Machtkampf in Portugals Nati – Druck vom Ronaldo-Lager und Unterstützung aus England
Beim 2:1-Sieg über Norwegen, sass Cristiano Ronaldo 90 Minuten auf der Bank. Jorge Jesus, der portugiesische Nationaltrainer, hatte ihm am Spieltag in Aussicht gestellt, ihn rund 30 Minuten einzusetzen. Im Verlauf des Spiels schickte der Trainer ihn zum Einlaufen – eingewechselt wurde er jedoch nie. Schon dort war allen bewusst, dass der Nati-Star nicht glücklich war, denn er verschwand direkt nach dem Schlusspfiff in der Kabine, ohne den Fans zu danken. Am kommenden Tag fehlte er auch im Training.
Verbandspräsident Pedro Proença reiste an, am Dienstagabend gab es ein Dreiergespräch. Am Mittwoch betonte Jesus vor dem Dänemark-Spiel, es gebe kein Problem. Kurz darauf verliess Ronaldo das Camp und kündigte an, den Portugiesen «zu gegebener Zeit» die Wahrheit zu erzählen.
Der Anruf
Laut des portugiesischen Tagblatts «Correio da Manha» spielte vor dieser Pressekonferenz ein Telefonat eine Rolle. Jesus sei unter Druck gesetzt worden, eine Erklärung mit acht Punkten zu verlesen, mit der er sich bei Ronaldo hätte entschuldigen sollen. Das Papier habe ihm Al-Nassr-Sportdirektor Simao Coutinho übergeben, wie Vitor Pinto bei CMTV enthüllte. Jesus habe nur die ersten zwei Punkte gelesen und sich dann geweigert. Eine Bestätigung dieses Berichts steht jedoch aus.
Am Montag legte Rui Santos, der portugiesische TV-Kommentator von CNN Portugal, nach: Ronaldo kehre nicht in die Nationalmannschaft zurück, solange Jesus im Amt ist. Schon nach Ronaldos Abreise hatte er von einer Provokation und einem Kräftemessen gesprochen. Die grössere Macht liege bei Ronaldo, so Santos. Offen sei nur, ob diese Macht reiche, Jesus zu stürzen, denn der werde nicht nachgeben. Jesus selbst zeigt sich offen: Ronaldo könnte beim nächsten Zusammenzug durchaus wieder aufgeboten werden, die Entscheidung liege bei ihm. Laut Berichten prüft der Verband sogar ein Abschiedsspiel.
Ferdinand und Morgan stellen sich hinter Ronaldo
Rio Ferdinand, früher Teamkollege von Ronaldo bei Manchester United, forderte Jesus auf, sich öffentlich zu entschuldigen, sonst drohe ihm die Entlassung. Die gesamte Situation wäre mit besserer Kommunikation vermeidbar gewesen, das habe er schon bei Roberto Martinez an der WM gesagt.
Cristiano Portugal Career Needs To Be Discussed! 🇵🇹 Poor Communication, Lack of Respect. Losing Followers by the Day! #cristiano #portugal https://t.co/UUKKB2qyxz
— Rio Ferdinand (@rioferdy5) October 5, 2026
Piers Morgan, der zu Cristiano Ronaldo ebenfalls ein gutes Verhältnis pflegt, behauptet, Jesus habe sich im Gespräch bei Ronaldo und Proença entschuldigt. Die Aussage von Jesus, es gebe kein Problem, sieht er als Unsinn. Für Ronaldo sei es eine Frage des Respekts, denn Jorge Jesus würde in der Pressekonferenz nicht zu seinem Wort stehen.
🇵🇹 “Ronaldo was given guarantees about how he’d be used (for Portugal)” 😡 “You DON'T do that to a top player!" Piers Morgan reacts to the fallout between Cristiano Ronaldo and Portugal manager Jorge Jesus. 📺 https://t.co/7GTCaM4F0d @piersmorgan | @sjopinion10 | @SkyKaveh https://t.co/kvxIcLH2V1
— Sports Uncensored (@SportsUncensrd) October 5, 2026
Die Resultate sprechen eine klare Sprache
Rein sportlich betrachtet gibt es bei Portugal keinen Grund für Kontroversen: 1:0 gegen Wales, 2:1 in Norwegen, 4:2 in Dänemark und am Sonntag dank eines 2:1 zuhause gegen Norwegen ein vierter Sieg. Gonçalo Ramos traf in drei Startelf-Einsätzen dreimal.
Vier Gruppenspiele in einer Nations League sind aber noch keine Titel. Fernando Santos gewann 2016 die EM und 2019 die Nations League, Martinez 2025 die Nations League. Die Frage ist, ob Portugal Cristiano Ronaldo sportlich noch braucht oder ob ein Trainer wie Jorge Jesus, der sich nicht beugt, wichtiger ist. (car)
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