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Nicht nur die Nagetiere, auch das Klima brachte uns den Schwarzen Tod

Arzt in Pestschutz-Bekleidung Mitte des 17. Jahrhunderts: Die langen Nasen der Masken wurden mit Riechstoffen gefüllt, um die Atemluft vom Gift der Pest zu reinigen. Eine Kristallbrille sollte vor ein ...
Arzt in Pestschutz-Bekleidung Mitte des 17. Jahrhunderts: Die langen Nasen der Masken wurden mit Riechstoffen gefüllt, um die Atemluft vom Gift der Pest zu reinigen. Eine Kristallbrille sollte vor einer Ansteckung durch Blickkontakt schützen.
Neue Pest-Forschung

Nicht nur die Nagetiere, auch das Klima brachte uns den Schwarzen Tod

23.02.2015, 21:1824.02.2015, 08:39
«Die fürchterliche Heimsuchung hatte grosse Verwirrung in den Herzen der Männer und Frauen gestiftet [...] Vater und Mutter scheuten sich, nach ihren Kindern zu sehen und sie zu pflegen – als ob sie nicht die ihren wären.»
Boccaccio in «Decamerone» (ca.1350)

Bisher wurde angenommen, dass die Pest einst von Asien in die europäischen Hafenstädte gelang. Dem war auch so, nur dass dies neusten Baumringstudien zufolge nicht einmal, sondern zwischen 1346 und 1837 mindestens 16 Mal der Fall war. 

Arnold Böcklins «Die Pest» (1898) hängt im Kunstmuseum Basel.
Arnold Böcklins «Die Pest» (1898) hängt im Kunstmuseum Basel.bild: bestiarium

Wissenschaftler waren bis anhin der Ansicht, dass der Erreger (Yersinia pestis) – einmal in Europa gelandet – in Beständen einheimischer Nagetiere überlebte. Dies sei jedoch unwahrscheinlich, berichten nun Ulf Büntgen und Christian Ginzler von der Forschungsanstalt für Wald, Schnee und Landschaft (WSL) sowie Kollegen der Universität Oslo im Fachjournal «PNAS». Mit grosser Wahrscheinlichkeit sei der Erreger immer wieder von Neuem aus Asien eingeschleppt worden.

Pieter Bruegel der Ältere, «Der Triumph des Todes» (ca.1562). Das Bild ist im Prado, in Madrid, zu bestaunen.
Pieter Bruegel der Ältere, «Der Triumph des Todes» (ca.1562). Das Bild ist im Prado, in Madrid, zu bestaunen.

Die Forscher haben ein digitales Inventar von insgesamt 7711 Pestausbrüchen mit 15 Baumring-Datenbanken aus Asien und Europa verglichen. Anhand der Baumringe lässt sich das Klima für jedes einzelne Jahr rekonstruieren. So fanden sie heraus, dass extrem niederschlagsreiche Jahre die Pestausbrüche in Zentralasien förderten. Der wichtigste Pestwirt – die Wüstenrennmaus – ist dort zuhause. 

Ihre Populationen erkrankten scharenweise, was die Flöhe zwang, neue Wirte zu finden. Auf diese Weise wanderte die Pest mit einer Geschwindigkeit von rund 400 Kilometer pro Jahr über die eurasischen Handelswege wie die Seidenstrasse in unsere Gefilde.

Nicolas Pussins «Die Pest von Azoth» (ca. 1630) hängt im Louvre in Paris.  
Nicolas Pussins «Die Pest von Azoth» (ca. 1630) hängt im Louvre in Paris. bild: malerei-meisterwerke

In Europa hingegen konnten die Forscher keine Hinweise auf ein klimaabhängiges Pest-Reservoir finden. Dies würde nach Ansicht der Forscher auch erklären, warum nach Anfang des 19. Jahrhunderts keine Pestherde mehr in europäischen Wildtieren existierten. 

Da war der Pesterreger bereits aus Europa verschwunden – nur nahm der Schwarze Tod allein in den ersten sechs Jahren, in denen er unerbittlich wütete, einen Drittel der damaligen europäischen Bevölkerung mit sich. 

Die Pest eröffnete einen Totentanz von unvorstellbaren Ausmassen.
Die Pest eröffnete einen Totentanz von unvorstellbaren Ausmassen.

Ob ihr Szenario wirklich plausibel sei, müssten DNA-Analysen historischer Pestopfer zeigen, schreiben die Forscher. Diese müssten im Idealfall sowohl aus unterschiedlichen Zeitepochen als auch aus mehreren Regionen in Eurasien stammen. 

(rof/sda)

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