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Startup will mit riesigem Space-Föhn Satelliten ins All schleudern

17.11.2021, 15:0218.11.2021, 10:56

Was braucht es, um einen Satelliten in die Erdumlaufbahn zu bringen? Aktuell noch eine Rakete, jede Menge Treibstoff und ziemlich viel Geld. Das US-Startup SpinLaunch will das alles radikal ändern – mit einem riesigen Katapult Space-Föhn.

Die Idee dahinter versteht jeder Kindergärtner. Der Space-Föhn ist eigentlich eine riesige Zentrifuge. In deren Innern befindet sich ein Arm, an dem die Last befestigt wird. Erreicht der Arm die gewünschte Geschwindigkeit, wird die Last ausgeklinkt und auf 60 Kilometer Höhe in die Mesosphäre katapultiert. Dort zündet das Raketensystem, das in diesen Höhen viel weniger Arbeit verrichten muss. SpinLaunch will damit die riesigen Booster-Raketen obsolet machen. Auf dem Weg ins All benötigen Raketen für die ersten Kilometer überproportional viel Schub und Treibstoff.

Solche Projektile sollen in Zukunft noch mehr Satelliten ins All bringen.
Solche Projektile sollen in Zukunft noch mehr Satelliten ins All bringen.bild: spinlaunch

Die Idee von SpinLaunch ist einfach, die Umsetzung hingegen hochkomplex. Im Innern des Space-Föhns muss ein Vakuum herrschen. Neben der Last muss auch ein Gegengewicht abgeschossen werden. Sonst wird die Zentrifuge nach dem Abschuss instabil. Ausserdem wirken enorme Kräfte auf das Material. Kurz vor Abschuss läuft die Zentrifuge mit 450 Umdrehungen pro Minute. Die Ladung verfügt damit über eine Anfangsgeschwindigkeit von mehr als 2,3 Kilometer pro Sekunde. Das ist knapp unter Mach 7. Und das durch die dichte Erdatmosphäre. Die Hitze am Projektil muss enorm sein.

Aber: Am 22. Oktober glückte SpinLaunch ein erster Test. Ein drei Meter grosses, passives Projektil wurde laut CEO und Gründer Jonathan Yaney «mehrere 10'000 Fuss» in die Höhe geschleudert. Ein Fuss misst 30 Zentimeter. Das würde bedeuten, dass das Projektil mehrere 3000 Meter hoch geschleudert wurde. Genauer wollte Yaney nicht auf die Flugbahn eingehen. Überschallgeschwindigkeit sei aber erreicht worden.

Spinlaunch Suborbital Accelerator - First Launch

Video: watson

Der Durchmesser des Test-Föhns misst 33 Meter – das Endprodukt soll mit 100 Metern etwa dreimal so gross werden. Luft nach oben hat auch noch die Geschwindigkeit. Beim Test rotierte der Arm nur mit 20 Prozent der möglichen Geschwindigkeit.

Funktioniert der Plan, soll SpinLaunch Frachten bis zu 200 Kilogramm (60x60x150 Zentimeter Grösse) für den Zwanzigstel des aktuellen Preises in die Umlaufbahn bringen.

Die Aussicht auf noch mehr Satelliten sorgt nicht nur für Freude. Fast 8000 Satelliten umrunden die Erde bereits. Und die Zahl wächst schnell an. Bis im September wurden alleine in diesem Jahr 1400 Satelliten in Umlauf gebracht. Vor ein paar Wochen deponierte Elon Musks SpaceX für das Internetprojekt Starlink weitere 51 im All und kommt jetzt auf ein Total von 1700. Schluss ist damit aber noch lange nicht. SpaceX hat die Erlaubnis für 12'000. Astronomen schlagen deswegen Alarm.

Die Anwendungszwecke der SpinLaunch-Anlage könnte weit über den hier beschriebenen hinausgehen. Auch das US-Militär interessiert sich für die Technik. Und YouTuber Scott Manley fantasiert bereits, der geeignete Ort für den Space-Föhn wäre der Mond – wo sich sämtliche Probleme, die aufgrund von Luftwiderstand auf der Erde entstehen, in Luft auflösen.

SpinLaunch hat im Verlauf der nächsten Monate weitere Tests angekündigt.

Der erste kommerzielle Flug der Rakete von SpaceX geglückt

Video: srf/Roberto Krone
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