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Rekordwärme in Europas Meeren geht auf Klimawandel zurück

Untersuchung zeigt: Rekordwärme in Europas Meeren geht auf Klimawandel zurück

19.08.2026, 07:0319.08.2026, 07:03

Nicht nur die Lufttemperaturen haben in diesem Sommer in vielen Ländern Europas Rekordwerte erreicht – auch die Meere um den Kontinent sind vielerorts besonders warm. Ohne den Klimawandel wären solche Temperaturen praktisch unmöglich, heisst es in einer Untersuchung mit Schweizer Beteiligung.

People enjoy the sea as temperatures reached 39 Celsius degrees, ( 102.2 Fahrenheit), at Glyfada suburb, south of Athens, Greece, on Sunday July 19, 2026. (AP Photo/Yorgos Karahalis)
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In diesem Sommer boten die Meere vielerorts nicht die gewohnte Abkühlung.Bild: keystone

Diese Wärme – mancherorts mehr als sechs Grad über den üblichen Temperaturen – geht zu einem grossen Teil auf den Klimawandel zurück, schreibt ein internationales Forschungsteam der Organisation World Weather Attribution (WWA) in einem Bericht.

Demnach liegen die Temperaturen an fast allen europäischen Küsten teils deutlich über dem Durchschnitt des Zeitraums von 1990 bis 2020. Besonders stark betroffen sind das westliche Mittelmeer sowie am Atlantik der Golf von Biscaya und die Iberische Halbinsel.

Um den Einfluss der Erderwärmung zu ermitteln, verglich das Forschungsteam die Entwicklung der Juli-Temperaturen an der Meeresoberfläche mit Klimamodellen. Der Klimawandel habe – hauptsächlich durch die Verbrennung fossiler Energieträger wie Öl, Gas und Kohle – im Mittelmeer eine Erwärmung um etwa 2 Grad verursacht, in der Region um den Golf von Biscaya und die westliche Küste der Iberischen Halbinsel um 1,4 Grad und im Gebiet um Irland und an der britischen Westküste um etwa 1,3 Grad.

«Mit jeder zusätzlichen Tonne Kohlenstoff, die wir ausstossen, drängen wir die Temperaturen und Ökosysteme der europäischen Küsten auf unbekanntes Terrain», sagt Co-Autor Thomas Frölicher von der Universität Bern.

Oktopus-Blüte vor englischer Küste

Im laufenden Jahr hätten 90 Prozent der Küsten am Golf von Biscaya und der Iberischen Halbinsel Hitzewellen erlebt, im westlichen Mittelmeer seien es 80 Prozent gewesen. Ohne die menschengemachte Erderwärmung, die derzeit etwa 1,4 Grad über dem vorindustriellen Niveau liegt, wären es den Berechnungen zufolge jeweils etwa 40 Prozent gewesen. Auch im östlichen Mittelmeer und in den Küstenregionen um Irland wären deutlich weniger Gebiete von Hitze betroffen gewesen.

epa13078558 A boat sails during sunset on the coast of the Mediterranean Sea, in Beirut, Lebanon, 01 July 2026. EPA/WAEL HAMZEH
Auch am Mittelmeer wurde es dieses Jahr heiss.Bild: keystone

Die Wärme der Ozeane könnten die Ökosysteme und Nahrungsketten im Meer schädigen und mitunter auch die Bestände etwa von Meeressäugern und Seevögeln dezimieren. So berichten Fischer im Südwesten von England seit 2025 zu einem deutlichen Anstieg des Vorkommens von Gemeinen Kraken (Octopus vulgaris), die eigentlich in den wärmeren Gewässern vor Nordafrika heimisch sind.

«Folgen für das Leben im Meer unter der Oberfläche sind ernster»

Zudem könnten die hohen Wassertemperaturen die Entstehung schwerer Stürme begünstigen, heisst es weiter. Als Beispiel dafür nennt das Team die schweren Überschwemmungen in der spanischen Region Valencia im Herbst 2024.

«Wärmeres Wasser zum Schwimmen mag für Strandbesucher in kühleren Ländern wie meinem eigenen verlockend klingen», sagt Co-Autorin Claire Bergin von der irischen Maynooth University. «Aber die Folgen für das Leben im Meer unter der Oberfläche sind ernster.»

Meerestemperaturen auch weltweit auf Rekordniveau

Die Klimaforscherin Friederike Otto vom Imperial College London ergänzt, man könne sich nicht durch Anpassung herauswinden. «Ökosysteme sind um ihrer selbst willen wertvoll, aber auch viele Menschen und Wirtschaftszweige hängen davon ab, dass sich das Meer nicht so schnell erwärmt, wie es derzeit der Fall ist.»

Auch weltweit liegen die Meerestemperaturen derzeit auf Rekordniveau. Laut vorläufigen Daten der US-Wetter- und Ozeanografiebehörde NOAA lag die durchschnittliche globale Meerestemperatur am vorigen Sonntag bei 21,16 Grad. Der Wert liegt – bezogen auf dieses Datum – 0,75 Grad über dem Mittel der Jahre 1991 bis 2020 und 0,92 Grad über dem Durchschnitt der Jahre 1982 bis 2010. Der Wert bezieht sich auf die Temperatur zwischen den beiden 60. Breitengraden – lässt also die Polargebiete aussen vor. (dab/sda/dpa)

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