Vier Gründe, warum Europa schneller heiss wird als der Rest der Welt
Europa erhitzt sich doppelt so schnell wie alle anderen Kontinente. Diese Erwärmung befeuert Waldbrände, Dürren, heftige Regenfälle oder Überschwemmungen – und fordert dabei immer mehr Tote.
Landflächen erwärmen sich deutlich schneller als die tiefen Ozeane. Besonders davon betroffen ist Europa. Gemäss dem «Guardian» gibt es dafür vier Gründe: veränderte Wetterverhältnisse, die Nähe zur Arktis, weniger Schnee und weniger Luftverschmutzung.
In Europa ist es heute um 2,5 °C wärmer als vor dem massiven Einsatz fossiler Brennstoffe. Das ist um über ein Grad Celsius mehr als der weltweite durchschnittliche Temperaturanstieg von 1,4 °C. Seit Mitte der 1990er-Jahre sind die Temperaturen in Europa um 0,56 °C pro Jahrzehnt gestiegen, verglichen mit 0,42 °C in Nordamerika, 0,36 °C in Afrika und 0,27 °C in Südamerika.
Grund 1: Ändernde Wetterverhältnisse
Die Luftzirkulation über Europa verändert sich. Deshalb treten im Sommer häufigere und stärkere Hitzewellen auf. Wie stark die globale Erwärmung dahintersteckt, untersuchen Forscher noch.
Ein Zusammenhang wird aber immer wahrscheinlicher: Die Druckmuster an der Oberfläche und andere Zirkulationswerte haben sich in den letzten 40 Jahren statistisch deutlich verändert. Das passe eher zum Klimawandel als zu natürlichen Schwankungen, so der EU-Klimadienst Copernicus.
Möglicherweise stecke der Jetstream hinter diesem Zusammenhang, heisst es beim «Guardian» weiter. Dieser schnelle Wind in der oberen Atmosphäre prägt das Wetter in Europa stark – und die steigenden Temperaturen verändern ihn selbst.
Grund 2: Nähe zur Arktis
Normalerweise reflektieren die grossen polaren Eiskappen Sonnenlicht zurück ins Weltall. Doch auch das Eis schmilzt immer schneller. Deshalb ist die Arktis auch die sich am schnellsten erwärmende Region der Welt, obwohl sie keine Landmasse hat.
Der Ozean, der aufgrund des fehlenden Eises zum Vorschein kommt, erhitzt sich deutlich stärker. Folglich schmilzt das Eis noch schneller. Ein Teufelskreis, den Europa mit seiner Nähe zur Arktis ebenfalls zu spüren bekommt.
So veränderte sich die arktische Eiskappe im Sommer 2025

Grund 3: Weniger Schnee
Ähnlich verhält es sich mit Schnee, der ebenfalls Sonnenlicht reflektiert und den europäischen Kontinent so abkühlt. Doch je wärmer es wird, desto weniger Schneeflächen gibt es. Im März 2025 waren die Schneeflächen Europas um 31 Prozent kleiner als der Schnitt zwischen 1991 und 2020.
Grund 4: Weniger Luftverschmutzung
Die letzte Veränderung, die zur Erwärmung beiträgt, ist eigentlich eine gute: weniger Luftverschmutzung. Die sauberere Luft Europas macht die Auswirkungen der hohen Kohlendioxidbelastung in der Atmosphäre aber noch spürbarer.
Schadstoffpartikel können nämlich ebenfalls Sonnenstrahlen reflektieren: direkt oder indem sie die Wolkenbildung anregen. Hat es weniger, kommt mehr Wärme bis zum Boden, wo sie zusätzlich von Treibhausgasen zurückgehalten wird.
Die Konsequenzen
Die rasante Erwärmung hat spürbare Auswirkungen auf die Menschen auf dem gesamten Planeten: mehr Todesfälle, heftigere Waldbrände und Dürren. Auch Stürme, Starkregen und Überschwemmungen verstärken sich mit der zusätzlichen Wärme im Klimasystem.
Der UN-Klimachef Simon Stiell erklärte Ende Juli: «Die schrecklichen Kosten dieser Klimakrise – sowohl in menschlicher als auch in wirtschaftlicher Hinsicht – erreichen mittlerweile das Ausmass nationaler Notlagen. Was zu tun ist, ist klar: Wir müssen schneller aus Kohle, Öl und Gas aussteigen, erneuerbare Energien ausbauen und die Menschen schützen.» (olj)
