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Die meisten Römer sind aus der Stadt geflüchtet, nur Touristen schleppen sich durch die Hitze.
Bild: TONY GENTILE/REUTERS

Rom versinkt in einer Müllkrise

Es geht um stinkende Abfallberge, Vetternwirtschaft und einen «Müll-König». Rom versinkt (mal wieder) in einer Müllkrise. Die neue Bürgermeisterin macht dabei alles andere als eine gute Figur.

05.08.16, 11:22 05.08.16, 13:01

Die Sonne brennt vom Himmel, und es stinkt zum Himmel. Die meisten Römer sind aus der Stadt geflüchtet, nur Touristen schleppen sich durch die Hitze. Vorbei an Müllhaufen, die sich an jeder Ecke türmen. Ein Festmahl für Ratten, Mäuse und Möwen.

Egal, in welches Viertel in Rom man geht: Beim Müll gibt es kaum eine Trennung zwischen arm und reich, zwischen Zentrum und Peripherie. Zwischen 200 und 300 Tonnen Abfall liegen jeden Tag auf der Strassen rum, kalkulierte Ende Juli die städtische Müllentsorgungsgesellschaft Ama. Für Roms neue Bürgermeisterin Virginia Raggi ist es die erste Probe, ob sie der Stadt wie versprochen ihren Glanz wiedergeben kann.

«Es ist ein Kulturproblem in ganz Italien. Die Leute schmeissen ihren Müll auf die Strasse und schimpfen später auf die Politiker»
Bild: EPA/ANSA

«Kulturproblem»

Es ist nicht so, dass die Müllabfuhr nicht kommen würde. Im Gegenteil. Sogar mehrmals pro Tag fahren die Wagen durch die Strassen mancher Viertel. Aber die Entsorgungsanlagen der Stadt sind alt und – wenn überhaupt – schlecht gemanaget. Sie verarbeiten nur etwa die Hälfte der Müllmenge, die sie eigentlich sollten.

Die Angewohnheit, den Müll einfach auf die Strasse zu werfen, tut ihr Übriges dazu. «Es ist ein Kulturproblem in ganz Italien. Die Leute schmeissen ihren Müll auf die Strasse und schimpfen später auf die Politiker», sagt Silvi Norcia, die im Touristenviertel Trastevere auf einem Kinderspielplatz sitzt. «Jugendliche lassen ihre Bierflaschen liegen. Neben den Brunnen, wo die Kinder spielen, pinkeln Obdachlose hin. Und Touristen denken sich: Sie machen es den Römern nach.»

Ein Müllmann, der hinter ihrem Rücken die Strasse kehrt, wirft ein: «Alle schreiben, die Müllabfuhr sei schuld. Aber niemand kehrt vor seiner eigenen Tür. Wir machen hier jeden Tag sauber.»

Ineffizienz und Vetternwirtschaft

Nun sind Müllkrisen nichts Neues in Italien, vor allem im Süden wie zum Beispiel in Neapel. «In Rom spielen viele Faktoren mit hinein», erklärt Professor Alessandro Marangoni, der das Müllmanagement in Italien untersucht.

«Es ist ein bisschen lächerlich, die heutige Regierung für Probleme verantwortlich zu machen, die viel älter sind», erläutert er. Ineffizienz und jahrelange Vetternwirtschaft bei den Entsorgergesellschaften und teils mafiöse Strukturen gehören zu den Hauptproblemen.

«Alle schreiben, die Müllabfuhr sei schuld. Aber niemand kehrt vor seiner eigenen Tür. Wir machen hier jeden Tag sauber.»

Härtere Strafen für Müllsünder

Bürgermeisterin Raggi trat im Juni an und hatte den entnervten Einwohnern versprochen, als erstes das Müllproblem zu lösen. Seitdem sind schon mehrere Fristen verstrichen, zu denen die Stadt wieder sauber sein sollte.

Zwar marschierte die Politikerin der Protestpartei Fünf-Sterne-Bewegung vor wenigen Wochen publikumswirksam ins Viertel Tor Bella Monaca, wo Kinder Dutzende Ratten vor einem Müllhaufen gezählt und das Video im Netz gepostet hatten. Und sie verkündete härtere Strafen für Müllsünder. Auch an den Tiber schickte sie ein Müllkommando, welches das Flussufer vom Dreck befreien sollte.

Umstrittener Personalentscheid

Aber im Kern ist das Problem alles andere als gelöst. Im Gegenteil: Raggi bewies wenig politisches Geschick, als sie eine Parteikollegin zur Umwelt-Beauftragten ernannte. Das Pikante: Paola Muraro war zuvor zwölf Jahre Beraterin der Müllentsorgungsgesellschaft Ama. Es zeichnet eine Beraterin aber nicht gerade aus, wenn sie über die Jahre mehr als eine Million Euro Gehalt eingestrichen hat, aber die Müllberge in der Stadt immer weiter wachsen.

Dass Muraro die Stadtreinigung Ama von «denen befreien will, die den Kollaps herbeigeführt haben», klingt vor diesem Hintergrund für viele Römer wie ein schlechter Witz. Auch, dass sie mit der Ama-Führungsriege im Clinch liegt, trägt nicht zur Lösung des Problems bei.

Der neue Schlachtruf lautet nun, Rom soll bis zum 20. August vom Abfall befreit sein.
Bild: EPA/ANSA

Der «Müll-König»

Hinzu kommt, dass sie den angestauten Abfall auf den Anlagen von Roms selbst ernanntem «Müll-König» Manlio Cerroni entsorgen lassen will, um die Stadt erst mal sauber zu bekommen. Gegen Cerroni wird jedoch wegen Umweltvergehen ermittelt. Für die Fünf-Sterne-Bewegung, die sich auch auf nationaler Ebene als Alternative zur jahrelanger Vetternwirtschaft der Politik etablieren will, sieht das weniger gut aus.

Der neue Schlachtruf lautet nun, Rom soll bis zum 20. August vom Abfall befreit sein. Was der Müllabfuhr dieses Mal entgegen kommt: Um den Feiertag Ferragosto am 15. August herum sind sowieso wesentlich viel weniger Bewohner in der Stadt, die Müll machen könnten. (hot/sda/dpa)

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Brikne, 20.7.2017
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  • dopaminho 05.08.2016 13:04
    Highlight Ich war vor kurzem in Rom und ja es ist teilweise wirklich sehr hässlich. Habe mehrmals beobachten können wie manche Leute einfach die Abfallsäcke auf die Strasse neben den Containern hingestellt haben obwohl noch genügend Platz in diesen war und man sie auch mit dem Fuss öffnen kann! Müllabfuhr kam tatsächlich sehr regelmässig vorbei.
    Es ist so schade für diese wunderschöne Stadt so ein Abfallproblem zu haben und hoffe, dass sie dieses so schnell wie möglich lösen können.
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  • Gelöschter Benutzer 05.08.2016 11:53
    Highlight Nun fürs Erste sollen reguläre reissfeste Abfallsäcke her. Dann Entsorgungseimer für Plastikflaschen und Container, dazu noch Papierkörbe, sollten auch angeschafft werden. Wie ich auf diesen Fotos oben sehe, ist die Infrastruktur für ein sauberes Rom nicht geschaffen. In Italien scheut sich keiner etwas zu tun, wenn er dafür belohnt wird. Nun dem interessiert sich die Mafia nicht, denn eher wird der Staat gepflückt, statt dass für ein sauberes Rom gesorgt wird. Wer entsorgt den Müll, für die Reichen und Schönen?
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  • steinlin 05.08.2016 11:50
    Highlight Man geht auch nicht nach Italien und schon gar nicht nach Rom.
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    • Luca Brasi 05.08.2016 17:10
      Highlight Gratulation für diesen überaus intelligenten und tiefgründigen Kommentar. *eyerolling*
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    • Gelöschter Benutzer 05.08.2016 17:52
      Highlight Schon klar...in Hinteroberpfupfingen ist die Welt noch in Ordnung.Italien und ihre Städte mögen vieles haben das nicht gut läuft!Einer der schönsten Flecke dieser Erde ist es dennoch.
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