Wirtschaft
Schweiz

«Mohrenköpfen» droht auch Aus bei Spar und Volg

«Mohrenköpfen» droht auch Aus bei Spar und Volg – Kunden rennen Dubler die Bude ein

Nach der Migros überlegen sich weitere Detailhändler, die Zusammenarbeit mit dem Süssigkeiten-Hersteller zu beenden. Dieser verkauft dank der Aufregung mehr «Mohrenköpfe».
11.06.2020, 13:5411.06.2020, 13:54
Mark Walther / ch media
ZUR PRODUKTION DER DUBLER MOHRENKOEPFE IN WALTENSCHWIL STELLEN WIR IHNEN FOLGENDES NEUES BILDMATERIAL ZUR VERFUEGUNG --- An employee packs up chocolate marshmallows, pictured at the company Dubler in  ...
Die Firma Dubler stellt ihre «Mohrenköpfe» in Waltenschwil (AG) her.Bild: KEYSTONE

Schlechte Nachrichten für «Mohrenkopf»-Produzent Robert Dubler: Auch die Detailhändler Spar und Volg denken darüber nach, seine Süssigkeiten aus den Regalen zu verbannen. «Wir erachten den Namen nicht mehr als zeitgemäss und werden mit dem Lieferanten das Gespräch suchen», wird eine Volg-Sprecherin im «Blick» zitiert. «Aufgrund der langjährigen und guten Geschäftsbeziehung sind wir bestrebt, eine faire Lösung zu finden.» Ein Entscheid sei noch nicht gefallen.

Spar hat die Dubler-Mohrenköpfe in einigen Filialen im Angebot. «Als weltoffenes und multikulturelles Unternehmen liegt uns sehr viel daran, dass niemand diskriminiert wird», schreibt eine Mediensprecherin. Auf die Namensgebung werde heute sehr viel differenzierter reagiert. «Wir werden uns mit dieser Frage deshalb sorgfältig auseinandersetzen.» Man werde sich auch mit den «langjährigen Lieferanten», gemeint ist primär Dubler, in Verbindung setzen.

Denner diskutiert mit Hersteller über «Mohrenkönig mini»

Für Dubler ist die Aufregung um den Namen seiner Produkte absatzfördernd: «Die Kunden kamen am Donnerstagvormittag in rauen Mengen», sagt er. Er habe in zwei Stunden so viel verkauft wie am ganzen Mittwoch, und der sei gut gelaufen. Auch langfristig scheint er zu profitieren: Nach der letzten «Mohrenkopf»-Empörung vor zwei Jahren verzeichnete er rund zehn Prozent mehr Verkäufe.

Tätig geworden ist auch Denner: Die Migros-Tochter verkauft in der Deutschschweiz den «Chocolat Mohrenkönig mini» von Chocolat Ammann in Heimberg (BE). Dieser fliegt Mitte August aus dem Standardsortiment und wird nur noch sporadisch in Aktionen angeboten. Das teilt ein Unternehmenssprecher mit. Man habe das schon vor der aktuellen Debatte entschieden. Ausserdem sei man mit dem Hersteller in Kontakt bezüglich eines alternativen Namens für das Produkt.

Junge SVP verteilt «Mohrenköpfe» in Zürich

Die Migros lancierte die neuerliche «Mohrenkopf»-Diskussion am Mittwoch. Sie kündigte an, die Dubler-Produkte aus dem Sortiment zu streichen. Sie waren in zwei Filialen der Zürcher Migros-Genossenschaft erhältlich.

«Unter den aktuellen Entwicklungen verstehen wir, dass dieses Produkt als provozierend empfunden werden kann», schrieb eine Migros-Sprecherin. Sie bezog sich auf den gewaltsamen Tod des schwarzen US-Amerikaners George Floyd und die anschliessend weltweiten Proteste gegen Rassimus.

Die Migros handelte sich mit ihrem Entscheid lobende Worte, aber auch viel Unverständnis ein. In Online-Umfragen mehrerer Medienportale erachten überwältigende Mehrheiten den Rauswurf als falsch. Die SVP-Jungparteien aus Zürich und Aargau waren derart empört, dass sie am Donnerstagmorgen beim Zürcher Hauptbahnhof eine Protestaktion durchführten: Sie verteilten 500 Dubler-«Mohrenköpfe».

Dass die Migros sich von ihm abwendet, kann Dubler verkraften. Sie bringt ihm rund zwei Prozent des Umsatzes. Bei Volg sind es acht bis zehn Prozent. Die Hälfte der zehn Millionen «Mohrenköpfe», die er letztes Jahr produzierte, verkauft er über seinen Laden.

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