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Der Hafenkran hat nichts mit Zürich zu tun? Von wegen! Fast wäre die Schweiz einmal zu Europas Schifffahrtszentrum geworden

Ein bombensicheres Kraftwerk und eine Schiffsschleuse in der Rathausbrücke sollten den Zürichsee mit den Weltmeeren verbinden. 
Ein bombensicheres Kraftwerk und eine Schiffsschleuse in der Rathausbrücke sollten den Zürichsee mit den Weltmeeren verbinden. Bild: «Die Tat», 20. Mai 1938
Schiff ahoi

Der Hafenkran hat nichts mit Zürich zu tun? Von wegen! Fast wäre die Schweiz einmal zu Europas Schifffahrtszentrum geworden

Der Hafenkran ist ein alter Hut. Kaum zu glauben, für wie viel Aufregung das Stahlgerüst sorgt, das bald am Limmatquai für Hafenstimmung sorgen soll. Dabei ist ein simpler Kran die harmloseste aller Varianten, wie ein Blick in die Archive zeigt.
09.03.2014, 14:4007.04.2014, 11:15
Andreas Teuscher​

Wie wäre es zum Beispiel mit einer Schleuse unter der Rathausbrücke, durch die schwere Rheinschiffe aus der Nordsee in den Zürichsee gehoben werden? Wie wäre es mit Häfen in Schlieren, Altstetten und Oerlikon, nicht von einem, sondern von 20 Hafenkränen geziert? 

Wenn Sie jetzt denken, das sei grotesk, absurd und hirnrissig, dann liegen Sie falsch. Seit ziemlich genau 100 Jahren liegen Pläne zum Anschluss der Stadt Zürich an das europäische Binnenschifffahrtsnetz ausführungsreif in den Schubladen. 

Als im letzten Jahrhundert der Basler Hafen gebaut wurde, war er nicht als Endpunkt der Schweizer Binnenschifffahrt gedacht, sondern als Anfang. Nach den Plänen von Ingenieuren und Behörden hätten die Lastkähne auf dem Hochrhein weiterschippern sollen in den Bodensee, der Transhelvetische Kanal hätte den Bodensee mit dem Genfersee verbunden, im Süden wären die Schiffe an den Fuss der Alpen oder gar darüber hinweg gefahren. 

Die Schweiz als Schifffahrtshub Europas

Die Schweiz wäre zum Schifffahrtshub Europas ausgebaut worden, wobei auch Zürich nicht leer ausgegangen wäre. 1914 stritten die Experten nicht darüber, ob es in der Limmatstadt einen Hafen braucht, sondern darüber, wo dieser gebaut werden sollte. 

Bild
«Schweiz am Meer»
von Andreas Teuscher erscheint Anfang April im Limmat Verlag.

Doch dann kam der Krieg, die Jahre verstrichen, geplant und geredet wurde viel, gebaut wurde nichts. Bis Ende der 30er Jahre die Wirtschaftskrise die Zürcher Schifffahrtsträume als «produktive Arbeitsbeschaffung» wieder salonfähig machte. «Am Sechseläuten 1942 wollen wir die Ankunft des ersten Lastkahnes von einem Nordseehafen in der neuen Limmatschleuse feiern», forderte die Migros-Zeitung «Die Tat» im Mai 1938. 

Und lieferte die spektakulären Pläne dazu gleich selbst. Die Rathausbrücke sollte einem «bombensicheren» Kraftwerk mit Schleusen Platz machen, die Limmat sollte 6–8 Meter tiefer gebaggert werden, damit die Lastkähne unter den alten Brücken durchpassten. Der «Wasserweg Basel – Zürich – Walensee» würde durch die Verbilligung der Frachtsätze die Industrie leistungsfähiger machen und vor allem «unserem Volke das Bewusstsein wieder beibringen, dass wir auch noch fähig sind, etwas Grosses zu unternehmen», versicherte die Redaktion. 

Man kann ihn mögen, man kann ihn hassen. Dass ein Hafenkran aber nichts mit Zürich zu tun hat, das soll niemand sagen. Es hat nicht viel gefehlt, und Zürich wäre Hafenstadt geworden. 

«Am Sechseläuten 1942 wollen wir die Ankunft des ersten Lastkahnes von einem Nordseehafen in der neuen Limmatschleuse feiern.»
«Die Tat», 1938
Der Masterplan, wie er 1942 noch brandaktuell war: Der Ausbau der Schweizer Flüsse für die Grossschifffahrt. Bild: G. Lüscher: Die Schweizerischen Binnen-Schiffahrts-Projekte. Aarau: Verlag der AZ-Presse, 1942

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