Wissen
Tier

Schwammspinner in der Schweiz: Der invasive Falter wird 2027 zur Plage

Insekten. Von Raupen des Schwammspinners Lymantria dispar befallenes Waldst�ck am Bockwitzer See bei Borna im Landkreis Leipzig. 20200619MIC0667 *** Insects A woodland area infested by caterpillars of ...
Zahlreiche Schwammspinner sitzen auf einem Baum: Die Tiere sind sehr gefrässig.Bild: www.imago-images.de

Dieses Insekt wird 2027 zur Plage: Der Schwammspinner in 5 Punkten

Der Schwammspinner breitet sich in warmen Regionen rasch aus und frisst Bäume kahl. Experten warnen vor massiven Schäden und gesundheitlichen Risiken durch Brennhaare.
31.08.2026, 21:3031.08.2026, 21:30
Jennifer Buchholz / t-online
Ein Artikel von
t-online

Der heisse und trockene Sommer dieses Jahres hat dazu geführt, dass sich zahlreiche Insekten enorm ausbreiten konnten – darunter beispielsweise die Gottesanbeterin. Im kommenden Jahr könnte noch eine weitere Art hinzukommen: der Schwammspinner. Experten rechnen ab Sommer 2027 mit einer Massenvermehrung – vor allem in Regionen mit vielen Eichenbeständen und warm-trockenem Klima.

Was ist ein Schwammspinner?

Schwammspinner (Lymantria dispar) sind kleine Nachtfalter. Die Weibchen haben cremeweisse bis gelblich-weisse Flügel und eine Flügelspannweite von 38 bis 70 Millimeter. Die Männchen haben goldbraune Flügel. Ihre Flügelspannweite liegt zwischen 38 und 50 Millimetern. Weibliche Schwammspinner sind dämmerungsaktiv und im Gegensatz zu den Männchen flugträge.

Nach der Paarung legt das Weibchen zwischen 300 und 500 Eier in die unteren Partien von Laubbäumen. Die schwarzen Larven schlüpfen im darauffolgenden Frühling und verwandeln sich kurz darauf in aschgraue bis graugelbe Raupen mit sogenannten Schwebehaaren. Mit ihrer Hilfe können sich die Tiere kilometerweit mit dem Wind tragen lassen. Die Raupen sind bis zu sieben Zentimeter lang und ernähren sich von den jungen Blättern der Bäume.

Schwammspinner, Schwamm-Spinner (Lymantria dispar), Weibchen , Deutschland, Bayern Gipsy moth (Lymantria dispar), female, Germany, Bavaria BLWS442814 Copyright: xblickwinkel/R.xSturmx

Spinner spong ...
Weibchen sind eher cremefarben, …Bild: imago stock&people
Gypsy Moth, Lymantria dispar.......... Gypsy Moth, Lymantria dispar, Credit:David Rentz / Avalon PUBLICATIONxNOTxINxUKxFRAxUSA Copyright: xDavidxRentzx/xAvalonx 0511132306
… Männchen dagegen eher goldbraun.Bild: www.imago-images.de

Ist der Schwammspinner gefährlich?

Bei einem Massenbefall kann es vorkommen, dass der Baum kahl gefressen ist. Neben Kern- und Steinobstbäumen sind davon vor allem Eichen, Buchen, Hainbuchen und Edelkastanien betroffen. Jede Raupe frisst etwa einen Quadratmeter Laub in ihrer 6- bis 12-wöchigen Entwicklungsphase.

Die meisten Bäume erholen sich von einem Befall wieder, wenn die Raupe ab Ende Juli den Frass einstellt und sich verpuppt. Eichen setzen die Frassschäden so sehr zu, dass sie absterben können. War das Vorjahr zudem besonders trocken oder der Wald von anderen Schädlingen oder Krankheiten geplagt, kann es im schlimmsten Fall passieren, dass der Eichenbestand nach einem Befall der Schwammspinnerraupen komplett eingeht.

Insekten. Raupe des Schwammspinners Lymantria dispar in einem befallenen Waldst�ck am Bockwitzer See bei Borna im Landkreis Leipzig. 20200619MIC1138 *** Insect caterpillar of the sponge moth Lymantria ...
Achtung: Die Raupen nicht direkt berühren!Bild: www.imago-images.de

Auch für Menschen sind die Raupen des Schwammspinners gefährlich. Die feinen Brennhaare können – ähnlich wie bei den Raupen des Eichenprozessionsspinners – zu schweren allergischen Reaktionen führen. Dazu zählen starker Juckreiz, Rötungen, Quaddeln, Augenreizungen und in Einzelfällen auch Atembeschwerden. Kommt es zum Kontakt mit der Raupe, sollten die Hände und Haare gründlich gewaschen und die Kleidung gewechselt werden. Bei anhaltenden Symptomen ist ein Arztbesuch ratsam.

Wo kommt der Schwammspinner vor?

Der Schwammspinner kommt nahezu weltweit vor – von Nordafrika über Europa bis nach Russland. Sogar in Japan ist er zu finden. Er bevorzugt warme und trockene Orte. Meist ist er in lichten Wäldern, Obstplantagen oder Parkanlagen heimisch. Warme, trockene Sommer begünstigen seine Massenvermehrung.

Wie kann der Schwammspinner bekämpft werden?

Privatpersonen sollten nicht versuchen, die Raupen oder den Falter selbstständig zu bekämpfen. Wird ein Befall entdeckt, sollte dies an eine zuständige Behörde oder Forstamt gemeldet werden (siehe Infobox ↓). Ist der Befall im eigenen Garten und noch gering, können die betroffenen Pflanzenteile vorsichtig abgeschnitten und im Restmüll entsorgt werden. Dabei sollte Schutzkleidung inklusive Handschuhe und Brille getragen werden. Auch ein Mund-Nasen-Schutz ist ratsam, damit die Brennhaare nicht eingeatmet werden.

Gebietsfremde Arten erkennen und melden
Das Bundesamt für Umwelt (Bafu) schreibt:
«Als gebietsfremde Arten werden Arten bezeichnet, die absichtlich oder unabsichtlich vom Menschen ausserhalb ihres natürlichen Verbreitungsgebiets eingebracht wurden. Invasive gebietsfremde Arten können einheimische Arten verdrängen, zu Gesundheitsproblemen beim Menschen und zu ökonomischen Verlusten führen.»

Bei infospecies.ch findest du ausführliche Informationen zu den gebietsfremden Arten. Für Fundmeldungen stehen drei Arten-Datenzentren zur Verfügung, die jeweils auch als Smartphone-App erhältlich sind.

Ist dir ein invasives Insekt aufgefallen? Melde es am besten gleich bei Webfauna: via Browser oder via App bei Google und Apple.

Warum warnen Experten jetzt?

Viele Eichen sind durch mehrere trockene Jahre und andere Schädlinge bereits stark geschädigt. Kommt nun der Massenbefall durch die Raupe des Schwammspinners und damit einhergehend der massive Kahlfrass der Bäume hinzu, können ganze Bestände ausfallen, erklären Forstleute. Zwar könnte ein kühles, nasses Frühjahr die Entwicklung zeitlich leicht verzögern – aufzuhalten ist sie nach derzeitigen Einschätzungen jedoch nicht.

DANKE FÜR DIE ♥
Würdest du gerne watson und unseren Journalismus unterstützen? Mehr erfahren
(Du wirst umgeleitet, um die Zahlung abzuschliessen.)
5 CHF
15 CHF
25 CHF
Anderer
Oder unterstütze uns per Banküberweisung.
Invasive Tierarten in der Schweiz
1 / 57
Invasive Tierarten in der Schweiz
SÄUGETIERE: Sikahirsch (Cervus nippon)Die Hirschart aus Ostasien ist ein Neozoon und wird als invasive Art eingestuft, weil sie sich in seltenen Fällen mit dem heimischen Rothirsch paart und dadurch genetisch vermischt. Das reine Rotwild verschwindet dadurch; nur die «Hybridart» überlebt.
quelle: shutterstock
Auf Facebook teilenAuf X teilen
Glibber-Invasion: Tausende Quallen im Hafen von Triest
Video: watson
Das könnte dich auch noch interessieren:
Übermüdet und gestresst: Schlafforscher sagt, was wirklich hilft
Endlose Pendenzenlisten, baldige Deadlines: Wer pausenlos und spätabends noch arbeitet, wälzt sich nachts oft im Bett. Schlafforscher Björn Rasch weiss, was hilft.
Mit stressigen Phasen sind wir alle wiederholt konfrontiert. Kann man in diesen Situationen etwas tun, damit man sich nachts nicht schlaflos im Bett wälzt?
Björn Rasch: Wichtig zu wissen ist: Unser Organismus kann für eine gewisse Zeit auch mit wenig Schlaf auskommen. Solange danach wieder Erholungsphasen kommen, ist das gut machbar. Hält der Stress jedoch über mehrere Wochen an, ist es ratsam, auf seine Schlafhygiene zu achten. Hilfreich ist es dann, abends etwa einen Spaziergang einzuplanen und auf gewisse Dinge zu verzichten, um die eine oder andere Stunde für sich zu haben.
Zur Story