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Polytepalum radians – eine Pflanze, die von Strahlung lebt? Bild: Botanischer Garten Bern

Ernährt sich diese Pflanze von den Strahlen einer Berner Handy-Antenne?



Schön wärs!

Nachtrag: Die Meldung war frei erfunden. Das Naturhistorische Museum der Burgergemeinde Bern bewarb mit dieser Falschmeldung – wie wir eingestehen müssen: passenderweise 😉 – das «Mad Scientist Festival»

Ein Mitarbeiter des Naturhistorischen Museums der Burgergemeinde Bern hat beim Käfersammeln im Stadtgebiet nebenbei eine bemerkenswerte Entdeckung gemacht, aufgrund derer womöglich biologische Lehrbücher umgeschrieben werden müssen. Dem Hobbybotaniker ist unweit einer Mobilfunkantenne mit grosser Sendeleistung eine bisher unbekannte Pflanze aufgefallen.

«Es handelt sich auf den ersten Blick um ein unscheinbares Nelkengewächs», sagt Beat Fischer, Biologe und Kurator am Botanischen Garten der Universität Bern, der von seinem Kollegen beigezogen wurde. Auch der Spezialist für Nelkengewächse konnte die Pflanze nicht einordnen. Sehr schnell war klar, dass es sich nicht um eine einheimische Art handelt. 

Pflanze ist in der Wissenschaft nicht bekannt

Bei der näheren Untersuchung stellte sich aber heraus, dass die Pflanze in der Wissenschaft bisher nicht bekannt war. Fischer und sein Team gehen nach ersten Abklärungen davon aus, dass mit einiger Wahrscheinlichkeit eine Mutation vorliegt. Es wäre das erste dokumentierte Beispiel für eine mutierte Pflanze im Umfeld einer Mobilfunkantenne.

Die Pflanze scheint die Eigenschaften der nichtionisierenden Strahlung (NIS) zu ihrem Vorteil zu nutzen und hat im direkten Einflussbereich der Mobilfunkstrahlung offenbar eine neue ökologische Nische gefunden. «Das wäre allerdings interessant», sagt Herbert Achermann dazu, Spezialist für NIS am Bundesamt für Umwelt (BAFU). «Obwohl die Auswirkungen von Mobilfunkstrahlung auf lebende Organismen noch nicht abschliessend geklärt sind, weiss man aus Experimenten, dass beispielsweise Beeinflussung der menschlichen Gehirnaktivität, Verhaltensänderungen bei Tieren oder physiologische Veränderungen in Zellkulturen vorkommen.» 

An den Klimawandel angepasst

Laut den Botanikern der Uni Bern könnten die auffällig vergrösserten und zur Antenne hin ausgerichteten Stengelblätter ein Hinweis darauf sein, dass die Pflanze sich angepasst hat, um elektromagnetische Wellen direkt nutzen zu können. Sie wäre demnach nicht mehr ausschliesslich von Photosynthese abhängig, sondern könnte sich auch von elektromagnetischer Strahlung ernähren. Eine solche Umsetzung von Strahlenenergie in ein biochemisches System wurde zwar noch nie beobachtet, wäre aber nicht per se unplausibel – schliesslich handelt es sich auch bei sichtbarem Licht um elektromagnetische Strahlung, einfach in einem anderen Frequenzspektrum. 

Dazu kommt, dass durch die Strahlung in der Nähe der Masten Wärme entsteht. Die Pflanze wäre demnach also bestens an den Klimawandel angepasst. Eine weitere spannende Fragestellung für die Forscher – Fischer will auf jeden Fall versuchen, ein grösseres Forschungsprogramm für die neuartige Pflanze ins Leben zu rufen.

Laien sollen bei der Suche mithelfen

«Als erstes wollen wir mit vereinten Kräften abklären, ob die Art auch an anderen Handyantennen vorkommt», sagt Fischer – eine aufwändige Sache, gibt es in der Schweiz doch über 15'000 Mobilfunkantennen. Fischer hofft, dass bei der Suche auch interessierte Laien mithelfen werden, er will baldmöglichst ein entsprechendes Citizen-Science-Projekt lancieren, mit Schulungen und einer Webseite, auf der potentielle Funde geolokalisiert erfasst und in der Folge von den Experten nachgeprüft werden können. Gleichzeitig will Fischer Forschungspartner gewinnen, die anhand von Laborexperimenten untersuchen, wie sich die Pflanze physiologisch an die Strahlung angepasst hat und wie sich eventuell biochemische Prozesse auf molekularer Ebene verändert haben. (whr)

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