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Studie: Klimawandel könnte Entstehung des Coronavirus begünstigt haben

Myotis-Fledermaus in der Nacht auf schwarzem Hintergrund.
Der Klimawandel hat Südchina zu einem Hotspot für Fledermäuse gemacht. Die Säuger tragen zahlreiche Coronaviren in sich, von denen die meisten nicht ohne weiteres auf den Menschen überspringen können. Bild: Shutterstock

Klimaerwärmung könnte Entstehung des Coronavirus begünstigt haben

10.02.2021, 19:1310.02.2021, 19:25

Völlig zweifelsfrei ist die Herkunft des neuartigen Coronavirus noch nicht geklärt, doch die meisten Experten gehen davon aus, dass SARS-CoV-2 sich in einer Fledermaus-Population in Südchina entwickelte und von dort – vermutlich über einen Zwischenwirt – auf den Menschen übersprang.

Dies ist kein ungewöhnlicher Vorgang: Etwa 60 Prozent aller bekannten Infektionskrankheiten haben ihren Ursprung in Tieren und sind auf diesem Weg zu uns gelangt. Solche sogenannten Zoonosen haben in letzter Zeit zugenommen – die Corona-Pandemie ist ein aktuelles und drastisches Beispiel dafür. Aber auch die ebenfalls zu den Coronaviren gehörenden Erreger Mers-CoV und Sars-CoV-1 stammen ursprünglich von Fledermäusen.

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Eine in der Zeitschrift «Science of the Total Environment» veröffentlichte Studie von Wissenschaftlern der Universität Cambridge, des Potsdam-Instituts für Klimafolgenforschung (PIK) und der Universität Hawai’i-Manoa legt nun Hinweise darauf vor, dass womöglich der Klimawandel eine wichtige Rolle bei der Entstehung von SARS-CoV-2 gespielt hat. Denn die Klimaerwärmung hat klimatische Veränderungen in der südchinesischen Provinz Yünnan und angrenzenden Gebieten wie Laos und Myanmar bewirkt – weg von tropischem Buschland, hin zu tropischer Savanne und Laubwald.

Dies hat, so die Forscher um Robert M. Beyer von der University of Cambridge, dazu geführt, dass die Region zu einem Hotspot für Fledermäuse geworden ist, die hier ideale Lebensbedingungen vorfinden. Seit Beginn des 20. Jahrhunderts sind nach Schätzungen der Forscher etwa 40 neue Fledermausarten in die Region eingewandert – und mit diesen Säugern möglicherweise hunderte von neuen Coronaviren.

Mit der Zahl der Fledermäuse steige aber auch die Wahrscheinlichkeit, dass für den Menschen gefährliche Erreger auftreten, stellen die Wissenschaftler fest. So seien rund 100 neue Arten von Coronaviren in die Region gelangt. Zudem leben in diesen Gebieten auch Schuppentiere, die als mögliche Zwischenwirte für SARS-CoV-2 gelten. Wie die Fledermäuse werden auch sie gejagt und illegal auf chinesischen Wildtiermärkten verkauft.

In einer Mitteilung des Instituts für Klimafolgenforschung wird Beyer wie folgt zitiert:

«Durch den Klimawandel haben sich die Lebensräume von Fledermäusen verschoben. Die Tiere breiteten sich in neue Gebiete aus – und brachten ihre Viren mit. Das veränderte nicht nur, wo die Viren vorkommen, sondern ermöglichte auch neue Interaktionen mit anderen Tieren, durch die schädliche Erreger übertragen wurden oder sich weiterentwickelten.»

Die Wissenschaftler hatten die weltweite natürliche Vegetation zu Beginn des letzten Jahrhunderts mithilfe klimatischer Daten wie Temperatur, Niederschläge und Wolkenbedeckungen rekonstruiert und davon ausgehend die damalige globale Verteilung von Fledermausarten ermittelt. Diese verglichen sie mit der heutigen Verteilung der Säuger und eruierten so die Veränderung in der Anzahl Fledermausarten weltweit.

Seit dem frühen 20. Jahrhundert hat die Vielfalt von Fledermäusen dank dem Klimawandel in manchen chinesischen Regionen stark zugenommen. 
https://www.sciencedirect.com/science/article/pii/S0048969721 ...
Besonders in einigen südchinesischen Regionen, Myanmar und Laos hat die Artenvielfalt von Fledermäusen seit dem frühen 20. Jahrhundert stark zugenommen. Bild: Beyer e. a.

Die Wissenschaftler betonen, ihre Studie zeige einmal mehr, dass auch die Klimaerwärmung bei der Ausbreitung von gefährlichen Erregern eine wichtige Rolle spiele. Dies sei ein weiteres Argument dafür, den Ausstoss globaler Treibhausgase zu verringern. Auch die Ausdehnung menschlicher Siedlungsräume in die unberührte Natur müsse gebremst werden, da auf diese Weise Kontakte zwischen Menschen und tierischen Wirten von potentiell gefährlichen Erregern eher vermieden werden könnten.

(dhr)

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