Wirtschaft
Wir verwenden Cookies und Analysetools, um die Nutzerfreundlichkeit der Internetseite zu verbessern und passende Werbung von watson und unseren Werbepartnern anzuzeigen. Weitere Infos findest Du in unserer Datenschutzerklärung.
Two employees, left, of the industrial group Georg Fischer Inc. work on a metal cast in the production facility of GF Automotive in Schaffhausen, Switzerland, pictured on October 9, 2007. Another employee, right, sits in front of a computer screen. The Georg Fischer company with 12'000 employees was founded in 1802 and focuses on the 3 core businesses GF Automotive, GF Piping Systems and GF AgieCharmilles. GF Automotive develops and manufactures iron and light alloy cast components for the global automotive industry and employs 5'700 people. (KEYSTONE/Martin Ruetschi)

Zwei Mitarbeiter, links, des Industriekonzerns Georg Fischer AG arbeiten am 9. Oktober 2007 in der Produktionsstaette der Unternehmensgruppe GF Automotive in Schaffhausen an einem Gussteil. Ein weiterer Mitarbeiter, rechts, arbeitet an einem Computer. Das 1802 gegruendete Unternehmen mit 12'000 Angestellten konzentriert sich auf die 3 Teilbereiche GF Automotive, GF Piping Systems und GF AgieCharmilles. GF Automotive entwickelt und produziert Gussteile fuer die Automobilindustrie und deren Zulieferer und beschaeftigt 5'700 Mitarbeiter. (KEYSTONE/Martin Ruetschi)

Werkhalle von Georg Fischer: Das Schaffhauser Unternehmen ist ein Zulieferer der Autoindustrie. Bild: KEYSTONE

Aufhebung des Euro-Mindestkurses

Finanzplatz, Werkplatz, Tourismus: Das sind die Gewinner und Verlierer



Völlig überraschend hat die Schweizerische Nationalbank (SNB) den Mindestkurs von 1.20 Franken pro Euro aufgehoben. Die Reaktionen reichen von Verblüffung über Konsternation bis zu Entsetzen. Die Folgen für die Schweizer Wirtschaft dürften einschneidend sein. Es gibt einige Gewinner und sehr gewichtige Verlierer. Ein Überblick:

Die Gewinner

ZUR GRUENDUNG EINER GROSSBANKEN-LOBBY DURCH DIE UBS UND DIE CS STELLEN WIR IHNEN FOLGENDES THEMENBILD ZUR VERFUEGUNG - Ein Tram faehrt ueber den Paradeplatz am Freitag, 22. Juni 2012 in Zuerich. (KEYSTONE/Alessandro Della Bella)

Paradeplatz in Zürich. Bild: KEYSTONE

Finanzplatz: Im Gleichschritt mit dem SMI tauchten am Donnerstag auch die Aktienkurse der Grossbanken. Dennoch dürfte der Finanzplatz Schweiz vom SNB-Entscheid profitieren. Namhafte Vertreter wie Oswald Grübel, Kurt Schiltknecht und Martin Ebner hatten den Euro-Mindestkurs Ende Dezember quasi zum Abschuss freigegeben. Die Flucht in den noch härter gewordenen Schweizer Franken wird den Banken gute Geschäfte bescheren. «Wenn es in anderen Ländern kriselt, ist die Attraktivität der Schweiz ungebrochen», schrieb das Finanzportal Finews.ch. Daran wird auch die erneute Senkung der Zinsen in den negativen Bereich nichts ändern. 

Importeure: Wer Güter aus dem Euroraum in die Schweiz einführt und verkauft, darf sich freuen. Die Waren werden deutlich billiger. Zu den grössten Profiteuren gehören Autoimporteure wie Amag. Ob sie die Währungsgewinne an die Kunden weitergeben, ist eine andere Frage. Andernfalls könnten diese vermehrt auf Direktimporte ausweichen.

Shoppers get their VAT refunded at the shopping center Lago in Constance, Germany, pictured on September 3, 2011. (KEYSTONE/Martin Ruetschi)

Leute lassen sich im Einkaufszentrum Lago in Konstanz, Deutschland, am 3. September 2011 die Mehrwertsteuer zurueckerstatten. (KEYSTONE/Martin Ruetschi)

Rückerstattung der Mehrwertsteuer im Einkaufszentrum Lago in Konstanz. Bild: KEYSTONE

Einkaufstouristen: Die grenznahen Orte müssen sich auf etwas gefasst machen: An Samstagen ist mit noch längeren Staus und verstopfteren Strassen, aber auch noch volleren Kassen zu rechnen. Der tiefe Euro wird auf Einkaufstouristen aus der Schweiz wie ein Magnet wirken. Auch Anbieter von Dienstleistungen können sich die Hände reiben. Der Gang zum Zahnarzt nach Deutschland lohnt sich noch mehr. Profitieren kann man theoretisch auch beim Einkaufen im Internet. Allerdings leiten viele Anbieter Kunden aus der Schweiz auf eigene Seiten mit höheren Preisen um.

Ein Handharmonikaspieler spielt am Oesterreich-Stand an der Schweizer Messe fuer Ferien und Freizeit FESPO, fuer die Besucher, anlaesslich der Eroeffnung der Messe am Donnerstag, 27. Januar 2005 in Zuerich. (KEYSTONE/Eddy Risch)

Werbung für Österreich an der Zürcher Ferienmesse Fespo. Bild: KEYSTONE

Skiresorts in Österreich: Viele Schweizer verbringen ihre Winterferien in Österreich, weil das Personal freundlicher und so ziemlich alles günstiger ist. Dieser Effekt wird sich verstärken und Ferien im europäischen Ausland vor allem für Familien noch attraktiver machen.

Grenzgänger: Knapp 300'000 Grenzgänger aus den Nachbarländern arbeiteten 2014 in der Schweiz. Mehr als die Hälfte davon stammt aus Frankreich. Sie erhalten den Lohn in Franken, zahlen daheim aber in Euro. Die Aufhebung des Mindestkurses verhilft ihnen zu einer satten Lohnerhöhung, ohne dass sie etwas dafür tun mussten.

Die Verlierer

A crane unloads a container from a truck at the harbor Kleinhueningen, in Basel, Switzerland, pictured on March 29, 2011. (KEYSTONE/Gaetan Bally)

Ein Kran entlaedt am 29. Maerz 2011 Container von Lastwagen im Hafen Kleinhueningen in Basel. (KEYSTONE/Gaetan Bally)

Containerverlad im Basler Rheinhafen. Bild: KEYSTONE

Werkplatz: Die Schweiz ist eine Exportnation und die Europäische Union ihr wichtigster Handelspartner. 55 Prozent der Ausfuhren entfallen auf die EU-Länder, allen voran Deutschland. Die Erstarkung des Franken gegenüber dem Euro wird sie massiv verteuern. In ersten Reaktionen auf den SNB-Entscheid dominiert denn auch die Angst vor einer höheren Arbeitslosigkeit, wenn hiesige Unternehmen ihre Produktion ins Ausland verlagern sollten. «Heute ist ein schwarzer Tag für den Werkplatz Schweiz», twitterte der Solothurner SP-Ständerat Roberto Zanetti.

Detailhandel: Wenn die Schweizer Bevölkerung im Ausland einkauft, leidet der Detailhandel. Letztes Jahr gab sie rund fünf Milliarden Franken im grenznahen Ausland aus. Ein schwacher Euro wird diese Tendenz verstärken. Auftrieb erhalten könnte deshalb die im Herbst erhobene Forderung des Zürcher SVP-Nationalrats Hans Fehr, die Rückvergütung der deutschen Mehrwertsteuer von 19 Prozent abzuschaffen oder deutlich zu senken.

Skifahrer nehmen den Sesselift aufs Plattenhorn, am Freitag, 19. Dezember 2014, in Arosa. Zum morgigen Start der Hauptsaison sollen weitere Pisten und Anlagen des Gebietes geoeffnet werden. (KEYSTONE/Gian Ehrenzeller)

Skiers use the Chairlift to the Plattenhorn, on Friday, December 19, 2014, in Arosa, Switzerland. Tomorrow, the main winter tourism season starts. (KEYSTONE/Gian Ehrenzeller)

Skifahrer im Sessellift auf das Plattenhorn in Arosa. Bild: KEYSTONE

Tourismus: Der starke Franken setzt dem hiesigen Fremdenverkehr seit Jahren zu. So hat die Talfahrt des Rubels zu einem Einbruch bei den Buchungen aus Russland geführt. Der Schweizer Tourismus-Verband hat erst im Dezember den Euro-Mindestkurs als «essenziell für den Schweizer Tourismus» bezeichnet, er dürfe «auf gar keinen Fall aufgegeben werden». Nun dürften harte Zeiten anbrechen: Viele Bergbahnen sind überschuldet, manche Hotels werden bei sinkenden Gästezahlen nicht überleben.

Presseschau zum Mindestkurs-Entscheid der SNB

Das könnte dich auch interessieren:

Glück vor Geld – Island treibt Wirtschaft der Zukunft voran

Link zum Artikel

Shaqiri erhält nach Traum-Comeback ein Sonderlob von Klopp – und eine Entschuldigung

Link zum Artikel

Ho ho ho! Der Bundesrat schnürt das Budgetpäckli: Dafür gibt er am meisten Geld aus

Link zum Artikel

Das beste Kamera-Handy gibt's jetzt in der Schweiz – wir haben es getestet

Link zum Artikel

Diese Schweizer Organisationen erhalten am meisten Spendengelder

Link zum Artikel

TikTok zensiert Videos von Menschen mit Behinderung – um sie vor Mobbing zu schützen 🤔

Link zum Artikel

Wegen «Wildwest-Modell» von Uber & Co. – warum bald Millionen in den AHV-Kassen fehlen

Link zum Artikel

Alphabet Inc. – das macht der Mega-Konzern hinter Google wirklich

Link zum Artikel
Alle Artikel anzeigen

Das könnte dich auch interessieren:

Glück vor Geld – Island treibt Wirtschaft der Zukunft voran

102
Link zum Artikel

Shaqiri erhält nach Traum-Comeback ein Sonderlob von Klopp – und eine Entschuldigung

22
Link zum Artikel

Ho ho ho! Der Bundesrat schnürt das Budgetpäckli: Dafür gibt er am meisten Geld aus

58
Link zum Artikel

Das beste Kamera-Handy gibt's jetzt in der Schweiz – wir haben es getestet

31
Link zum Artikel

Diese Schweizer Organisationen erhalten am meisten Spendengelder

13
Link zum Artikel

TikTok zensiert Videos von Menschen mit Behinderung – um sie vor Mobbing zu schützen 🤔

6
Link zum Artikel

Wegen «Wildwest-Modell» von Uber & Co. – warum bald Millionen in den AHV-Kassen fehlen

31
Link zum Artikel

Alphabet Inc. – das macht der Mega-Konzern hinter Google wirklich

0
Link zum Artikel

Das könnte dich auch interessieren:

Glück vor Geld – Island treibt Wirtschaft der Zukunft voran

102
Link zum Artikel

Shaqiri erhält nach Traum-Comeback ein Sonderlob von Klopp – und eine Entschuldigung

22
Link zum Artikel

Ho ho ho! Der Bundesrat schnürt das Budgetpäckli: Dafür gibt er am meisten Geld aus

58
Link zum Artikel

Das beste Kamera-Handy gibt's jetzt in der Schweiz – wir haben es getestet

31
Link zum Artikel

Diese Schweizer Organisationen erhalten am meisten Spendengelder

13
Link zum Artikel

TikTok zensiert Videos von Menschen mit Behinderung – um sie vor Mobbing zu schützen 🤔

6
Link zum Artikel

Wegen «Wildwest-Modell» von Uber & Co. – warum bald Millionen in den AHV-Kassen fehlen

31
Link zum Artikel

Alphabet Inc. – das macht der Mega-Konzern hinter Google wirklich

0
Link zum Artikel

Abonniere unseren Newsletter

3
Bubble Weil wir die Kommentar-Debatten weiterhin persönlich moderieren möchten, sehen wir uns gezwungen, die Kommentarfunktion 48 Stunden nach Publikation einer Story zu schliessen. Vielen Dank für dein Verständnis!
3Alle Kommentare anzeigen
    Alle Leser-Kommentare
  • SofaSurfer 15.01.2015 17:51
    Highlight Highlight Grundsätzlich bin ich mit dem Artikel einig. Nur hat sich da etwas eingeschlichen was ich zu hinterfragen wage... Ist da tatsächlich vom Detailhandel die Rede? Also ich hoffe wohl der Detailhandel wird in dieser Situation clever genug sein und seine Lehren daraus ziehen. Will heissen: endlich die unrealistischen Preise hier in der Schweiz anpassen und die unnötigen Aufschläge eliminieren. Denn nur so kann (nebenbei) auch der Einkaufstourismus in den angrenzenden Länder eingedämmt werden... Dies wäre die Chance des Jahrzehnts Kunden zu binden und zwar langfristig.
    • Marco Leisi 15.01.2015 20:13
      Highlight Highlight ... und profitiert der detailhandel nicht in gleichem masse von den nun viel günstigeren importen? diese marschen werden dann wohl wieder nicht an die konsumenten weiter gegeben.
  • Kaiserin 15.01.2015 16:52
    Highlight Highlight Ich bin keine Expertin, aber wird die Flucht in den Schweizer Franken nicht gleichzeitig dadurch unattraktiver gemacht, dass heute ebenfalls die Zinsen auf -0,75 gesenkt wurden?

SBB-Personal demonstriert gegen Meyer: «Chefs sind meilenweit von Realität entfernt»

Verschmutzte und verspätete Züge machen nicht nur die Passagiere, sondern auch das Personal sauer. Am Montag gehen darum SBB-Angestellte auf die Strasse. Barbara Spalinger, Vizepräsidentin der Eisenbahner-Gewerkschaft SEV, sagt, was sich jetzt bei den Bahnen ändern muss.

Frau Spalinger, SBB-Angestellte demonstrieren am Montag vor dem Hauptsitz in Bern gegen «schädliche Reorganisationen» und gegen die SBB-Führung. Woher kommt diese Wut?Barbara Spalinger: Im August wurde ein Zugbegleiter in Baden von einer defekten Zugtüre eingeklemmt und tödlich verletzt. Der Unfall hat viele Mängel bei den SBB aufgedeckt und hallt beim Personal immer noch nach. Bei den Lokführern, im Unterhalt oder bei den Zugbegleitern: Es fehlt laut unserer Analyse im SBB-Betrieb an …

Artikel lesen
Link zum Artikel