommentar
124
CEOs schubsen, Davos paralysiert: Der Trump-Wahnsinn am WEF in 9 Kapiteln
Der US-Präsident trat in Davos aggressiver auf als bei seinen letzten beiden Besuchen. Schon seine Anreise verlief chaotisch, im Kongresszentrum kam es zu Tumulten. 9 Beobachtungen und Erkenntnisse eines verrückten Tages.
Der Präsident der Unvorhersehbarkeiten macht seinem Ruf schon bei der Abreise in Washington alle Ehre. Aufgrund eines unidentifizierten Problems mit der Elektronik an Bord der Air Force One muss das Präsidentenflugzeug in der Nähe von Long Island bei New York City umkehren. Trump besteigt um 6 Uhr Schweizer Zeit dann ein Ersatzflugzeug. Noch kurz vor dem Abflug befürchteten US-Medien das Schlimmste: Trumps jüngste Äusserungen zu Grönland könnten Davos zu einem ultimativen Krisengipfel machen. Niemand wisse, was er dort auslöse. Wer das liest, muss sich fragen: Geht heute die Welt unter?
Zur Story