Einmal «Vapen» reicht laut Tests schon aus für Gefässschädigung
Der Gebrauch von Nikotin-Verdampfern auch ohne das Verbrennen von Tabak schädigt akut die Blutgefässe der Konsumierenden. Der Blutdruck steigt, die Blutgefässe verengen sich, DNA-Schäden lassen sich feststellen.
Das ist das Ergebnis von Tests mit 30 «Vapern» durch deutsche Wissenschaftler. Die Studie, die am Dienstag im «European Journal of Preventive Cardiology» veröffentlicht wurde, umfasste 30 gesunde, erwachsene Raucher mit einem Durchschnittsalter von 34 Jahren.
Die Untersuchung wurde von Lea Strohm vom Universitätsklinikum Mainz geleitet. Sie erklärte laut Europäischer Gesellschaft für Kardiologie: «Tabakerhitzer (...), die den Tabak erhitzen statt ihn zu verbrennen, werden oft als weniger schädliche Alternative zu herkömmlichen Zigaretten vermarktet. Unabhängige Belege für ihre unmittelbaren Auswirkungen auf die Herz-Kreislauf-Gesundheit und den Körper insgesamt sind jedoch weiterhin begrenzt.»
Die Teilnehmenden gaben Blutproben ab, ihr Blutdruck wurde gemessen, ihre Blutgefässe mittels Ultraschall der Hauptarterie im rechten Arm untersucht. Anschliessend verwendeten sie ein Tabakerhitzungsprodukt. Die Tests wurden zur Bestätigung der Ergebnisse zweimal unabhängig voneinander durchgeführt.
Messparameter glitten ins Negative ab
Die Resultate waren eindeutig, so die Kardiologen-Fachgesellschaft: «Beim Vergleich der Messwerte vor und nach der Anwendung stellten die Forscher mehrere Veränderungen fest. Erstens stieg der systolische Blutdruck um drei Millimeter Quecksilbersäule. Zweitens verringerte sich die Gefässfunktion um elf Prozent, gemessen anhand der Dilatation mit dem Blutfluss (FMD), die angibt, wie stark sich eine Arterie als Reaktion auf einen erhöhten Blutstrom erweitert.»
Schliesslich habe es auch Anzeichen für eine verminderte Sauerstoffversorgung des Körpers gegeben. Die venöse Sauerstoffsättigung, also der Anteil des an Hämoglobin gebundenen Sauerstoffs im zum Herzen zurückfliessenden Blut, sank von etwa 71 Prozent auf etwa 46 Prozent.
Die Forscher fanden ausserdem DNA-Schäden an den Blutzellen und eine oxidative Stressreaktion – ein Zeichen dafür, dass die Zellen versuchen, sich gegen Schäden zu verteidigen. Diese Ergebnisse widerlegten die Behauptung, dass erhitzte Tabakprodukte wesentlich weniger schädlich für das Herz-Kreislauf-System seien als herkömmliche Zigaretten.
Die wissenschaftliche Untersuchung liefere einen klaren, kontrollierten Einblick in die unmittelbaren Auswirkungen des Konsums erhitzter Tabakprodukte auf das Herz-Kreislauf-System. Um jedoch zu verstehen, wie lange diese Effekte anhalten, seien grössere Langzeitstudien erforderlich, so die Expertin.
Co-Autor Thomas Münzel vom Universitätsklinikum Mainz erklärte dazu: «Kein nikotinhaltiges Produkt, egal ob geraucht, erhitzt, verdampft oder oral aufgenommen, kann als unbedenklich für Herz und Blutgefässe gelten. Erhitzter Tabak erzeugt zwar weniger Verbrennungsprodukte, gibt aber dennoch Nikotin ab, welches die Gefässwände schädigt, den Blutdruck erhöht und Atherosklerose fördert.» (hkl/sda/apa)
