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Eismeister Zaugg

Mehr als 100 Strafminuten für Timo Helbling und ein bisschen Verwirrung im SCB-Büro

Nur wenn Timo Helbling die Bären zurück auf den «bösen» Kurs bringt, findet der SCB zurück zu Höhenflügen.
Nur wenn Timo Helbling die Bären zurück auf den «bösen» Kurs bringt, findet der SCB zurück zu Höhenflügen.
Bild: KEYSTONE
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Mehr als 100 Strafminuten für Timo Helbling und ein bisschen Verwirrung im SCB-Büro

Die Sportabteilung des SC Bern steht unter neuer Leitung. Es wird rumpeln und wir dürfen uns auf beste Unterhaltung freuen. Wann kommt der ausländische Torhüter?
19.11.2015, 07:1819.11.2015, 08:49

Was wird unter dem neuen Trainer Lars Leuenberger (40) anders sein als unter seinem Vorgänger Guy Boucher (44)? Nun, aus taktischer Zwangsarbeit wird endlich wieder ein leidenschaftliches Spiel. Das taktische Korsett wird aufgeschnürt. Wir werden endlich den wahren Timo Helbling sehen.

Timo Helbling (34) ist seit Jahren einer der meistunterschätzten Schweizer Spieler. Ein verkannter Pionier, der sich im rauen nordamerikanischen Junioren- und Farmteamhockey in mehr als 350 Partien bravourös bewährt und es auch auf elf Partien in der NHL gebracht hat. Er stand seinen Mann im sonnigen Florida, in der bitterkalten Weizenprärie und hoch im finnischen Norden in der Nähe des Polarkreises. In Windsor, Milwaukee, Toledo, Salt Lake City, Springfield, Washington, Hershey, Rochester, Davos, Kloten, Lugano, Oulu, Zug und Fribourg. Er hat in seiner Karriere bereits über 2000 Strafminuten verbüsst.

Packt auch in der Nati die Fäuste aus: Timo Helbling (oben) kämpft an der WM 2015 mit Kanadas Nathan Mackinnon.
Packt auch in der Nati die Fäuste aus: Timo Helbling (oben) kämpft an der WM 2015 mit Kanadas Nathan Mackinnon.
Bild: FILIP SINGER/EPA/KEYSTONE

Timo Helbling ist der härteste Schweizer Spieler. Nicht der böseste. Aus seiner ganzen Karriere ist mir kein böses, hinterhältiges Foul zu Ohren gekommen. Aber sein leidenschaftlicher Kampfgeist ist legendär. Wenn nötig schreckt er auch nicht vor einem Boxkampf zurück. Mann gegen Mann. Hart auf hart.

Aber unter Guy Boucher hat Timo Helbling diese Saison erst 18 Strafminuten abgesessen. Natürlich werden Spiele nicht auf der Strafbank gewonnen. Aber alle grossen SCB-Mannschaften waren im guten Sinne böse. Die Berner waren «weich» noch nie erfolgreich. Einschüchterung und bei Bedarf Rumpelhockey sind Elemente der wahren, der meisterlichen bernischen Hockeykultur.

Die sanften Bären

Unter Guy Boucher spielten die Stürmer nicht nur verhalten und eintönig wie ein Geigenspieler in Boxhandschuhen. Fast noch schlimmer: die Berner waren so zahm und brav wie nie in diesem Jahrhundert. Den SCB hat in den letzten Monaten niemand mehr gefürchtet. Die Berner sind herumgeschubst worden. Nationalstürmer Simon Moser hat diese Saison in einem einzigen Länderspiel dreimal mehr Strafminuten kassiert als in 22 Meisterschaftspartien mit dem SCB zusammen. «Big soft Bears.»

Der Davoser Jan Brejcak, links oben, verprügelt den Berner Alain Berger. Der SCB vom grossen Bösen auf dem Weg zum Teddybär.
Der Davoser Jan Brejcak, links oben, verprügelt den Berner Alain Berger. Der SCB vom grossen Bösen auf dem Weg zum Teddybär.
Bild: KEYSTONE

Nein, ich erwarte nicht etwa unfaires Hockey. Aber wieder richtiges Hockey mit dem wahren Timo Helbling. Er hat das Potenzial, der coolste SCB-Spieler zu werden. Ein Publikumsliebling. Der Vorkämpfer der «Big bad Bears.» Er kann einen Hauch echter nordamerikanischer Härte in den Berner Hockeytempel bringen. Wir dürfen nun doch noch seine insgesamt achte Saison mit mehr als 100 Strafminuten erwarten.

Sieht so der SCB-Büroalltag aus?

Aber auch im Büro wird es interessante Umstellungen geben. Offiziell ist ja Sven Leuenberger (46) als Sportchef durch Alex Chatelain (37) abgelöst worden und Sven übernimmt von Alex dafür den Job des Nachwuchschefs. Dieser Wechsel wird weit herum für Verwirrung sorgen. Versetzen wir uns in den neuen SCB-Büroalltag. Ein Büro-Tag im Leben von Sven Leuenberger und Alex Chatelain. Sven und Alex sitzen am SCB-Hauptsitz an ihren Schreibtischen. Bei Sven rasselt das Telefon. Am Apparat ist Christoph Graf, der Agent von Luca Hischier.

Der neue Sportchef Alex Chatelain.
Der neue Sportchef Alex Chatelain.
Bild: freshfocus

«Hallo Sven» – «Hallo Christoph» – «Also Sven, wir sollten nun langsam zu einer Einigung kommen. Ich habe für den Luca unter anderem gute Offerten aus Biel, Freiburg, Genf, Langnau, Zug, Davos, Lugano und Ambri. Allesamt finanziell besser als das, was Du mir vorgeschlagen hast. Du weisst, dass es uns nicht ums Geld und nur um den Sport geht. Aber der Luca möchte halt schon, dass wenigstens seine Unkosten gedeckt sind. Er kann doch nicht noch draufzahlen. Du musst nachbessern, sonst ist er nächste Saison weg.» – «Aber Christoph, Du weisst doch, dass ich nicht mehr Sportchef bin.» – «Ich weiss. Aber Du arbeitest ja weiterhin beim SCB. Ich kann doch den Deal mit Dir machen. Das wäre mir lieber.» – «Moment mal. Bleib am Apparat».

Sven legt den Telefonhörer ab und ruft nach hinten ins Büro: «Du Alex, ich habe den Graf am Telefon. Er stürmt schon wieder wegen dem Luca. Ist es Dir recht, wenn ich das für Dich erledige?» – «Klar Sven, mach nur. Du kennst den Graf sowieso besser als ich.»Sven nimmt den Hörer wieder zur Hand. «Also Christoph, alles klar. Wir machen das. Wann kommst Du vorbei?»

Sven Leuenberger: Vom Sportchef zum Nachwuchschef.
Sven Leuenberger: Vom Sportchef zum Nachwuchschef.
Bild: KEYSTONE

Sven vereinbart also mit Christoph Graf einen Termin und geht anschliessend zu Judith Browne, der guten Seele in der SCB-Administration. «Du Judith, Du weisst, dass ich nicht mehr Sportchef bin. Stell doch bitte die Telefone zum Alex durch und nicht mehr zu mir.» – «Ja, ja ich weiss schon Sven. Aber die Agenten verlangen halt Dich. Die kennen den Alex gar nicht und wollen mit Dir reden.» – «Ja, das ist ein Problem. Wir sollten vielleicht ein Rundschreiben mit den Koordinaten von Alex verschicken und darauf hinweisen, dass er ab sofort zuständig ist.» – «Ja Sven, das ist eine gute Idee. Aber die Agenten wissen doch gar nicht, wer der Alex ist.» – «Hm, sag dem Chrigu (Medienchef Christian Dick – die Red.) er soll ein kleines Portrait über den Alex schreiben. Das können wir dann unserem Rundschreiben beilegen.»

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 «Das ist eine gute Idee. Der Chrigu hat sowieso nichts zu tun und sitzt schon wieder drüben in der Stadionbeiz am Jasstisch. Aber ich muss den Marc (SCB-Manager Marc Lüthi – die Red.) noch fragen, ob er die Portokosten bewilligt.» – «Das geht in Ordnung Judith. Ich frag ihn gleich selber. Ich habe mit ihm jetzt grad eine Sitzung. Er muss ja noch die Verpflichtung eines ausländischen Goalies bewilligen.» – «Was? Holen wir jetzt einen ausländischen Goalie?» – «Ja natürlich. Du glaubst doch nicht im Ernst, dass wir mit dem Schwendi (Janick Schwendener – die Red.) noch in die Playoffs kommen.» – «Ja, da habe ich auch meine Zweifel. Aber warum hast Du mit dem Marc eine Sitzung und nicht der Alex? Der ist doch jetzt zuständig.» – «Aber Judith, der Alex weiss doch gar nicht, wie man dem Marc Geld für Transfers ausreisst. Das muss ich ihm erst noch beibringen und wird mich viel Zeit kosten. Aber den Goalie brauchen wir so schnell wie möglich.»

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